Lerche [1]


Lerche [1]

Lerche (Alauda L.), Gattung aus der Familie der sperlingsartigen Vögel; hat langen Sporn, geraden Nagel daran, kegelförmigen Schnabel, braun, frißt Insecten u. Gesäme; badet gern im Sande. Cuvier zählt zu ihnen folgende Arten: a) Feldlerche (gemeine L., A. arvensis L.), fast 7 Zoll lang, Hinterkopf u. Hals weißgrau, Stirn u. Schenkel rostgelb, Rücken schwarzbraun gestrichelt; unten weißgelb, an der Brust dunkle Längsflecken; die beiden äußersten Schwanzfedern haben die innere Fahne weiß. Weibchen kleiner, weiß u. schwarz gefleckt. Varietäten: weiße, schwarze, rothe, bunte, rothbraunköpfige, langbeinige L. etc. Die L. lockt Tirrle Driel u. singt vom Februar bis August im Fluge u. sitzend, sehr angenehm, ist auf den Wanderungen gesellschaftlich, auf den Ständen zänkisch, fliegt u. läuft schnell; nicht sehr scheu In der ganzen Welt auf Äckern u. Wiesen. Im October zieht sie in großen Heerden fort, ist öfters schon im Februar wieder da, frißt Insecten, Hafer, Gesäme, Saat, macht des Jahrs zwei Gehecke, ihr Nest in die Sommerfrucht od. auf die Brache. Wegen ihres Gesangs wird ste in eignen Bauern (Lerchenbauern), die mehr lang als hoch sind u. vorn einen halbrunden Vorsprung haben, gehalten; sie mußimmer frisches Wasser u. Sand haben u. bekommt Semmelkrume, Gerstengras mit etwas Mohn u. Hanf vermischt zum Futter. Die L. wird bes. im Herbst gefangen, wo sie sehr fett ist. Das Lerchenstreichen geschieht entweder mit Tag- od. Nachtnetzen. Das einzelne Tagnetz (Klebgarn) ist etwa 9 Fuß hoch u. 90 Fuß lang, von ungezwirntem u. ungebleichtem Garne, das Gemäsch von einem Knoten zum andern 21 Zoll lang; die oberen u. un. teren drei Reihen Maschen sind von dreidrähtigem Zwirn. Oben werden Ringe mit Bindfaden eingeschlungen. u. durch dieselben eine an beiden Ecken zu einem Öhre geknüpfte Leine gezogen. Beim Fange werden 30–40 solcher Netze (Stallungen) in 3–6, ja 8 Wänden hinter einander in einer Entfernung von 10–20 Schritten an Forkeln u. Windleinen, an heitern stillen Herbstnachmittagen, in stiller holzfreier Flur, auf großen Haferstoppelfeldern, in der Richtung von Mittag nach Mitternacht, so aufgestellt, daß die hintere Wand an den Seiten u. oben über die vorhergehende hervorragt. An jeder Seite der Stallung ist eine Haspel mit einer 3–400 Klaftern langen Leine. Eine Stunde vor Sonnenuntergang umlegt man mit diesen Leinen, deren Ende ein Mann trägt od. ein Pferd[294] zieht, den ganzen District vor der Stellung, wobei aller 50–100 Schritte ein Knabe an die Leine gestellt wird, um die anhängende Leine loszumachen. Wenn die Führer mit den beiden Enden der Leinen zusammen kommen, werden die Leinen zusammengeknebelt u. nun langsam auf den beiden Haspeln aufgewunden, so daß das Treiben einige Zeit nach Sonnenuntergang in die Nähe der Stallung kommt. Sobald der Abendstern sichtbar wird, wird schneller eingetrieben, damit die L-n sich erheben, gegen die Netze fliegen u. in denselben hängen bleiben, wo sie dann schnell getödtet u. ausgelöst werden. Starker Wind hindert diesen Fang; ist es noch zu hell u. fliegen die L-n zu hoch, so schießt man mit einer Armbrust einen Fuchsschwanz od. Flederwisch schräg über sie hin, welchen sie für einen Raubvogel halten u. tiefer fliegen. In Einer Stallung werden bisweilen, bes. bei Leipzig, Halle, Grimma, Weimar, wo es große Haferfelder gibt, 1000 Stück jeden Abend gefangen. Das Nachtnetz ist 60–80 Fuß lang u. 24–30 Fuß breit; an jeder breiten Seite ist ein dünner, glatter Stab eingebunden, welcher etwas hervorragt, an der unteren Seite bindet man Federlappen od. dünne Strohwische (Wecker) an. Zwei Personen durchziehen nun beim Fange mit diesem Netze, welches sie an den Stäben straff ausspannen, in sehr dunklen Herbstnächten, Stoppelfelder, wo