Raumer


Raumer

Raumer, 1) Friedrich Ludwig Georg von R., geb. 14. Mai 1781 zu Wörlitz im Dessauschen; studirte in Halle u. Göttingen Cameralia u. die Rechte, wurde 1801 Referendar bei der kurmärkischen Kammer in Berlin, 1802 Assessor, 1806 Domänenrath zu Wusterhausen bei Berlin, 1809 Regierungsrath in Potsdam, arbeitete 1810 im Bureau des Staatskanzlers Fürsten von Hardenberg, u. wurde 1811 Professor der Geschichte u. Staatskunst in Breslau, er reiste 1815–17 nach Italien u. der Schweiz u. wurde 1819 Professor der Staatswissenschaften u. Geschichte in Berlin, war auch eine Zeitlang Mitglied des Censurcollegiums; er unternahm auch später mehre Reisen, so 1830 nach Paris, 1835 nach London, 1843 nach Amerika, u. war 1848 u. 1849 Mitglied des deutschen Parlaments in Frankfurt, wo er zum rechten Centrum gehörte. Er ging von Frankfurt als Gesandter nach Paris, wurde nachher Mitglied der ersten Kammern. 1853 auf seinen Wunsch emeritirt. Er schr.: Sechs Dialogen über Krieg u. Handel, 1806; Das britische Besteuerungssystem, Berl. 1809; CCI emendationes in Lohmeieri et Gebhardii tabulas genealógicas dynastiarum arab. et ture., Heidelberg 1811; Handbuch merkwürdiger Stellen aus den lateinischen Geschichtsschreibern des Mittelalters, Berl. 1813; Herbstreise nach Venedig, ebd. 1816, 2 Bde.; Vorlesungen über die alte Geschichte, Lpz. 1821, 2 Bde., 2. A. 1847; Geschichte der Hohenstaufen u. ihrer Zeit, ebd. 1824–26, 6 Bde., 2. Aufl., ebd. 1840–43; Über die geschichtliche Entwickelung der Begriffe von Recht, Staat u. Politik, ebd. 1826, 2. Aufl. 1832; Über die preußische Städteordnung, ebd. 1828; Historisches Taschenbuch, ebd. 1829 ff. (bis jetzt fortgesetzt); Briefe aus Paris u. Frankreich im Jahre 1830, ebd. 1831, 2 Bde.; Briefe aus Paris zur Erläuterung der Geschichte des 16. u. 17. Jahrh., Lpz. 1831, 2 Bde; Geschichte Europas seit Ende des 15. Jahrh., Lpz. 1832–50, 8 Bde.; Polens Untergang, ebd. 1832; England im Jahr 1835, ebd. 1836, 2 Bde., 2. A. 1842, 3 Bde.; Die Königinnen Elisabeth u. Maria Stuart, ebd. 1836; Beiträge zur neuern Geschichte aus dem Britischen Museum, Lpz. 1836–39, 5 Bde.; König Friedrich II. u. seine Zeit, Lpz. 1836; Europa am Ende des Siebenjährigen bis zum Ende des Amerikanischen Kriegs, Lpz. 1839, 3 Bde.; Italienische Beiträge zur Kenntniß dieses Landes, Lpz. 1840, 2 Bde.; Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, 1845, 2 Bde.; Reden, die in Frankfurt nicht gehalten worden sind, 1848; Briefe aus Frankfurt u. Paris 1848–49, Lpz. 1849, 2 Bde.; Briefe über gesellschaftliche Fragen der Gegenwart, 1850; Vermischte Schriften, Lpz. 1852 ff.; Lebenserinnerungen u. Briefwechsel, ebd. 1861; übersetzte die Reden des Äschines u. Demosthenes über die Krone, Berl. 1811; u. gab mit L. Tieck Solgers Schriften u. [853] Briefwechsel, ebd. 1826, 2 Bde., allein Jared Sparks Leben u. Briefwechsel Washingtons, ebd. 1839, 2 Bde. heraus; 2) Karl Georg von R., Bruder des Vor., geb. 9. April 1783 in Wörlitz; studirte in Göttingen, Halle u. Freiberg, machte dann geognostische Reisen in Deutschland u. Frankreich, wurde 1810 Oberbergrath in Berlin, 1811 Professor der Mineralogie in Breslau, machte 1813 als Adjutant Gneisenau's im Blücherschen Generalstabe den Befreiungskrieg mit, wurde 1819 Professor in Halle, 1823 Mitdirector der Dittmarschen Erziehungsanstalt in Nürnberg u. 1827 Professor der Naturgeschichte in Erlangen; er schr.: Geognostische Fragmente, Nürnberg 1811; Der Granit des Riesengebirgs, Berl. 1813; mit von Engelhardt, Geognostische Versuche, ebd. 1815; u. Geognostische Umrisse von Frankreich u. Großbritannien, ebd. 1818; Das Gebirge Niederschlesiens, der Grafschaft Glatz u. eines Theils von Böhmen u. der Oberlausitz geognostisch dargestellt, ebd. 1819; Vermischte Schriften, ebd. 1819-22, 2 Bde.; Versuch eines ABC-Buchs der Krystallkunde, ebd. 1821, Nachtrag dazu, 1822; Lehrbuch der allgemeinen Geographie, ebd. 1832, 3. A. Lpz. 1848; Palästina, ebd. 1835, 4. Aufl. 1860; Der Zug der Israeliten aus Ägypten nach Kanaan, ebd. 1837; Kreuzzüge, Stuttg. 1840; Geschichte der Pädagogik, ebd. 1842 ff., 4 Bde., 2. A. ebd. 1846 ff.; Erinnerungen an die Freiheitskriege 1813 u. 1814, Stuttg. 1850; Die Erziehung der Mädchen, Stuttg. 1853; gab auch Sammlung geistlicher Lieder, Basel 1831, u. St. Augustins Confessiones, 1855, heraus. 3) Georg Wilhelm von R., geb. 1790 in Berlin, studirte daselbst, in Heidelberg u. Göttingen die Rechtswissenschaften, trat 1823 in den Staatsdienst, wurde 1827 Assessor beim Kammergericht in Berlin, 1829 Hülfsarbeiter im Ministerium der Finanzen, 1833 Rath bei dem preußischen Hausministerium u. der Archivverwaltung, 1843–1851 auch Director aller preußischen Archive u. 1844 Mitglied des Staatsrathes; er erschoß sich 11. März 1856; er schr.: Über die älteste Geschichte u. Verfassung der Kurmark, Berl. 1830; Geschichte der Insel Wollin, ebd. 1853, u. gab heraus: Novus codex diplom. Brandenburgensis, ebd. 1831-1833, 2 Bde.; Regesta historiae Brandenburg., ebd. 1836, 1. Bd., dazu historische Karten u. Stammtafeln, 1837. 4) Karl Otto von R., geb. 7. Sept. 1805 in Stargard, studirte in Göttingen u. Berlin Jurisprudenz u. Staatswissenschaften, trat 1827 als Referendar zu Stettin in den Staatsdienst, wurde 1840 Geh. Finanzrath im Alvenslebenschen, 1841 Geh. Regierungsrath im Rochowschen Ministerium, 1843 Regierungspräsident in Königsberg, 1845 in Köln u. 1848 zu Frankfurt a. O.; am 19. Dec. 1850 übernahm er an Ladenbergs Stelle das Portefeuille der Geistlichen-, Unterrichts- u. Medicinalangelegenheiten u. behielt es, bis 6. Nov. 1858 das gesammte Ministerium Manteuffel zurücktrat; er st. 6. Aug. 1859 in Berlin; über seine Verwaltung, welche der orthodoxen Richtung u. den lutherischen Sonderbestrebungen in den Landeskirchen ganz besonderen Vorschub leistete, s. u. Preußen (Gesch.) S. 549 ff. Vgl.: Der Staatsminister von R., Berl. 1860. 5) Rudolf von R., Sohn von R. 2), geb. 14. April 1815 in Breslau, seit 1846 Professor der Deutschen Sprache u. Literatur in Erlangen; er schr.: Die Aspiration u. Lautverschiebung, Lpz. 1837; Die Einwirkung des Christenthums auf die Althochdeutsche Sprache, Stuttg. 1845; Vom deutschen Geiste, 2. Aufl. Erlangen 1850; Deutsche Versuche, ebd. 1861. 6) Hans von R., Bruder des Vorigen, geb. 15. Oct. 1820 in Giebichenstein bei Halle, studirte 1837–41 in München, Berlin u. Erlangen Bergwissenschaften u. die Rechte, wurde 1845 Mitglied des Magistrats zu Dinkelsbühl u. hier 1848 ins deutsche Parlament gewählt, wo er zur Gagernschen Partei gehörte; nach der Auflösung des Parlaments ging er nach Schleswig, nahm als Jäger Dienste, focht bei. Idstedt u. Friedericia u. wurde nach letzter Schlacht Lieutenant u. Adjutant des Generals Willisen. Zurückgekehrt starb er 17. März 1851 in Erlangen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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