Kryptogamen


Kryptogamen

Kryptogamen (v. gr., Samenlappenlose, Acotyledones), Pflanzen mit undeutlichen od. ganz fehlenden Befruchtungswerkzeugen; bilden gegenüber den Phanerogamen die eine, vielleicht größte Hälfte des Pflanzenreichs, die Abtheilungen der Farren, Moose, Pilse, Flechten u. Algen umfassend. Sie unterscheiden sich von den Phanerogamen eben dadurch, daß ihnen die Befruchtungswerkzeuge (Staubgefäße u. Pistille) entweder ganz fehlen, od. doch nur angedeutet sind, die ganze Pflanze auch immer auf einer mehr od. weniger niedrigeren Bildungsstufe steht, als die Phanerogamen. Wenn auch bei manchen der letzteren Wurzel, Stängel, Blatt od. Blüthe nur wenig ausgebildet sind od. ganz fehlen, so fehlt doch bei keiner ein echtes Staubgefäß od. ein Pistill, in welchem sich ein Same mit Keimling u. Keimlappen erzeugt, während man bei den K. nur als den Staubgefäßen analog etwa die Antheriden nennen kann, deren[860] eigentliches Wesen noch nicht einmal vollkommen erkannt u. die Körper, durch die sich die Art fortpflanzt, nicht Samen sind, sondern nur sogenannte Sporen, welche nicht aus einer vorhergegangenen Blüthe entstanden sind, sondern nur aus einer sich absondernden Pflanzenzelle bestehen, die sich später zur neuen Pflanze ausbildet, indem sie an jeder Stelle ihrer Oberfläche, welche mit der Erde in Berührung kommt, Keimkraft zeigt, ohne einen eigentlichen Keimling (Embryo) mit Wurzel u. Samenlappen einzuschließen. Man kann die K. theilen in solche, welche noch eine Art Stängel u. Blätter haben, sich sogar zuweilen baumförmig erheben (Laubtragende K., Akrogenen, Cormophyta), u. solche, denen Stamm u. Blatt fehlt (Laublose K., Thallogenen, Thallophyta). I) Thallophyta: A) Ursprosser (Protophyta), ohne vorherrschende Bodennahrung, von allen Seiten sich ernährend, die Früchte in unbegrenzter Entwickelung; Klasse I.: Algen (Algae), die Familien Diatomaceae, Nostochinae, Confervaceae, Characeae, Ulvaceae, Flopidae u. Fucaceae; Klasse II.: Flechten (Lichenes), die Familien Coniothalami, Idiothalami, Gasterothalami, Hymenothalami. B) Nachsprosser (Hysterophyta), auf kranken od. todten Thier- u. Pflanzenkörpern entstehend u. aus diesen sich nährend, alle ihre Organe sich gleichzeitig entfaltend u. dann plötzlich absterbend; Klasse III.: Schwämme (Fungi), die Familien Gymnomycetes, Hyphomycetes, Gasteromycetes, Pyrenomycetes u. Hymenomycetes. II) Cormophyta: C) Gipfelsprosser (Acrobrya), Wachsthum des Stängels nur aus der Spitze, wobei der untere Theil unverändert nur Säfte zuführt: a) Anophyta, keine Gefäße, Fortpflanzungsorgane beider Geschlechter, Keime frei in Keimbehältern; Klasse IV.: Lebermoose (Hepaticae), die Familien Ricciaceae, Anthoceroteae, Targioniaceae, Marchantiaceae, Jungermanniaceae; Klasse V.: Moose (Musci), die Familien Andreaeaceae, Sphagnaceae u. Bryaceae. b) Protophyta, Gefäßbündel mehr od. minder entwickelt, männliche Geschlechtswerkzeuge fehlend, Keimkörner frei innerhalb ein od. zweifächeriger Keimbehälter; Klasse VI.: Schachtelhalme (Equiseta, Calamariae), die Familie Equisetaceae; Klasse VII.: Farrenkräuter (Filices), die Familien Polypodiaceae, Hymenophylleae, Gleicheniaceae, Schizaeaceae, Osmundaceae, Marattiaceae u. Ophioglosseae; Klasse VIII.: Wasserfarren (Hydropterides), die Familien Salviniaceae, Marsiliaceae; Klasse IX.: Bärlappe (Selagines), die Familien Isoeteae, Lycopodiaceae, Lepidodendreae; Klasse X.: Sagobäume (Zamiae), die Familie Cycadeaceae. c) Hysterophyta, beiderlei Geschlechtswerkzeuge ausgebildet, die Samen ohne Keimling, vielkeimige Parasiten; Klasse XI.: Wurzelblüthler (Rhyzantheae), die Familien Balanophoreae, Cytineae, Rafflesiaceae. Die Beschreibung der Klassen u. Familien s.u. ihren Namen, ebenso die Kunstwörter.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kryptogamen — (Cryptogamae, griech., »Verborgenehige«), blütenlose Pflanzen, Abteilung des Pflanzenreiches, die Linné den auf die 23 ersten Klassen verteilten Blütenpflanzen (Phanerogamen) in der 24. Klasse seines künstlichen Systems gegenüberstellte, weil… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kryptogamen — Kryptogāmen (grch.), die niedern Gewächse, welche keine Blüten mit Staubgefäßen und Pistillen haben und sich durch Sporen fortpflanzen, oder durch Geschlechtsprodukte, die aus Vereinigung geschlechtlich differenzierter Zellen hervorgegangen sind …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kryptogamen — Kryptogamen, griech. deutsch, in der Botanik die blütenlosen Pflanzen, die auch ohne Samenlappen keimen, daher dasselbe was Akotyledonen (s. d.) …   Herders Conversations-Lexikon

