Rückgrath


Rückgrath

Rückgrath (Spina dorsi, Columna dorsalis), der den hinteren u. mittleren Theil des Rumpfes bildende u. dessen Länge bestimmende Theil des Skelets, welcher aus 29 (selten 28 od. 30) Knochen, nämlich 7 Halswirbeln, 12 Rückenwirbeln, 5 Lendenwirbeln, dem Kreuzbein u. 4 Steißbeinen besteht (s.u. Wirbel u. Becken). Alle diese Knochen liegen von unten nach oben, wie die Glieder einer Säule, einander bedeckend u. genau unter sich verbunden, über einander. Die Verbindung geschieht durch Bänder (s.u. Wirbel- u. Steißbeinbänder). Man kann sich das R., wenn man sich den ersten Halswirbel (als eigentlich mehr zum Kopfe gehörig) wegdenkt, als aus zwei Pyramiden zusammengesetzt vorstellen; die obere, oben abgestumpfte Pyramide reicht vom zweiten Halswirbel bis zum Kreuzbein herab u. entsteht dadurch, daß die Wirbel von oben bis unten im Ganzen allmälig an Größe zunehmen; sie bildet das eigentliche R. Die untere, mehr gekrümmte Pyramide ist eine umgekehrte, mit ihrer Grundfläche auf die der oberen aufgesetzt u. wird vom Kreuzbeine u. von den Steißbeinen gebildet. Als Ganzes fügt sich das R. in Form einer Wellenlinie zusammen, welche aus vier Ausschweifungen u. vier Wölbungen besteht. Der Nackentheil (von dem Halswirbel gebildet) hat nach vorn eine sanft convexe Wölbung, deren Mitte sich in der Gegend des vierten Halswirbels befindet; der Brusttheil ist nach hinten convex, so daß die Mitte der Wölbung dem siebenten od. achten Brustwirbel entspricht; der Lendentheil hat dann wieder vorwärts seine Wölbung. Bon der Verbindung des letzten Lendenwirbels u. des Kreuzbeines, an ist dann die Convexität wieder hinterwärts gerichtet. Die Beweglichkeit des R-s ist am stärksten im Halstheile, im Brusttheil ist sie die geringste, im Lendentheil ist sie wieder größer. Die Steißbeine sind die beweglichsten, doch nur auf mechanische Einwirkung, namentlich beim weiblichen Geschlecht während der Geburt. Das R. ist beim Menschen Stütze des Kopfes, Befestigungsort für die oberen Extremitäten u. wird selbst in seiner Haltung von den Hüftknochen unterstützt. Sein durch die Rückenmarkslöcher der einzelnen Wirbel gebildete Kanal (Rückenmarkskanal, Rückgrathshöhle, Canalis vertebralis) ist zur Aufnahme des Rückenmarks bestimmt. Er hat im Ganzen dreieckige Gestalt, mit rundlichen Winkeln, eine vordere, eine rechte u. eine linke Seitenfläche, ist in den Halswirbeln sehr geräumig, in den oberen Brustwirbeln etwas weiter als in den unteren, in der Gegend des sechsten u. neunten Brustwirbels am engsten, in den Lendenwirbeln am weitesten. Sein Endtheil ist der Kreuzbeinkanal, s.d. u. Kreuzbein.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Rückgrath — Rückgrath, nennt man den Knochenapparat, welcher dem Oberkörper seinen Halt gibt und den Rippen und vielen Muskeln zum Ansatzpunkte dient. Er besteht aus den zwischen Kopf und Backen liegenden 7 Hals , 12 Rücken und 5 Lendenwirbeln und dem… …   Damen Conversations Lexikon

  • Rückgrath — Rückgrath, die Wirbelsäule …   Herders Conversations-Lexikon

  • Rückgrath, der — Der Rückgrath, des es, plur. die e, der scharfe erhabene Theil, welcher in der Mitte des Rückens der Menschen und Thiere der Länge nach hinunter gehet, und von den Rückenwirbeln gebildet wird, ingleichen diese an einander befestigten sämmtlichen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Rhachis — (gr.), 1) Erhöhung; 2) der hervorstehende scharfe Theil von den Fortsätzen der Rückgrathswirbel; 3) das Rückgrath selbst. Daher Rhachtăgra (Rhachidagra), gichtischer Rückenschmerz. Rhachialgie (Rhachiodynie), Rückgrathsschmerz, heftige Kolik,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Nacken- u. Rückenmuskeln — (Musculi cervicis et dorsi), Muskeln, die sich größtentheils sowohl an die Hals , als Brust u. Lendenwirbel, zum Theil auch am Kopfe anheften u. deshalb nicht füglich als Nacken u. als Rückenmuskeln bes. betrachtet werden können, u. in 5… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wirbelbänder — (Ligamenta vertebralia), die die Wirbelknochen zur Wirbelsäule (s. Rückgrath) so verbindenden Bänder, daß jenen eine zwar beschränkte, doch aber durch die Summe der den einzelnen W n zusammengenommen zugestandene Biegsamkeit, doch bedeutende, u.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Milzbrand — 1) Brand der Milz nach vorheriger Entzündung; s.u. Milzkrankheiten. 2) (Anthrax), Krankheit der nutzbaren Hausthiere, bei Pferden nur selten, bei Rindvieh u. Schweinen (bei letztern Rankkorn, Hinterbrand) namentlich in heißen Sommertagen häufiger …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mißgeburt — (Monstrum, Monstrosität), der höchste Grad der organischen Mißbildungen, begründet in fehlerhafter Entwicklung des Keimes. Unbedeutendere Abweichungen, die keine weiteren Functionsstörungen begründen, nennt man Naturspiele, Bildungsfehler; höhere …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ohrenthier — Ohrenthier, 1) (Großöhriger Fuchs, Megalotis, Canis m.), Untergattung der Füchse, hat den Zahnbau des Hundes, Größe des Kaninchens, sehr große, weit aus einander u. auswärts stehende, zugespitzte Ohren; Arten: Fennec (Megalotis cerdo, Canis… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Pferd [1] — Pferd, 1) (Equus), einzige Gattung aus der Familie der einhufigen Thiere; oben u. unten sechs Vorderzähne, 24 Backenzähne mit viereckiger Krone u. Schmelzplättchen; bei dem Hengst sind noch (bei der Stute sehr selten) oben u. unten zwei… …   Pierer's Universal-Lexikon