Lukiānos


Lukiānos

Lukiānos, 1) geb. um 130 n. Chr. zu Samosata in Syrien; ursprünglich zum Steinmetzen bestimmt, verließ er bald diese mechanische Beschäftigung u. wandte sich der Rhetorik zu; er machte darauf Reisen als Kunstredner, lebte seit etwa 160 zu Athen, wo er unter Demonax u. Nigrinos Philosophie studirte; er wurde zuletzt unter Kaiser Severus Actuar u. Procurator eines Theils von Ägypten u. scheint dort um 200 gestorben zu ein. Seine zahlreichen Schriften enthalten ein treues Gemälde der Entartung seiner Zeit, welche er zum Gegenstand seiner scharfen Satyre macht; sie sind Meist in der Form von Dialogen verfaßt u. in einem guten Styl geschrieben. Er verspottet die ganze Religion des Volles, ebenso aber die fremden Tülle u. unter ihnen das Christenthum, welche Religionen ihm alle blos verschiedene Formen des aus Furcht u. Hoffnung hervorgegangenen Aberglaubens sind; dahin gehören die Schriften Θεών διάλογοι Alexander, Pseudomautis, Peregrinos Proteus, Philopseudes. Unter den Philosophen neigt er sich am meisten den Epikureern zu u. geißelt die Stoiker u. Cyniker; dahin gehören: Βίων πράσις (Vitarum auctio). Hermotimos, Συμπόσιον, Δραπέται (Fugitivi), Ζευς τραγωδός, Άλιεύς od. Ἀναβιοῦντες (Piscator od. Reviviscentes), Charon. Außerdem macht er zum Gegenstand seiner Satyre das zu bloßer Prunkrednerei herabgekommene Rednerwesen (im Ρητόρων διδάσκαλς), die Ausartungen in der Literatur (im Pseudosophistes Πώς δεί ίστορίαιν συγράφειν Quomodo historia, sit scribenda), das Verkehrte in der körperlichen Erziehung (im Anacharsis) u. geistigen Bildung (Nigrinos u. Περί τών έπί μισω συνόντων, De mercede conductis) u. die Entsittlichung in allen Lebensverhältnissen (in anderen Schriften). Unecht od. wenigstens Zweifelhaft sind die Schriften Περί άστρολογίας, Περί τής Συρίης εού, Philopatris, Μακρόβιοι, Ηγκώμιον Δημοσένους, Κυνικοί, Charidemos, Nero u.a. Einzeln sind von den am meisten gelesenen Schriften herausgegeben: Todtengespräche, von Lehmann, Lpz. 1813, 1827; von Voigtländer u. Klotz, 3. A. Lpz. 1833; Göttergespräche, von Lehmann, 1815, von Poppo, 3. Aufl., Lpz. 1825. u. Fritzsche, Lpz. 1829; die Götter- u. Todtengespräche von Koch, Lftz. 1842; Alexander, Demonax, Gallus, Ikaromenippos, von Fritsche, Lpz. 1826; Toxaris od. über die Freundschaft, von K. G. Jacob, Halle 1825; von Jacobitz, Lpz. 1852; Anacharsis, von A. Pauly, Tüb. 1825; Wie die Geschichte zu schreiben sei, von Herrmann, Franks. 1828 etc.; Timon, von Jacobitz, 1831; Charon, von Koch, Lpz. 1839; Traum, Anacharsis, Demonax, Timos u.a. von Schöne, Halle 1838; Auserwählte Schriften von Geist, Darmst. 1840; Eysell u. Weismann, Kassel 1841, Seyffert, Brandb. 1842. Werke: 1. Ausg. Florenz 1496, Fol.; dann bei Aldus, 1522, Fol., 4 Bde.; von I. Gräve, Amst. 1687, 2 Bde., von Hemsterhuis u. Reitz, griechisch u. lat., Amsterdam 1743–46, 4 Bde., Zweibr. 1789–91, 10 Bde.; dazu Lexion Lucianeum, Utr. 1740; von I. P. Schmidt, Mitau 1779–1800, 8 Bde., von Schmieder, Halle 1800 f., 2 Bde., von I. G. Lehmann, Lpz. 1822–31, 11 Bde., von K. Jacobitz, ebd. 1836–41, 4 Bde., von Dindorf, Par. 1840, 2 Bde., von Bekker, Lpz. 1853, 2 Bde.; deutsch von Wieland, Lpz. 1788 ff., 6 Bde., u. von Pauly, Stuttg. 1827 ff., 15 Bdchn. Vgl. K. G. Jacob, Charakteristik L-s, Hamb. 1832;[605] I. L. Hoffmann, L. im Hinblick auf Glauben u. Leben der Gegenwart geschildert, Nürnb. 1856. 2) St. L., Priester zu Antiochien, gerühmt durch seine Recension der alexandrinischen Übersetzung des A. T. Er st. im Kerker 312; Tag: 7. Januar.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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