Salmiak


Salmiak

Salmiak, 1) (Sal ammoniacum, Ammonium muriaticum), ist Chlorammonium (salzsaures Ammoniak) = H4Cl, findet sich im Mineralreiche, krystallisirt im regulären System, meist in Würfeln od. Octaedern, erscheint auch faserig, haarförmig, stalaktitisch, meist in krystallinischen Krusten u. erdigen Überzügen; Härte 1 bis 2; specifisches Gewicht 1,5 bis 1,6; farblos, grau, durch Bitumen gelb od. braun gefärbt, durchsichtig bis durchscheinend. Findet sich in den Umgebungen von Vulkanen; bes. häufig am Ätna nach der Eruption von 1832, am Vesuv nach dem Ausbruch von 1794, wo der S. centnerweise gesammelt wurde, in großer Menge auch 1806, 1822 u. 1834; häufig in den vulkanischen Gegenden Amerikas u. Asiens. Die Bildung des S-s bei vulkanischen Eruptionen erfolgt durch die Einwirkung freier Salzsäure od. in der Lava enthaltener Chlorverbindungen auf organische Substanzen, daher findet man S., bes. da, wo Lava über bewachsenen Boden[797] geflossen ist. Früher wurde der S. vorzüglich aus Ägypten gebracht, wo er aus dem durch Verbrennen des Kameelmistes gewonnenen Ruß durch Sublimation gewonnen wird; jetzt bereitet man ihn aus den Producten der trockenen Destillation organischer Körper, wie sie bei der Darstellung der Kohle für die Blutlaugensalzfabrikation, der Knochenkohle für Zuckerraffinerien, des Leuchtgases etc. erhalten werden; auch gefaulter Harn gibt ein zur Gewinnung des S-s brauchbares Destillat. Diese Flüssigkeiten enthalten hauptsächlich kohlensaures Ammoniak, daneben noch schwefelsaures Ammoniak u. Schwefelammonium u. werden auf verschiedene Weise auf S. verarbeitet. Entweder neutralisirt man die Flüssigkeit mit Salzsäure od. vermischt sie mit der Mutterlauge von Salinen, dampft die erhaltene Lösung von S. ein u. erhitzt den zurückbleibenden stark braun gefärbten rohen S. zur Vertreibung od. Zerstörung des brenzlichen Öles, löst ihn in Wasser auf u. läßt ihn auskrystallisiren. Nach einem anderen Verfahren erhitzt man die ammoniakhaltigen Flüssigkeiten mit Kalk in Destillirgefäßen u. leitet das entweichende Ammoniak in Salzsäure; durch Abdampfen dieser Flüssigkeit erhält man den S. Oder man verwandelt das kohlensaure Ammoniak jener Flüssigkeiten in schwefelsaures Ammoniak, entweder durch Neutralisation mit Schwefelsäure od. durch Zusatz von Gyps od. Eisenvitriol u. zerlegt dasselbe mit Kochsalz, wodurch S. u. schwefelsaures Natron entstehen; man dampft die Flüssigkeit ein, entfernt das dabei sich ausscheidende schwefelsaure Natron u. läßt den S. auskrystallisiren, od. dampft die Flüssigkeit ein, preßt die noch feuchte Salzmasse in Zuckerhutformen u. bringt sie so in den Handel. In der Regel wird der S., wie er durch Eindampfen od. Auskrystallisiren aus seinen Lösungen erhalten wird, durch Sublimation gereinigt. Zu diesem Zwecke wird er noch feucht in eine thönerne od. eiserne Kapelle gedrückt, durch Erwärmen entwässert u. das Gefäß hierauf mit einer Haube von Thon, Eisen od. Blei, welche oben in der Mitte eine Öffnung hat, bedeckt; bei verstärktem Feuer sublimirt der S. u. setzt sich in Form einer faserig krystallinischen glasigen Kruste an der Haube ab. Die so erhaltenen Salmiakkuchen werden, nachdem man durch Abhobeln die äußerste schwärzliche Schicht entfernt hat, in den Handel gebracht. Der S. ist in kaltem wie in warmem Wasser gleich löslich, 1 Theil S. löst sich in 2,7 Theilen Wasser; beim Auflösen in kaltem Wasser entsteht eine beträchtliche Kälte, daher die Anwendung des S-s zu Kältemischungen. Er sublimirt schon bei mäßig hoher Temperatur u. setzt sich in Form eines lockeren Pulvers, Salmiakblumen, od., wenn die Temperatur im Sublimirgefäß höher ist, als eine faserig krystallinische glasige Masse an den kälteren Theilen des Apparates ab. Er besitzt einen scharfen, stechenden Geschmack, ist sehr zäh u. läßt sich daher schwer pulverisiren. Mit anderen Chloriden verbindet er sich zu Doppelchloriden; Metalloxyde zersetzen ihn theilweis unter Bildung von Ammoniak, Wasser u. Metallchloriden, welche sich mit dem S. verbinden. Auch Eisen u.a. Metalle wirken in höherer Temperatur zersetzend auf den S. Der S. wird in der Medicin zur Erzeugung künstlicher Kälte, als zertheilendes Mittel innerlich u. äußerlich, meist in Lösung, auch in Pillenform angewendet; er dient ferner zur Darstellung des Ammoniaks u. der Ammoniaksalze, zur Bereitung von Rostkitt (s. Kitt B) u. Eisenkitt) zum Löthen u. Verzinnen, wo er als Auflösungsmittel für die Metalloxyde u. als Reductionsmittel wirkt; als Beize beim Färben, zur Bereitung des Schnupftabaks etc.; 2) fixer S., so v.w. Chlorcalcium; 3) Glaubers geheimer S., so v.w. Schwefelsaures Ammoniak.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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