Kronstadt


Kronstadt

Kronstadt, 1) Kreis im österreichischen Kronlande Siebenbürgen; 135 QM. mit 275,000 Ew., (Sachsen, Ungarn, Wlachen, Kalibassen [700 Familien, walachischen Ursprungs, im Bezirk Terzburg], Griechen u.a.); zerfällt in 10 Bezirksämter; Gebirg: Karpaten, worüber Pässe führen; Flüsse: Alt, mit seinen Nebenflüssen Burzen, Homorod etc., bringt Getreide, Gartenfrüchte, Flachs, Hanf, Wild, Gold, Silber u. andere Metalle, man treibt Ackerbau u. Viehzucht, bes. auch Bienenzucht, Leinweberei etc. Dieser District heißt auch das Burzen- (Burzel-) land (Bardtzasag, Barcia, Bartza, Csarc Burci); 2) (Kruhner, ungarisch Brasso), Haupstadt darin, königliche Freistadt, größte Stadt Siebenbürgens, am Fuße eines steilen Berges u. in einem engen Thale, wo, der walachischen Grenze nahe, drei Straßen zusammenlaufen u. eine wieder nach der Walachei führt, besteht aus der innern, von Sachsen bewohnten Stadt u. aus der Vorstadt Altstadt, im Norden Blumengärten, im Osten von Szeklern bewohnt, u. aus der oberen Vorstadt (Bulgarkronstadt), im Süden zwischen Bergen, aus Gärten bestehend, von Wlachen bewohnt; die Stadt hat 12 Kirchen, darunter die im Gothischen Styl gebaute evangelische, u. Bethäuser, Kloster (mit Tuchmanufactur), Kaufhaus, Zucht- u. Arbeitshaus, lutherisches Gymnasium mit Bibliothek, Normalhauptschule, griechische u. walachische Schule, Seminar, Militärerziehungshaus, Manufacturen in Tuch- u. anderen Wollenwaaren, Leinwand, Hüten, Wachsbleichen, Ahornflaschen, Methbrauerei, ausgebreiteten Handel (griechische Compagnie, bestehend aus 16 Kaufleuten) u. 40,000 Ew., Szeklern, Sachsen, Wlachen. In der Nähe der Schloßberg mit Paß u. alter Burg; der Kapellenberg (darauf Denkmal in Pyramidenform zur Vereinigung der russischen mit den österreichischen Truppen 1849 zur Niederwerfung der Ungarischen Revolution); Zinn od. Felsenberg, mit großer Höhle, Nonnenloch, viele Bienen- u. Walkmühlen. – K. soll 1203 von den Kreuzfahrern, welche dem König Emerich von Ungarn 1199 gegen seinen Bruder Andreas halfen u. das Burzeiland zum Geschenk von ihm erhielten, gegründet worden sein. Den Namen K. erhielt sie erst im 14. Jahrh. vom König Ludwig dem Großen, welcher ihr verstattete, den Namen nach der heiligen ungarischen Krone zu führen; 1658 wurde K. vom Woiwoden Michael IV. erobert, s. Walachei (Gesch.). 1. Juli 1844 großer Brand; im Jan. 1849 wurde K. von Bem besetzt; hier am 28. d. M. Gefecht zwischen den Österreichern u. Ungarn, worauf am 1. Febr 6000 Mann russische Truppen unter General Engelhard die Stadt in Besitz nahmen; eine zweite Besetzung der Ungarn unter Bem erfolgte Ende März; Ende Juni capitulirte K. an den russischen General Lüders, welcher diesen Platz am 12. Juli an die Österreicher unter Clam Gallas übergab; am 25. d. M. fand bei K. eine zweite Affaire zwischen den Österreichern u. Ungarn statt. 3) Dorf im Bezirk Reichenau des Kreises Gitschin (Böhmen), unweit der Grenze gegen Schlesien, an der Erlitz; Papierfabrik, Kalksteinbruch, Grenzzollamt; 780 Ew. 4) Stadt u. Festung im Kreise u. im Gouvernement Petersburg; im Kronstädter Busen (Theil des Finnischen Meerbusens) vor dem Ausfluß der Newa auf Kotlin-Ostrow (Ketteninsel, bei den Finnen Retusari), dient als Festung u. Hafen von Petersburg. K. ist 1710 von Peter I. auf der 1703 eroberten Insel angelegt, hat schöne Straßen, große Plätze (Paradeplatz), mehre Kirchen, Steuermannsschule, Bomben- u. Kugelgießerei, großes Marinehospital, Kriegsvorrathshäuser aller Art, Kasernen etc.; 40,000 Ew. Der Häfen sind drei: der eigentliche Kriegshafen an der Südostseite der Insel, geräumig für 40 Kriegsschiffe u. vollkommen sicher, nach der Seeseite umschlossen von einem mächtigen Molo; daneben der mittlere Hafen, bestimmt für die Ausrüstung der Kriegsschiffe; der dritte ist der Handelshafen, wo die Waaren für Petersburg meist gelöscht werden. Aus dem Handelshafen führt der Katharinenkanal in die Stadt, aus dem mittleren Hafen der Peterskanal in die mit Granit ausgelegten großen Docks, welche Raum für 10 Schiffe bieten u. mittelst einer Dampfmaschine mit Wasser gefüllt od. ausgeschöpft werden. Auf der Nordseite der Insel ist das Fahrwasser durch Pfahlwerke u. Granitblöcke fast gänzlich geschlossen, auf der Südseite aber durch die sogenannte Oranienbaumer Bank bis auf einen verhältnißmäßig schmalen Kanal eingeengt. Die Befestigungsanlagen sind sehr stark; den um die Insel herum sich wie steinerne Gürtel legenden Bastionen schließen sich verstärkend einzelne Forts an, errichtet auf Klippen u. Felsen. An der westlichen Spitze der Insel liegt die Alexanderschanze u. die Michaelsredoute, vor beiden noch das Katharinenfort; am östlichen Rande der Insel liegt die Stadt K., umgeben von einem starken Wall. Das schmale Fahrwasser an der Südseite ist vertheidigt durch die vier Forts: Alexander, Risbank, Peter u. Kronslot, zwischen denen die große Rhede liegt; östlich von dieser Rhede liegt die kleine Rhede, vertheidigt durch die Batterien, welche auf den den Handels- u. mittleren Hafen südlich begrenzenden Molen angelegt sind u. deren stärkste den Namen Fort Mentschikow führt. Auf der Insel selbst liegen noch die Kessel- u. Petersbatterie u. Fort Constantin. K. ist der Hauptkriegshafen Rußlands u. die wichtigste Station seiner baltischen Flotten, leidet aber an dem Übel, daß die Schiffe daselbst nur geringe Dauer haben. 1825 stieg die See durch Sturm bis über die Festungswerke u. that großen Schaden. Im Mai 1855 erschien die englisch-französische Flotte vor K., ohne jedoch mehr zu unternehmen, als Recognoscirungen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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