Polynesien


Polynesien

Polynesien, 1) im weitern Sinne, sonst so v.w. Australien, das Festland mit den Inseln im Stillen Ocean; jetzt mit Ausscheidung des Festlandes (Australien, s.d.) sämmtliche Inseln u. Inselgruppen im Stillen Ocean vom 32° nördlicher Breite bis 56° südlicher Breite u. vom 150° bis 269° östlicher Länge (von Ferro). Dieselben umfassen einen Gesammtflächenraum von ungefähr 60,000 geogr. QM. u. lassen, wenn man eines Theils den Äquator, andern Theils den 198° östlicher Länge (von Ferro) als Grenzen annimmt, sich in vier Hauptabtheilungen theilen: A) die südwestlichen Inseln; diese umgeben den Australcontinent in einem erst von West nach Ost, dann nach Südost, zuletzt nach Südwest gehenden Kranz, nehmen einen Gesammtflächenraum von ungefähr[324] 16,000 QM. ein u. zerfallen in neun Inseln u. Inselgruppen: a) Neu-Guinea, b) die Admiralitäts-Inseln, c) die Louisiade, d) Neu-Britannien, e) die Salomons-Inseln, f) Sta. Cruz, g) der Heiligen Geists-Archipel (Neue Hebriden), h) Neu-Caledonien, i) Neu-Seeland (s.d. a.); B) die südöstlichen Inseln; diese erstrecken sich von den Gruppen Sta. Cruz u. des Heiligen Geistes östlich nach Amerika hin u. bestehen aus zwei großen Archipelen, einem westlichen u. einem östlichen, deren jeder wieder in drei Gruppen zerfällt u. zwar a) der westliche in die Fidschi-Inseln (Viti-Archipel), Tonga-Archipel (Freundschafts-Inseln) u. Schiffer-Inseln (Navigator-Archipel, Samoa-Gruppe); b) der östliche in die Gesellschafts- (Societäts-) Inseln, Niedrige Inseln (Paumotu-Gruppe) u. Mendana-Archipel (Nukahiwa-Gruppe); hierzu kommt noch c) der zwischen beiden liegende Cooks-Archipel (Hervey-Gruppe) s.d. a.; C) die nordöstlichen Inseln, aus der einzigen Gruppe der Sandwich-Inseln (s.d.) od. Hawai-Archipel u. einigen kleinen zerstreut liegenden Felseninseln bestehend; D) die nordwestlichen Inseln, diese umfassen die drei großen Gruppen der Marianen (Ladronen), Carolinen, u. Mulgrave (Marshall u. Gilbert) s.d. a. Was die geognostische Beschaffenheit anbelangt, so zerfallen diese sämmtlichen Gruppen in hohe u. niedrige Inseln; zu den ersteren gehören meistens die der südwestlichen Inseln, welche größere Gebirge zum Theil mit Gipfeln von bedeutender Höhe zum Theil auch Vulkane enthalten, aber vorzugsweise aus Ur- u. Übergangsgesteinen bestehen, während die höheren Inseln der andern Abtheilungen wahrscheinlich rein vulkanischen Ursprungs sind u. ebenfalls noch vereinzelt thätige Vulkane haben; die niedrigen Inseln (fast sämmtlich klein) bestehen mit wenigen Ausnahmen aus Madreporenkalkstein, welcher sich durch Absterben von Zoophyten auch jetzt noch immer fortbildet. Aus demselben Gestein bestehen auch die zahlreichen Risse, welche überall im Stillen Ocean verbreitet sind u. die meisten der niedrigen Inseln umgeben. In Bezug auf die Flora zeigt sich in der Richtung von West nach Ost eine auffallende Abnahme. Während noch Neu-Guinea die üppige u. reiche Vegetation der Molukken hat, sind die um weniges weiter nach Osten zu gelegenen Inseln schon ärmer an Pflanzen, Neu-Seeland hat nur noch 700, Otaheiti (die größte der Gesellschafts Inseln) nur noch 500, die Paumotu-Gruppe nur gegen 50 u. die Osterinsel (die östlichste von ganz P.) kaum über 20 Pflanzen. Über sämmtliche Inselgruppen sind indische Pflanzenfamilien u. Pflanzenarten verbreitet, u. selbst noch die Gesellschafts Inseln enthalten zum vierten Theil Pflanzen, welche zugleich in Java wachsen; auch sind sämmtliche