Lesghier


Lesghier

Lesghier (Lesgher, Leshi, Volk der Dido), ein aus vielen Stämmen bestehendes Volk Kaukasiens, das den größten Theil von Daghestan bewohnt. Die L. sind ein kräftiges, freiheitliebendes, kriegerisches Volk, dabei rachsüchtig u. räuberisch. Ihr Land, nach ihnen Lesghistan genannt, besteht meist aus kahlen Felsen, von tiefen Schluchten u. Abgründen unterbrochen, u. bietet daher wenig Mittel zum Feldbau u. ebensowenige zur Viehzucht dar. Gleichwohl haben die L. mit großer Anstrengung u. Geschicklichkeit unter Zuhülfenahme künftlicher Bewässerrung dem armen Boden reizende Gärten abzugewinnen verstanden, welche nun ihren Reichthum ausmachen. Sie leben in großen Dörfern (Aule); diese sind meist an schwer zugänglichen Stellen erbaut u. können daher leicht als Festungen dienen; ihre Wohnhäuser sind meist von Stein erbaut, häufig noch durch Steinmauern u. Tbürme geschützt. Obgleich man die L. bald als Nachkommen der Alanen od. auch anderer Völker bezeichnet hat, ist es doch wahrscheinlich, daß sie zu den Urbewohnern des Kaukasus gehören. Daß sie trotz ihrer Tapferkeit u. der für die Unabhängigkeit so günstigen Lage ihres Landes stets die Beute fremder Eroberer (namentlich für lange Zeit der Perser) wurden, hatte seinen Grund hauptsächlich in den, die besten Kräfte verzehrenden Kämpfen der Stämme gegen einander. In neuerer Zeit endlich unter Schamyl vereint, bildeten sie das mächtigste Bollwerk gegen die Russen, bis 1859 mit der Überlieferung Schamyls an seine Feinde auch die russische Herrschaft über die L. begründet wurde. Die Sprache der L. s. Lesgische Sprache. Die christliche Religion hat nur schwachen Eingang bei den L-n gefunden, ihr gegenwärtiger Glaube ist der von Schamyl in neue Formen gegossene Muhammedanismus. Die hauptsächlichsten Stämme der L. sind: Salatau (6000 Männer, Hauptort Tscherkey am Sulak), Gumbet Andi, (22,000 Männer), Koissubu (23,000 Männer, Hauptort Himri, wo Schamyl geboren wurde), das Chanat Awarien (25,000 M., Hauptort Chunsach, jetzt in Trümmern), Mechtuli (20,000 M.), Sürchia (8000 M.), die Bundesgenossenschaft von Dargo, aus sechs Stämmen bestehend, unter welchen Akuscha den ersten Rang einnimmt (24,000 M.), Kara-Kaitach (15,000 M.), Tabassaran (15–20,000 M.), Kasikumyk (Hauptort Kumyk), das Gebiet Kurin (150,000 Ew., mit dem Hauptort Kurach), Samur, das Sultanat Ielissui mit dem gleichnamigen Hauptorte, das Gebiet von Dsharo od. der Bezirk Belokany (mit den Stämmen Dsharo, Belokany, Taly, Muchach, Dshinich u. 35–40,000 Ew.), Tuschetia (5000 Männer), Pschawia u. Chewsuria (6000 M.), Dido, Zunta, Kaputscha, Anzuch, Ankratl, Karach, Bagulal, Kubatschi u. v. a. Die Gesammtbevölkerung läßt sich auf 400,000 Seelen anschlagen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Lesghier — Lesghĭer (auch Lesgīnen, bei den Georgiern, Armeniern und Osseten Leki), kaukas. Volk, meist im russ. Gebiet Dagestan, 600.514 Seelen, Mohammedaner …   Kleines Konversations-Lexikon

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