Mathilde


Mathilde

Mathilde (angeblich so v.w. holdes Mädchen, n.And. heldenmüthiges Mädchen). I. Fürstinnen. A) Kaiserinnen u. Königinnen; a) von Deutschland: 1) Sta. M., Tochter des sächsischen Grafen Dietrich, seit 909 Gemahlin des Königs Heinrich I. von Deutschland, auf welchen sie einen großen Einfluß hatte; sie half den Armen u. Unglücklichen, gründete Klöster (u.a. das zu Quedlinburg) u. Hospitäler; gebar ihrem Gemahl drei Söhne: Otto d. Gr., Heinrich, Herzog von Baiern, u. Bruno, Erzbischof v. Köln, u. wurde 936 Wittwe. Da sie den jüngern Heinrich vor dem ältern Otto begünstigte, so entstand daraus der jahrelange Zwist zwischen beiden; u. da sie zu verschwenderisch mit [5] Wohlthaten gegen die Armen war, so verboten ihre Söhne aus Furcht, das mütterliche Erbe möchte ihnen verringert werden, den Vermittlern die Überbringung derselben. Daher zog M. von ihren Gütern in Sachsen auf ihren Familiensitz Enger in Westfalen, kehrte jedoch 947 nach Sachsen zurück, nahm ihren Sitz in Quedlinburg u. st. hier 14. März 968; sie wurde später canonisirt, ihr Tag: 14. März; ihre Lebensbeschreibung im 4. Bde. von Pertz Monumenta Germ. histor. 2) M., Tochter Heinrichs I. von England u. der M. 5), 1111 vermählt mit Kaiser Heinrich V., wurde 1125 Wittwe u. heirathete, nach England zurückgekehrt u. zur Kronerbin ernannt, 1127 Gottfried Plantagenet, Grafen von Anjou, kam jedoch nur kurze Zeit (1141–42) auf den Thron u. st. 1167 in Rennes, s. England (Gesch.) VIII. b) Von Dänemark: 3) Karoline M., s. Karoline 2). c) Von England: 4) M., Tochter des Grafen Balduin V. von Flandern u. der Adele von Frankreich, verheirathet mit Wilhelm I., König von England, gebar ihm 4 Söhne u. 4 Töchter u. st. 1085. 5) M., Tochter Malcoms III. von Schottland, vermählt 1100 mit Heinrich I. von England; st. 1118. 6) M., so v.w. Mathilde 2) d) Von Portugal: 7) M., Tochter des Grafen Rainald von Darmartin u. der Gräfin Ida von Boulogne; vermählt 1186 mit Philipp von Frankreich, Sohn des Königs Philipp August, welcher 1234 in einem Turnier blieb, u. 1235 mit König Alfons III. von Portugal; st. 1260. B) Andere Fürstinnen: a) Herzogin von Sachsen: 8) M., Tochter des Königs Heinrich II. von England, vermählt 1168 mit Herzog Heinrich dem Löwen u. gebar ihm 4 Kinder: Heinrich, Otto, Wilhelm, Mathilde; st. 1189. b) Herzogin von Baiern: 9) M., älteste Tochter des Kaisers Rudolf von Habsburg, 1273 an Ludwig von der Pfalz u. Oberbaiern als dritte Gemahlin vermählt, wollte nach dessen Tode 1294 als Vormünderin über ihren Sohn Ludwig den Baier Antheil an der Regierung haben u. lag darüber mit Kurfürst Rudolf in Streit; sie st. 1304; s. Baiern (Gesch.) VI. c) Markgräfin von Toscana: 10) M., Tochter des Markgrafen Bonifacius III. von Toscana u. der Beatrix von Lothringen, geb. 1046, stand nach ihres Vaters Tode 1052 nebst ihrer Mutter den Geschäften vor u. vermählte sich mit ihrem Vetter, Gottfried dem Buckligen von Lothringen, von dem sie aber fast immer getrennt lebte. Sie war die stete Begleiterin des Papstes Gregor VII. u. Feindin des Kaisers Heinrich IV., mit welchem sie, nach dem Tode des Papstes, den Krieg fortführte. Sie schenkte 1077 u. 1079 ihre Güter u. Besitzungen in Toscana, Mantua, Parma, Reggio, Piacenza, Ferrara, Modena, Umbrien, Spoleto etc. der Kirche (Mathilde'sche Erbschaft), das jetzige Patrimonium Petri (s.u. Kirchenstaat, Gesch.), worüber nach ihrem Tode, welcher 1115 im Kloster zu Polirona erfolgte, neue Kämpfe zwischen Kaiser u. Papst ausbrachen. Vgl. Fiorentini, Memorie della grancontessa Matilda, u. Aufl. von Mansi, 1756. II. Prinzessin: 11) M., Tochter des Kaisers Otto I. u. der Adelheid von Burgund, Äbtissin von Quedlinburg, hatte auf die Vormundschaft von Ottos II. dreijährigem Sohne Otto III. den wesentlichsten Einfluß, s. Deutschland (Gesch.) V.; sie st. nach Ottos III. Tode. III. Heilige, s. Mathilde 1) u. Mathildis.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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