Culturpflanzen P-s indisch. Die wichtigste Pflanze ist die Kokospalme, welche namentlich auf den niedrigen Inseln noch besser gedeiht, als in Indien selbst, ferner Bananen, Bataten, Brodbaum (Artocarpus, nimmt fast in ganz P. die Stelle der noch überall fehlenden Cerealien ein). Außerdem ist in der Flora, nament-lich in den südwestlichen Inseln noch ein australischer Charakter ausgeprägt; Leguminosen (Akazien), bes. in Neu-Guinea, Myrtaeêen u. Coniferen, bes. in Neu-Seeland u. Neu-Caledonien; je weiter östlich um so mehr verschwindet dies australische Element. Die amerikanische Flora ist in P. nur selten vertreten, am meisten noch in Neu-Seeland. Hinsichtlich der Fauna findet sich im Allgemeinen dasselbe Gesetz. Die Säugethiere nehmen ebenso wie die Pflanzen von Ost nach West an Zahl der Arten u. der Individuen ab u. sind namentlich auf den kleinen Inseln des Osten sehr selten; Walfische finden sich überall in großer Menge; Landvögel selbst noch auf den östlichen Inseln häufig, ausgezeichnet durch vollkommene Bildung u. Farbenpracht; Seevögel ebenfalls überall sehr häufig; Amphibien u. Fische zahlreich u. von großer Schönheit u. Vollkommenheit; Insecten im allgemeinen selten, am häufigsten noch auf den westlichen Inseln (namentlich Schmetterlinge); Säugethiere u. Vögel sind vorwiegend australischer, Amphibien, Fische u. Insecten fast ausschließlich indischer Art. Die Bevölkerung von P., welche kaum über 1 Million betragen dürfte, zerfällt in zwei wesentlich verschiedene Stämme, einen schwarzen von australischem Charakter, die sogenannten Papuas (s.d.), welcher vorzugsweise die südwestlichsten Inseln (mit Ausschluß von Neu-Seeland) bewohnt, u. einen hellfarbigen Stamm, welcher sich in allen Beziehungen von den Papuas unterscheidet u. mit den Malaien des Indischen Archipels sehr nahe verwandt ist. Diese hellfarbigen Südsee-Insulaner übertreffen die Papuas an körperlicher Schönheit, Bildung u. Culturfähigkeit, haben eine feste u. bestimmte Form der Gottesverehrung, geordnete Staatswesen mit monarchischen Institutionen, Lehnswesen etc., überall feste Wohnsitze, treiben Landbau, Fischfang, haben eine gewisse Industrie u. zeigen für die Europäer u. deren Sitten u. Einrichtungen weit mehr Vorliebe als die Papuas, viele von ihnen sind auch zum Christenthum übergetreten. Was den politischen Einfluß der Europäer anbelangt, so ist bereits Neu-Seeland eine englische, die Mendanagruppe eine französische, die Marianen eine spanische Colonie, Otaheiti u. die Gesellschafts Inseln stehen unter französischem Protectorat, auf den Sandwichs Inseln streiten England, Frankreich u. Nordamerika um die Herrschaft u. den überwiegenden Einfluß. Das Nähere über die Einzelheiten der verschiedenen Inseln u. Inselgruppen s. u. deren eignen Artikeln, die Literatur s. u. Australien, außerdem Zimmermann, Australien, Hamb. 1810; Ellis, Polynesian Researches, Lond. 1839, 4 Bde.; Meinicke, Die Südseevölker u. das Christenthum, Prenzlau 1844; Wappäus, Handbuch der Geographie, 2 Bd. 2. Abtheilung Australien, Lpz. 1854; Turner, Nineteen years in Polynesia, Lond. 1860; 2) im engern Sinne, die Inseln u. Inselgruppen im Süden des Stillen Oceans mit Ausschluß von Mikronesien, Melanesien u. Melano-Polynesien (s.d. a.), also alle diejenigen, welche westlich vom 160° westlicher Länge (von Ferro) u. südlich vom 20° südlicher Breite liegen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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