Lakedämon

Lakedämon

Lakedämon, 1) (Sparta), Hauptstadt der peloponnesischen Landschaft Lakonika, lag zwischen den Flüssen Eurotas u. Tiasa (Knakion), über welchen nördlich von der Stadt die Babykabrücke führte, in dem vom Taygetos gebildeten Thale (Köle), war auf mehreren Hügeln gebaut u. hatte etwas über eine Meile im Umfange mit 60,000 Ew., war während ihrer Blüthe ohne Mauern u. wurde erst 190 v. Chr. vom Tyrannen Nabis befestigt. Die Stadt war in fünf Theile (Komä) getheilt: Pittane im Norden, Kynosura im Westen, Limnä im Osten, Messoa zwischen beiden letzteren; der fünfte ist unbekannt. In Pittane lag auf dem 750 Fuß hohen Hügel die Akropolis, mit den Tempeln der Athene Chalkiokos (wo Pausanias starb), der Athene Ergane, der Musen u. der Aphrodite Areia; am südwestlichen Abhang dieses Hügels lag das Theater; an dessen südlichem Fuße der Markt (Agora), an diesem nördlich die Persike, eine Halle, welche aus der persischen Beute erbaut war; westlich der Choros, wo die Jünglinge bei den gymnastischen Übungen dem Apollo zu Ehren Tänze hielten; östlich das Buleuterion u. die Archeia; von letzteren führte südlich die Straße Aphetai, u. an ihr lag neben der Archeia die Skias, ein von Theodoros aus Samos erbautes Odeum, worin die Volksversammlungen gehalten wurden, in ihr war auch die Leier des Timotheos aus Milet aufgehängt; östlich von der Akropolis lag der Hügel Issorion, dabei der Circus u. der Tempel der Artemis Orthia; südlich davon der Dromos, die Rennbahn, u. noch südlicher der Platanistes, ein mit Platanen bepflanzter u. mit überbrücktem Waffergraben[34] umgebener Platz: auf der einen Brücke stand das Bild des Herakles, auf der anderen das des Lykurgos. Dem Dromos gegenüber im Limnä waren die Gräber der Agiden, auf einem Hügel in Messoa die der Eurypontiden. Jetzt finden sich von L. noch Ruinen auf wüster Stätte östlich von Mistra. Beschreibung des alten L. bei Pausanias. L. war uralte Residenz des Fürsten von Lakonika, genannt nach seinem Gründer L. u. Sparta nach Sparte, der Gemahlin des L., od. nach Spartos, Sohn des Königs Amyklas. Hier gebar Leda die Helena u. hier herrschte zur Zeit des Trojanischen Kriegs Menelaos, s.u. Lakonika (Gesch.). Von den Slawen im 3. Jahrh. verwüstet, wurde L. später von den Byzantinern wieder aufgebaut; 1205 von den Franken unter Champlitte gestürmt u. genommen, worauf es mehr befestigt u. dazu die Steine der alten Tempel u. anderer Bauten benutzt wurden. 1263 wurde L. von den Bewohnern verlassen u. durch fränkisch-moreotische Colonisten bevölkert. In den ferneren Kriegen wurde L. immer mehr verwüstet u. endlich nur noch als Steinbruch benutzt; so wurde bes. Mistra aus Steinen von L. gebaut. Bei der neuen Eintheilung Griechenlands wurde L. wieder als Hauptstadt der Nomarchie Lakonien erklärt, aber bis jetzt sind nur erst wenig Häuser u. Einwohner auf der alten Stätte; 2) so v.w. Lakonien.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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