sie L-n vermuthen, während ein dritter den Schwanz des Netzes trägt; das Netz wird fast horizontal getragen, doch so, daß die Wecker auf die Erde aufstreichen; so bald man L-n unter dem Netze spürt, wirst man es (auf den Ruf: deckt!) nieder u. streicht sogleich auf demselben Felde weiter. Auch mit dem Lerchenspiegel, einem kleinen Spiegel mit Vorrichtung, um ihn in die Erde zu befestigen u. zugleich drehen zu können, fängt man L-n. Neben dem Spiegel werden zwei Schlaggarne, 42 Fuß lang u. 12 Fuß breit, von dreidrähtigem Zwirne busenreich so aufgestellt, daß sie mittelst einer Ruckleine gezogen werden können. In einem gegrabenen Loche sitzend, drehen nun zwei Personen den Spiegel um seine Achse. Die vorüber ziehenden L-n stoßen nach dem Spiegel u. werden, wenn die Ruckleine angezogen wird, im Fluge mit dem Netz gedeckt u. gefangen. Der Lerchenspiegel wird hie u. da auch zum Schießen der Lerchen benutzt. Andere Fangarten sind mit Lerchenherden (s. Vogelherde), bes. im Frühjahr bei tiefem Schnee, mittelst Kirrung durch allerhand Gesäme, auf einem von Schnee gereinigten Platze mittelst Leimruthen, welche man im Frühjahr schräg an einen vom Schnee gereinigten Platz stellt, mittelst abgerichteten Baumfalken (Lerchenfalken), welche man flattern läßt, wo sich die L-n so fest auf die Erde drücken, daß sie mit der Lerchenhaube, einem kleinen Decknetz, gefangen werden. Um Lerchenhähne als Singvögel zu fangen, wendet man das Lerchenstechen, ähnlich dem Finkenstechen (s.d.) an. L-n werden unausgenommen in Butter mit Speck u. etwas Mehl gebraten. b) Haubenlerche (A. cristata L.), 7 Zoll lang, heller als die Vorige; Kopf mit spitzigem, aus 8–10 schwärzlichen Federn bestehendem Federbusch, immer auf der Erde, fliegt sehr wenig. Gesang (auch des Nachts) sehr angenehm. Im Norden (auch in Norddeutschland u. Frankreich) in Büschen u. Gärten, nistet im Herbst u. Winter, auch in Deutschland, einzeln auf Straßen, Miststätten, unter Sperlingen u. Goldammern, unter getrockneten Büschen, auf Lehmwänden, Strohdächern, legt fünf rostbraune, gewölkte u. dunkel gefleckte Eier, nicht so schmackhaft wie die Vorige; c) Baumlerche (Heidelerche, A. arborea), 6 Zoll lang, lerchengrau, Schwanz kurz, braun, weißgespitzt, mitgelben, keilförmigen Flecken, weißlichem Kranz auf dem Kopfe, Wangen rostbraun mit weißlichem Dreieck, Flügel weiß gefleckt, Unterleib gelblich, Schwungfedern braun, Zugvogel, singt in der Luft u. auf dem Baume; im Norden u. den gemäßigten Zonen, lockt Dadigoi, frißt Insecten u. Gesäme, Nest auf der Erde; Stubenvogel, wird wie die Feldlerche gehalten; d) Berglerche (A. alpestris), oben braungrau, braun gefleckt, Stirn, Hals u. Kehle gelb, schwarzes Band über der Brust, weiße Flecken auf dem Schwanze; Flügel rothbraun u. grau, Schwungfedern braun; singt wie die Feldlerche, aber schwächer; etwas größer als die Vorige, im Norden; in Schaaren auf Ebenen; als Zugvogel im Winter paarweise; in Deutschland; frißt Gesäme u. Birkenknospen; sehr delicat; die Sibirische Berglerche (A. flava) ist wohl ein Weibchen od. Junges; e) Kalanderlerche (A. calandra), größte europäische L., grau, Kehle weiß mit schwarzem Mond, Bauch weiß u. weiße Flecken an dem Schwanze; in Südeuropa u. Asiens Steppen, selten in Deutschland, singt schön, lernt nachpfeifen; f) Kurzzehige L. (A. brachydactyla), in Südeuropa, doch bis Mainz vorgekommen; g) der Stirli (A. africanus), in Afrikas Sandsteppen, sehr häufig, der Feldlerche ähnlich, Schnabel ähnlich dem des Wiedehopf; h) Tatarische L. (A. tatarica, A. mutabilis, A. tanagra sibirica), mit viel Schwarz, mit weißlich kantirten Federn; in Asien, selten in Europa etc.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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