Pilze


Pilze

Pilze, 1) Pflanzenfamilie, nach den Algen u. Flechten die unvollkommensten Pflanzenformen enthaltend, welche sich aus den, in ihre Grundbestandtheile zerfallenden, organischen Körpern hervorbilden u. so den Cyclus des vegetativen Lebens von Neuem beginnen. Sie erscheinen in ihrer niedrigsten Formation blos als ein verschiedentlich gefärbter Staub, später als einfache, Kügelchen tragende, mikroskopische Fäden, dann als Keulen, auf denen, od. als Kapseln, in denen die Keimkörner sich befinden, endlich als fleischige, gallert-, holz- od. lederartige, verschiedenartig geformte od. gefärbte Körper, welche auf ihrer obern od. untern Fläche zwischen Blättern, Stacheln, Falten, Löchern etc. die Keime der künftigen Pflanze enthalten, welche, indem die Mutterpflanze stirbt u. zerfließt, ausgesäet werden. Bei weitem die meisten, die unvollkommneren alle, entstehen auf abgestorbenen Baumstämmen u. Pflanzenstängeln, faulem Holz, Dammerde, thierischen Resten etc. u. befördern zum Theil die Zerstörung der ihnen zur Grundlage dienenden Substanzen. Ordnungen: Staubfäden-, Keim-, Bauch-pilze, Schwämme, Kernschwämme (s.d. a.). Fries (Systema mycologicum), ordnet, indem er von den Vollkommneren zu den Unvollkommneren herabsteigt, die P. in vier Klassen: I. Klasse: Hymenomycetes (s.d.). II. Klasse: Gasteromycetes, stellen geschlossene, theils einfache, theils aus verwachsenen Zellen gebildete, rundliche, eine staudige, od. zerfließende Masse mit Sporidien enthaltende, durch ein Loch oben. sich öffnende, od. unregelmäßig zerreißende Fruchtbehälter dar. 1. Ordnung: Angiogastres, mit deutlichem Fruchtbehälter, gesonderte Fruchtböden, mit Sporidien einschließend; letztere säen sich nie staubförmig aus; Unterordnungen: a) Phalloideae, aus dem zerborstenen Fruchtbehälter tritt ein offenes, getrenntes Receptaculum hervor; die Sporidien in einer Schleimschicht; b) Tuberacei, die häutigen Sporangien sind auf einem, oft aderiggegitterten, im Fruchtbehälter eingeschlossenen Hymenium zerstreut; die Sporidien Anfangs breiig; c) Nidulariacei, der Fruchtbehälter ist mit freien Sporangien erfüllt; d) Carpoboli, der Fruchtbehälter stößt ein einzelnes abgesondertes Sporangium hervor. 2. Ordnung: Pyrenomycetes, der härtliche Fruchtbehälter (Perithecium) bildet selbst den Fruchtboden, öffnet sich mit einem Loch an der Spitze, od. ritzig zerreißend, enthält einen deutlichen, weicheren, fast zerfließenden Kern; die Sporidien sind verschieden, in Schleim eingehüllt, od. in fast aufrechte, verlängerte Schläuche eingeschlossen, welche mit Saftfäden untermischt sind; das ganze Gewebe ist blasig-fleckig, u. oft stehen mehre auf. gemeinschaftlicher Unterlage. Unterordnungen: a) Phacidiacei, das Perithecium später platzend, feste aufrechte Schläuche; b) Sphaeriacei, das Perithecium geschlossen, mit einer kleinen Öffnung, mit einem, Schläuche enthaltenden Kern erfüllt; c) Cytosporei, zellig-vielfächerig, die häutigen Zellen an der Spitze vereinigt, der gallertartige, kleine Samen enthaltende Kern tritt durch die verlängerte, gemeinschaftliche Öffnung, gleichsam rankenförmig hervor; d) Xylomacei, Schläuche undeutlich, Sporidien angewachsen. 3. Ordnung: Trichospermi, welcher, ein ächtes Receptaculum darstellende, bisweilen doppelte Fruchtbehälter (Peridium) enthält zwischen Flocken (Haargeflecht) zahlreiche Sporidien, welche es, erwachsen zerplatzend, staubartig von sich gibt. Unterordnungen: a) Trichogastres, Anfangs fleischig fest: aa) Lycoperdei, mit ausgebreitetem, am Peridium angewachsenem Haargeflecht, getrennten Sporidien; bb) Silerodermei, mit zelligem Haargeflecht, verhärtetem Peridium, zusammengeballten Sporidien; cc) Podaxidei, mit schlaffem, an einer Mittelsäule angewachsenem Haargeflecht; dd) Cenococcei, Haargeflecht fehlt, Sporidien Anfangs zusammengeklebt. b) Myxogastres. Anfangs schleimig, zerfließend: aa) Aethalini, die Anfangs schleimige Masse wird zu einem einzigen Peridium; Sporidien rußartig; bb) Stemonitei, aus der Anfangs schleimigen Masse bilden sich mehre getrennte Peridien, die Haarflechten sind netzförmig vereinigt, an- od. eingewachsen; Sporidien nicht rußartig; cc) Trichiacei, die anfängliche Schleimmasse vereinigt mehre Peridien, mit freien, gedrehten, elastischen Flocken, lebhaft gefärbten Sporidien. 