Rigi


Rigi

Rigi (von den Umwohnern die R. genannt, Rigidus mons), ein zum großen Theil im Schweizercanton Schwyz, anderentheils im Canton Luzern gelegener, abgesonderter Gebirgsstock, welcher westlich u. südlich vom Vierwaldstättersee, nördlich u. östlich vom Zuger- u. Lowerzersee bespült wird u. sich zum Muottothale hinabneigt, nach Norden u. Nordosten steil, gegen Südwesten u. Süden in großen Terrassen sanfter abfällt, Gärten, Wiesen, Wälder u. Alpen (wo gegen 4000 Stück Vieh weiden, mit 150 Sennhütten) u. einen Umfang von fast 10 Stunden hat: er besteht aus Nagelflue, die nördliche u. westliche Abdachung aus Molasse. Der höchste Punkt des Gebirges ist der Rigikulm, eine 5541 F. über dem Meere u. 4196 F. über dem Vierwaldstättersee liegende baumlose, rasenbewachsene Hochebene, mit zwei, 1848 u. 1856 erbauten Wirthshäusern; dessen nordwestliche Abfälle heißen die Seebodenalpen, südöstlich setzt er sich als Rothstock (5119 F.) fort; in der Einsattelung zwischen Kulm u. Rothstock liegt der Staffel (4488 Fuß), mit Wirths- u. Kurhaus; westlich am Rothstock liegt das Känzii (4476 F.), eine offene Rotunde auf einem Felsenvorsprung, auf u. an dem Rothstock selbst das Kaltbad (4436 Fuß), mit neuem Gast- u. Curhaus, nach dem Brande 1849 neu aufgeführt, das Klösterli, ein Capuzinerhospiz, mit der Kirche Maria zum Schnee, 1689 gegründet u. von Wallfahrern, bes. Anfang August u. September, zahlreich besucht. Der östliche Theil des R. begreift die Kämme des Dossen (5175 F.), welcher sich nach Südwesten als Fiznauer Stock (4700 F.) fortsetzt, u. der R.-Scheideck (5073 F. hoch), welche als Rothenflue (4910 F.) nach Norden senkrecht abfällt, nach dem Lowerzersee[163] sich abflacht u. nach dem Vierwaldstättersee den 5239 F. hohen Kamm der Hochflue sendet; auf R.-Scheideck ist eine erdige Eisenquelle mit Curhaus. Der R. war früher ein unbeachteter Berg, nur den Sennen u. den Besuchern des Kaltbads bekannt, bis seit 1700 ein in der Kirche Maria zum Schnee aufgestelltes wunderthätiges Marienbild viele Wallfahrer anlockte; aber erst seit 1760 u. bes. nach den Deutschen Befreiungskriegen wurde der R. auch von fremden Reisenden besucht, so daß auf dem Kulm 1815 eine Hütte, 1816 ein kleines Wirthshaus, 1848 das jetzige ältere u. 1856 das neuere Gasthaus errichtet wurden. Jetzt ist bes. von Mitte Juli bis Mitte September die Anzahl der Reisenden so groß, daß die zahlreichen über das Gebirge zerstreuten Gasthäuser sie oft nicht aufnehmen können. Seit 1853 führt bis auf den Rigikulm eine gute Straße u. seit 1854 bis dahin auch ein Telegraph. Der Berg wird gewöhnlich von der Ostseite entweder von Arth od. Goldau aus in 31 Stunden bestiegen, dann öffnet sich plötzlich die überraschende Aussicht, welche ein Gebiet von 80 Stunden im Umkreis umfaßt, gegen Norden sich bis an den Schwarzwald erstreckt, gegen Westen bis an die Jurakette, im Süden u. Osten auf die Schneehäupter der Alpen von Bern, Unterwalden, Uri etc., die Jungfrau, Eicher, Mönch, Wetterhorn, Schreckhörner, Finster-Aarhorn, Titlis, Engelberger- u. Urirothstock, Blakenstock, Bristenstock, Windgalle, Scheerhorn, Tödi, Glärnisch, Sentis, u. im Vordergrunde die reizendsten Landschaften darbietet, die umliegenden Seen, den Goldauer Bergsturz, das Muottothal etc. Im Jahr 1795 wälzte sich ein rother, dicker Schlammstrom vom R. herab nach Wäggis u. in den Vierwaldstättersee u. verwüstete auf seinem langsamen, 14 Tage währenden Laufe mehre Häuser u. viel fruchtbares Land. Auf dem R. sind auch mehre Höhlen, wie die Bruderbalm, Eichhornbalm, Geisterhöhle, das Kessisbodenloch. Vgl. Füßli u. Keller, Der R., Zürich 1817; Gotthard, Der Rigiberg, Zug 1829; Meyer von Knonau, Erinnerungen an die R., St. Gall. 1836; Schlincke, Der R. (mit Ansichten, Panorama u. Karte), Luz. 1853; Groß, Karte u. Panorama vom R., Zür. 1855; Keller, Panorama du R., Karlsr. 1855.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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