Sabäismus

Sabäismus

Sabäismus (Zabäismus [vom semit. Zaba, d.h. Heer, Himmelsschaaren], gr. Astrolatrie), die Religionsform, welche die Gestirne als den Gegenstand göttlicher Verehrung annimmt u. welche bes. im alten Arabien, Syrien, Mesopotamien, Persien u. selbst in Indien verbreitet war. Die Sterne, welche hauptsächliche Verehrung genossen u. welche Herren od. Götter hießen, waren, außer einigen Fixsternen, bes. Sonne, Mond, Venus, Mercur, Mars, Jupiter u. Saturn, welche alle die Sabäer für Planeten hielten. Doch galten nicht die Sternkörper selbst als Gottheiten, sondern nur als die Leiber od. Häuser der Gottheiten, welche selbst als Lichtwesen od. Planetengeister zwischen Menschen u. dem höchsten Gotte (Herr der Herren, Gott der Götter) innestanden, einen mächtigen Einfluß auf Natur u. Erde, Menschen u. alle Creaturen übten, denselben Entstehen u. Bestehen gaben u. dieselben zuletzt wieder in sich aufnahmen. Die Sabäer stellten diese Planetengötter in Bildern u. symbolischen Figuren dar u. verehrten sie in Tempeln; sie beteten täglich dreimal; zu den Religionsverboten gehörte Vielweiberei u. der Genuß des Schweine-, Kameel- u. Taubenfleisches. Zur Ergründung des[642] Einflusses der Gestirne auf die Erde u. das Schicksal der Menschen studirten die Sabäer die Stellungen der Sterne zu einander, woraus ihre frühe Bekanntschaft mit denselben, die Astronomie, aber mehr in der Form von Astrologie (s.d.) entstand; dazu trieben ihre Weisen viel Magie u. Wahrsagerei u. fertigten für das Volk Talismane als Schutzmittel gegen ungünstige Einflüsse. Eine Abtheilung der Sabäer glaubte an eine Seelenwanderung u. an eine Erneuerung der Dinge in verschiedenen großen Weltperioden. Als S. wird im Koran schon das Heidenthum bezeichnet, vor welchem Abraham aus Urwegzog. Eine Hauptstätte des S. war Harran in Mesopotamien, wo sich Sabäer mitten unter Christen bis ins Mittelalter hin erhielten. S. war auch die Religion der Araber zur Zeit, als Muhammed auftrat, aber von dem ursprünglichen verschieden; sie verehrten neben dem einen Gott, Allah Toala, die Gestirne, welche sie Töchter Gottes, Illah, nannten, unter ihnen vorzüglich drei, Alitta, Aluza u. Manah, u. die 28 Häuser des Mondes od. die Planetengeister der Tage des Mondes, u. hatten 360 Bilder, eins für jeden Tag des Jahres. Den Eintritt des besseren Zustandes auf Erden hofften sie von einem Mittler, welche Hoffnung sie auf Jethro u. Bileam zurückführten u. welche fortwährend von Propheten genährt wurde. Als solchen gab sich nachher Muhammed aus, welcher den S. stürzte.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Sabäismus — (Sterndienst, Gestirnkult), Anbetung der Gestirne, eine Kultform, die sich besonders in Babylon und Assyrien, woselbst die Stufentempel Sternwarten waren, und dann bei den Sabäern (s. d.) Arabiens, auch in Syrien und Kleinasien ausbildete. Außer… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sabäismus — Als Sabäismus, auch Zabäismus wurde im 19. Jh. allgemein die Verehrung der Gestirne als Verkörperung oder Sitz göttlicher Macht angesehen. Inhaltsverzeichnis 1 Begriff 2 Geschichte 3 Nachwirkungen 4 Siehe auch …   Deutsch Wikipedia

  • Speisegesetze — Speisegesetze, auf religiösem Grunde u. daraus auf der Unterscheidung zwischen rein u. unrein ruhende Gesetze über die Enthaltsamkeit von gewissen Genußmitteln, namentlich Speisen, wie sie des in Ägypten u. im Orient vorkommen. In Ägypten waren… …   Pierer's Universal-Lexikon

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  • Religion — (v. lat. Religio, u. zwar dies abgeleitet nach Ein. [zuerst von Cicero] von legere, lesen, sammeln, also eigentlich im römischen Sinne ein stets wiederholtes, aus Furcht hervorgehendes Durchnehmen gottesdienstlicher Satzungen; nach And. [zuerst… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Sabäer — Sabäer, 1) Bewohner der Provinz Sabäa, auf der Südwestseite des Glücklichen Arabiens, im nördlichsten Theile des jetzigen Jemen, sollten von Caba, einem Sohne Joktans, abstammen. An ihrer Küste fand man den Balsambaum u. die Cassia, im Innern… …   Pierer's Universal-Lexikon

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