  • Kryptogamen —   [zu griechisch gameĩn »heiraten«], Singular Kryptogame die, , von C. von Linné 1735 eingeführte Bezeichnung für die blütenlosen Pflanzen (Sporenpflanzen); Gegensatz: Phanerogamen (Samenpflanzen).   …   Universal-Lexikon

  • Kryptogamen — Als Kryptogamen bezeichnet man Pflanzen, deren sexuelle Vermehrung ohne Blüte (also unauffällig) stattfindet. Hierzu zählt man zum Beispiel Algen, Moose und Farnpflanzen. Die sexuelle Vermehrung findet hier im Rahmen eines Generationswechsels… …   Deutsch Wikipedia

  • Kryptogamen-Flora — Автор: Г. Л. Рабенхорст 1 издание Жанр: научное исследование Язык оригинала …   Википедия

  • Kryptogame — Als Kryptogame (griech. kryptos verborgen, heimlich; gamein heiraten)[1], Geheim , oder Verborgenblüher bezeichnete man ursprünglich eine Pflanze, deren sexuelle Vermehrung ohne Blüte (also unauffällig) stattfindet. Kryptogamen bilden aus… …   Deutsch Wikipedia

  • Gottlob Ludwig Rabenhorst — (* 22. März 1806 in Treuenbrietzen; † 24. April 1881 in Meißen) war ein deutscher Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Rabenh.“. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Rabenhorst — Gottlob Ludwig Rabenhorst (* 22. März 1806 in Treuenbrietzen; † 24. April 1881 in Meißen) war ein deutscher Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Rabenh.“. Leben Rabenhorst begann 1822 eine Lehre als Apotheker in Belzig;… …   Deutsch Wikipedia

  • Sporen [1] — Sporen (Sporae, Keimkörner), bei den Kryptogamen die auf ungeschlechtlichem Weg entstehenden Fortpflanzungskörper, die meist einzelne Zellen bilden oder aus wenigen Zellen zusammengesetzt sind und nie einen Embryo enthalten, wie die Samen der… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon