Ravenna [1]


Ravenna [1]

Ravenna, 1) Legation im Kirchenstaat, zwischen dem Adriatischen Meer u. den ehemaligen Legationen Ferrara, Bologna u. Forli u. Toscana; ebenes, zum Theil morastiges Land mit Salzlagunen, nach Florenz zu höher ansteigend u. gesünder, im Ganzen fruchtbar, von den Flüssen Po di Primaro (mit den Nebenflüssen Santerno u. Senio), Lamone, Savio, Ronco, Montone u.a. bewässert; Klima: an den Küsten feucht u. nebelig, im Innern gesünder; Producte: Getreide, Mais, Hanf, Flachs, Wein, Öl, Safran, Seide, Salz aus den Küstensümpfen; ist 1860 als eine der Provinzen der Ämilia dem Königreich Italien annectirt u. hat 31, ao QM. mit 192,000 Ew.; 2) Hauptstadt der Legation, 3/4 Meile vom Ausfluß des Montone, etwas befestigt; Erzbischof, auf der Piazza maggiore zwei hohe, von den Venetianern 1483 errichtete Granitsäulen mit St. Apollinarius u. St. Vitalis auf ihnen, Statue Clemens' XII., Kathedrale, 1734–49 restaurirt, mit Fresken von Guido Reni, 21 Kirchen (darunter Sta. Agatha, eine Basilica mit drei Schiffen, vom Jahre 417; S. Apollinare, von Theoderich zu Anfang des 6. Jahrh. erbaute Basilica mit drei Schiffen u. großen Mosaiken; S. Giovanni Evangelista, eine Basilica mit 24 Säulen u. drei Schiffen von der Kaiserin Galla Placidia zu Folge eines Gelübdes während eines Seesturms auf der Überfahrt von Constantinopel 420 erbaut; S. Nazario e Celso mit Grabmal der Kaiserin Galla Placidia, von dieser um 440 gegründet, mit kolossalem Marmorsarkophag der Kaiserin u. den Sarkophagen ihres Gemahls Constans u. des Honorius; das Baptisterium, wahrscheinlich im 4. Jahrh. erbaut, achteckig; Sta. Maria in Cosmedin; S. Vitale, ein Achteck, noch unter der Herrschaft der Gothen erbaut, aber unter Justinian musivisch verziert; S. Francesco, Basilica aus der Mitte des 5. Jahrh.; S. Teodoro; Sta. Chiara, zerstörte Klosterkirche mit Wandgemälden aus dem Anfang des 14. Jahrh., u. S. Apollinare in Classe eine Stunde außerhalb der Stadt); Sta. Maria della Rotonda (Theoderichs Mausoleum, von seiner Tochter Amalasuntha nach der Moles Hadriani in zwei Stocken erbaut, ein zehneckiger, innen runder Tempel mit flacher Kuppel von 34 F. Durchmesser, welche aus einem einzigen istrischen Felsblock gehauen ist), 1/2 Stunde von der Stadt, nach dem Vasen zu; ferner in der Stadt: erzbischöflicher Palast mit Sammlung antiker Inschriften, Palast des Theoderich (setzt die Vorderseite des Franciscanerklosters bildend), Palast der Madame Murat, Paläste Rasponi u. Sproti mit Gemäldesammlungen, viele Klöster u. Hospitäler, Archive, Waisenhaus, Lombard, das Grabmal Dante's (welcher hier starb), tempelähnlich, mit der Büste des Dichters, 1780 an der Stelle eines ältern 1482 errichteten Denkmals; Akademie der Künste, Museum, Collegium, Seminar, Bibliothek mit 700 Manuscripten, vielen Incunabeln u. Medaillensammlung; etwas Seidenspinnerei u. Seidenweberei u. Weinbau; 16,500 u. mit Einschluß der nächsten Ortschaften 24,000 Ew. Von R. nach Bologna u. nach Ancona sind Eisenbahnen projectirt. Zwei Miglien von der Stadt steht das 1557 errichtete Denkmal des Siegs der Franzosen unter Louis XII. über die vereinigte Armee des Papstes Julius II. u. des Königs von Spanien. – R., auch im Alterthum so genannt, war erbaut von thessalischen Pelasgern u. kam früh unter die Herrschaft der Umbrer. Unter Augustus wurde hierher eine der beiden Flotten gelegt; der Hafen (Classis), welcher dazu gebaut wurde u. 1/2 Meile von der Stadt entfernt lag, faßte 240 Dreidecker; dabei ein Castell u. Leuchtthurm. Obgleich R. von Sümpfen eingeschlossen war (nur westlich war ein schmaler Zugang), war doch im Sommer oft Wassermangel, deshalb wurde auch vom Padus ein Kanal (Padusa, Fossa Augusta) südlich nach der Stadt u. zum Theil in dieselbe gezogen u. dann östlich ins Meer geleitet. Von nun an wurde R., obgleich keine schöne u. nur aus hölzernen Häusern bestehende Stadt, ein bedeutender Stapel- u. Handelsplatz; hier war auch eine berühmte Fechterschule. Zwischen der Stadt u. dem Hafen wurde noch eine neue Anlage gemacht (Cäsarea), welche durch Mauern mit der Stadt u. dem Hafen zu einem Ganzen vereinigt wurde. Später war R. erste Hauptstadt der zweiten italienischen Provinz Flaminia u. Sitz des Erzbischofs. 408 wählte Honorius R., als starke Festung, zur Residenz, u. seine Schwester Galla Placidia that viel zu deren Verschönerung. Mit der Erhebung R-s zur Kaiserresidenz wurde auch der dasige Bischof zur Metropolitanwürde erhoben. Nachdem R. von Theoderich 493 n.Chr. eingenommen worden war, behielten sie die ostgothischen Könige als Residenz bei; Theoderich u. seine Tochter Amalasuntha, 526 bis 535, thaten viel zur Verschönerung R-s. Nach dem Sturz des Ostgothischen Reiches durch die Byzantiner wurde R. seit der Mitte des 6. Jahrh. Sitz der byzantinischen Exarchen, s. Exarchat. Im Jahre 666 wurde der Erzbischof von dem Kaiser Constans von aller geistlichen Oberhoheit, also auch der des Bischofs in Rom, befreit u. selbständig; zwar mußte der Erzbischof seit 678 die kirchliche Oberherrlichkeit Roms wieder anerkennen, allein von da an waren stete Streitigkeiten zwischen dem Kirchenfürsten von R. u. dem Papste. Die Longobarden, welche sich 752 unter Aistulf der Stadt bemächtigten, wurden bald von den Franken vertrieben, u. Pipin schenkte sie 755 dem Papst, was Karl der Große 768 bestätigte. Sie wurde hierauf von Consuln regiert. Im 9. Jahrh. brach unter dem Erzbischof Johannes ein heftiger Streit mit Rom aus, welcher sich aber 861 mit der gänzlichen Demüthigung des Erzbischofs unter den Römischen Stuhl endigte. Im Kampf der Guelfen u. Ghibellinen trat in R. als Haupt der[861] Erstern Pietro Traversara an die Spitze der Regierung, später wechselten kaiserliche u. päpstliche Befehlshaber, bis Ostasio IV. die Alleinherrschaft erlangte (1318); die Herrschaft der Herzöge von R. od. von der Romagna dauerte 123 Jahre. 1440 kam R. in die Gewalt der Venetianer; 1508 eroberte es Papst Julius II. u. setzte einen Cardinallegaten hierher. Durch den Frieden von Tolentino wurde es den Franzosen unterthan, durch den Wiener Congreß 1815 dem Kirchenstaat zurückgegeben. Den 11. April 1512 hier Sieg der Franzosen unter Gaston de Foix, Herzog von Nemours, über die verbündeten Venetianer, Spanier u. Engländer. Der Hafen ist jetzt versandet u. das Meer 3/4 Meilen zurückgetreten. Classis ist unter dem Longobardenkönig Luitprand 728 zerstört worden; wo sonst Cäsarea stand, ist jetzt das Dorf Porto di Faori. Vgl. Rubens, Hist. Ravennat., Vened. 1590; Fantuzzi, Monumenti Ravennati de' secoli di mezzo, ebd. 1801, 6 Bde.; Nanni, Il forestiere di R., Rav. 1826; desgl. ein Führer von Ribusti, ebd. 1838. 3) Hauptstadt der Grafschaft Portage im Staate Ohio (Nordamerika), an der Cleveland-Pittsburg Eisenbahn u. dem Pennsylvania-Ohio Kanal; Bank, Akademie, Handel mit Getreide u. Wolle, Wagenfabrikation; 4000 Ew.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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