Lothār


Lothār

Lothār, altdeutscher Name, so v.w. das fränkische Chlotar. Merkwürdig: I. Fürsten: A) Kaiser: 1) L. I., ältester Sohn Ludwigs des Frommen u. der Irmengard von Anjou, geb. um 795, wurde 814 König der Baiern (s.d. Gesch. II.), bekam bei der ersten Theilung 817 die Mitregentschaft des Kaiserthums (s.u. Deutschland, Gesch. II.) u. nach Bernhards Tode auch Italien; als sein Vater gestorben war, wollte er sich des ganzen Reiches bemächtigen, wurde aber von seinen Brüdern Ludwig u. Karl bei Fontenay geschlagen. Indeß er söhnte sich wieder mit diesen aus u. erhielt 11. Aug. 843 im Verduner Vertrag die Kaiserwürde, Italien u. Lothringen (s.d.). Seine Residenz nahm er zu Aachen.855 theilte er sein Reich unter seine drei Söhne, Ludwig, Lothar u. Karl, u. ging ins Kloster Prüm, wo er den 28. Sept. 855 starb. Vermählt war er seit 821 mit Irmengard, Tochter Hugos von Elsaß; 2) L. II., der Sachse, Sohn des Grafen Gebhard von Supplinburg (nach And. von Querfurt od. Arnsberg), geb. 1075 zu Zuterloch bei Celle; folgte 1106 nach Magnus als Herzog von Sachsen, trat als Gegner des Kaisers Heinrich V. auf, focht mit in der Schlacht am Welfesholze u. eroberte Westfalen; nach Heinrichs V. Tode 1125 wurde er zum deutschen König u. römischen Kaiser gewählt, s. Deutschland (Gesch.) VII. L. war der erste Kaiser, welcher dem Papste seine Wahl durch eine besondere Gesandtschaft kund that, was Veranlassung wurde, daß sich die Päpste nachmals ein Bestätigungsrecht der deutschen Königswahlen beimaßen. Mit dem Hause Hohenstaufen führte er Streit wegen Rückgabe der, durch die Erbschaft Heinrichs V. an dasselbe übergegangenen Reichsgüter, u. um sich zu diesem Kampfe zu stärken, verband er sich mit der Guelfen, wodurch der für Deutschland so verderbliche Kampf zwischen den Guelfen u. Ghibellinen hervorgerufen wurde. Er machte Böhmen, Polen u. Dänemark zu Reichslehen, empfing vom Papst Anaclet II. die Lehn der Mathildeschen Güter, welche er seinem Eidam, dem Herzog Heinrich von Baiern, gab; unterwarf die Hohenstaufen, zog nach Italien gegen Roger von Sicilien u. st. auf der Rückkehr nach Deutschland in einer Alpenhütte bei Trient am 3. Dec. 1137. Er war seit 1113 mit Richenza, Tochter Heinrichs des Fetten, Grafen von Nordheim, vermählt; seine einzige Tochter Gertrude war an Herzog Heinrich den Stolzen von Baiern verheirathet. Sein Nachfolger war Konrad III. Vgl. I. I. Mascov, De rebus [528] imperii germ. sub Lothario II., Lpz. 1753; Gerwais, Geschichte Deutschlands unter Heinrich V. u. L. II., Lpz. 1841 f., 2 Bde.; Jassé, Geschichte des Deutschen Reichs unter L. dem Sachsen, Verl. 1843. B) Könige: a) Von Franken: 3) – 6) L. I – IV., s. Chlothar. b) Von Frankreich: 7) L. Sohn Ludwigs IV. übers Meer, geb. 941 zu Laon; wurde schon 952 Mitregent seines Vaters, 954 Alleinregent von Frankreich unter der Leitung seiner Mutter Gerberga u. Hugos des Großen u. st. 986. s. Frankreich (Gesch.) III. Er war vermählt mit Emma, Tochter L-s von Italien; sein Sohn Ludwig V. war sein Nachfolger; Otto u. Hugo waren früher gestorben; ein natürlicher Sohn Arnulf wurde Erzbischof von Rheims. c) Von Italien: 8) L., Sohn Hugos, Grafen von Provence u. Königs von Italien, wurde 931 Mitregent seines Vaters, 945 Alleinregent u. st. 949 zu Mailand, s. Italien (Gesch. III). Er war vermählt seit 947 mit Adelaide, Tochter Rudolfs von Vurgund; seine Tochter Emma wurde Gemahlin Lothars von Frankreich. d) Von Kent: 9) L., Sohn Ercomberts, Mitregent Eadrics, seines Neffen, in Kent, 673–685, s. England (Gesch.) IV. C) f). e) Von Lothringen: 10) L., zweiter Sohn des Kaisers Lothar I. u. der Irmengard, erhielt von seinem Vater 855 Friesland, wurde nach dessen Tode 855 König von Lothringen, Elsaß u. einem Theile von Burgund (weshalb Lothringen nach ihm benannt wurde) u. st. 869 zu Borgo (S. Domingo), s. Lothringen (Gesch.). Er war vermählt seit 856 mit Theutberge, Tochter des Grafen Theodebert, eines Großneffen Karl Martels, u. nachdem er von dieser geschieden war, seit 862 mit Walrade, Schwester des Erzbischofs Günther von Köln, welche ihm Hugo u. zwei Töchter gebar. II. Erzbischöfe: A) von Mainz: 11) L. Friedrich, v. Metter. nich-Burscheid, geb. 1617, wurde 1652 Bischof von Speier, 1670 Coadjutor u. 1673 Nachfolger des Erzbischofs Joh. Philipp v. Mainz u. st. 1675; s. Mainz. 12) L. Franz von Schönborn, geb. 1655, wurde 1693 Bischof von Bamberg, 1694 Coadjutor u. 1695 Nachfolger des Erzbischofs Anselm Franz u. st. 1729; s. ebd. B) Von Trier: 13) L. von Metternich, geb. 1551, wurde erwählt 1599 u. st. 1623, s. Trier.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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