4. Ordnung: Trichodermacei, Peridium verschieden gestaltet, locker aus Flocken zusammen gewebt, selten hautartig vereinigt, in der Mitte verschwindend, flüchtig; die Sporidien sind unter dem Peridium in einer Schicht gesammelt, oft dicht, ohne Haargeflecht, einfach staubartig: a) Submitrati, mit fast mützenförmigem Fruchtbehälter, welcher oben mit der Schicht der Sporidien bedeckt ist; b) Subcapitati, mit kopfförmigem Receptaculum, oben mit Flocken bedeckt; Sporidien fast im Umkreis; c) Trichodermeae,[138] Fruchtbehälter unbestimmt od. fehlend, Peridium verschwindend; Sporidien scheibenförmig; d) Subsphaericae, sitzend, rundlich, mit undeutlichem Peridium, dicht gedrängten, nicht scheibenförmigen Sporidien. 5. Ordnung: Perisporiacei, Peridium rundlich, das undeutliche Bläschen zusammengewachsen, bleibend an der Spitze sich öffnend, innen weicher, mit gallertartiger, nicht zerfließender Masse gefüllt, in welche die nach dem Mittelpunkt hin gesammelten, einfachen, freien od. in kleine Peridien eingeschlossenen Sporidien eingehüllt sind; a) Rhizogonei, mit wurzelndem, verwachsenem fleckig-faserigem Thallus. Größere unterirdische P.: b) Perisporcae, mit ausgebreitetem, aufgelöstem, fleckig, selten undeutlichem Thallus. Kleinere P. auf Blättern: c) Apiosporiae, Peridium mit dem Thallus bekleidet, dieser daher undeutlich. Sehr kleine P. auf Blättern: III. Klasse: Hyphomycetes (s.d.). IV. Klasse: Coniomycetes; die Sporidien liegen nackt (ohne Hymenium, Perithecium, Peridium, Schläuche od. Flocken) unter der Oberhaut der Pflanzen, od. in den Polster (Stroma, Matrix); 1. Ordnung: Tubercularini, die Sporidien sind in einer entblößten Scheibe zusammengeklebt, haben eigenes Polster, wohnen auf abgestorbenen Vegetabilien. 2. Ordnung: Stilbosporei, Sporidien unter der Oberhaut abgestorbener Pflanzen, zu einem Kern zusammengeklebt, später frei hervorbrechend. 3. Ordnung: Sporodermiei; die Sporidien sind in, später frei werdende u. zerfallende Flocken verkettet; auf lebenden u. abgestorbenen Pflanzen. Hypodermii s. Entophyti, Bildungen den Sporidien der vorigen Ordnung ähnlich, welche unter der kranken Oberhaut lebender Pflanzen, aus dem Zellgewebe, durch ursprüngliche Erzeugung entstehen. Phylleriaceae; unter diesem Namen werden als Anhang noch einige Bildungen beschrieben, welche zwischen selbständigen Vegetabilien u. bloßen Ausschlägen der Pflanzen mitten inne stehen, wie Ta phrina, Erineum, Phylleria. Vgl. Persoon, Synopsis methodica fungorum, Par. 1801; C. G. Nees von Esenbeck, System der P. u. Schwämme, Nürnb. 1816; Harzer, Naturgetreue Abbildungen der vorzüglichsten eßbaren, giftigen u. verdächtigen P, Dresd. 1842; Th. F. L. Nees von Esenbeck, Das System der P., Bonn 1857; Hartinger, Die eßbaren u. giftigen P., Wien 1858. 2) Die als Schwämme (s.d.) gedachte Ordnung der P. 1); 3) bes. die eßbaren Schwämme, welche frisch zubereitet werden; sie werden meist in Butter geschmort, doch auch als Gemüse gekocht u. sind schwer verdaulich. Die beliebtesten u. bekanntesten sind die Champignons, Rothhäuptchen, Lipperitzen, Steinpilze, Brätlinge, Reitzker, Morcheln etc. Sorgfältig muß man wahrnehmen, daß nicht giftige P. unter die zu genießenden kommen, indem sonst der Genuß für die Gesundheit höchst nachtheilige Folgen haben, ja selbst den Tod bringen kann. Eine empfehlenswerthe Küchenprobe für die Unschädlichkeit der P. ist, wenn man eine od. etliche ganze Zwiebeln mitkochen läßt, welche vom Gifte schwarz werden, u. wenn sie weiß bleiben zum Beweis der Güte mit dem Gericht auf den Tisch kommen müssen. Um giftige P. unschädlich zu machen, wäscht man sie in fließendem Wasser, läßt sie dann mehre Stunden in essigsaurem Wasser liegen, wäscht sie abermals in reinem Wasser u. kocht sie 1/2 Stunde in wieder anderem Wasser, hierauf werden sie zum dritten Mal gewaschen u. getrocknet.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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