Samarīa


Samarīa

Samarīa, 1) seit der Eintheilung Palästinas in drei Provinzen die zweite kleinste, inmitten von Galiläa, Judäa u. dem Jordan, etwa 6 Meilen lang u. 5 Meilen breit, von Bergen durchschnitten, welche mit reizenden u. fruchtbaren Thälern abwechseln; es gab viele Obst- u. gute Weideplätze; 2) (Schomron), feste Stadt darin, Hauptstadt des Königreichs Israel, auf einem Berge, mit dem symbolischen Namen Ohola (Ahala, d.h. ihr Tempel, eine Anspielung auf den von Juda getrennten Cultus der israelitischen Stämme). Sie war um 920 v. Chr. vom König Omri erbaut, wurde vom Syrerkönig Benhadad II. 903 u. 887 v. Chr. erfolglos belagert, aber von Salmanasser 721 erobert u. die Einwohner nach Assyrien abgeführt, wogegen er die Stadt mit Babyloniern, Kuthäern etc. bevölkerte; 109 v. Chr. wurde sie nach zwölfmonatlicher Belagerung durch Aristobulos u. Antigonos von deren Vater Johannes Hyrkanos erobert u. zerstört. Erst der römische Statthalter Gabinius baute sie wieder auf u. gab ihr den Namen Gabinia (Gabiniopolis). Herodes der Große vergrößerte u. befestigte sie, schickte 6000 Colonisten hin u. nannte sie dem Kaiser Augustus zu Ehren Sebaste od. Augusta. Kaiser Septimius Severus verpflanzte eine Colonie hierher. Später wurde S. eine Bischofsstadt; noch jetzt S., Dorf mit Ruinen. In der Nähe befinden sich eine große Anzahl stehender u. liegender antiker Säulen, welche jedenfalls aus der Zeit des Herodes stammen. Am Fuße des Hügels, auf welchem ehemals S. stand, liegt das Dorf en-Nakurah, wo man noch die Trümmer einer christlichen Kirche sieht, die wahrscheinlich von den Stiftern des Johanniterordens dem St. Johannes zu Ehren erbaut worden ist. In ihr soll sich das Grab des Täufers Johannes befinden, u. die christliche Sage läßt ihn hier begraben, ja sogar einkerkern u. enthaupten.

Die nachmalige Provinz S. wurde nach dem Einzug der Israeliten in Kanaan dem Stamme Ephraim angewiesen; nach der Theilung des Reichs war hier der Sitz des Reiches Israel. Als Salmanasser das Reich Israel zerstörte u. die Bewohner nach Assyrien abführte, schickte er Colonisten aus Babylonien, Hamath, Kutha etc. dahin, welche mit den zurückgebliebenen Samaritanern zu einem Volke verschmolzen, welches die Juden später Kuthim od. Kuthäer nannten. Obgleich die fremden Colonisten Heiden waren, so erhielt sich doch von den Samaritanern her der Jehovahdienst in S. Nach der Rückkehr der Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft wollten sich die Samaritaner denselben wieder anschließen u. Antheil an dem Tempelbau nehmen, jedoch von Serubabel als Götzendiener betrachtet u. zurückgewiesen, hinderten sie bis ins 6. Jahrh. den Tempelbau u. bis ins 5. Jahrh. die Wiederherstellung Jerusalems. Je mehr dadurch von beiden Seiten die Erbitterung[833] stieg, um so weniger war eine förmliche kirchliche Trennung zu vermeiden, zumal die Samaritaner auf dem Berge Garizim bei Sichem einen Tempel bauten u. unter dem Hohenpriester Manasse, einem aus Jerusalem vertriebenen Juden, einen besonderen Cultus anordneten (409). Als Alexander der Große auf seinem Asiatischen Feldzuge nach Palästina kam, war Sanballat Präfect von S.; dieser unterwarf sich u. sein Land dem Alexander, welcher nach Sanballats Tode 332 den Andromachos als Statthalter in Palästina einsetzte, den die Samaritaner ermordet haben sollen, worauf Memnon od. Asklepiodoros sein Nachfolger wurde. Als Palästina unter die Ptolemäer in Ägypten kam, zogen viele Samaritaner nach Alexandrien, wo sie mit den Juden gleiche Rechte bekamen, aber in stetem Hader mit denselben lebten. Auch die in S. Zurückgebliebenen hatten Streitigkeiten unter einander, da Einige ihrem alten Glauben treu blieben, während sich Andere dem Heidenthum der, seit der Eroberung durch die Syrer zahlreich im Lande niedergelassenen Griechen anschlossen. In dem Kampfe zwischen den Makkabäern u. Seleuciden standen die Samaritaner auf der Seite der Letztern, welche ihnen freien Cultus verstatteten, weshalb Hyrkanus 129 v. Chr. den Tempel auf Garizim zerstörte, 109 die Stadt S. eroberte u. schleifte u. im folgenden Jahre das Land in seine Gewalt bekam. Nun wanderten viele Samaritaner aus, kehrten aber theilweis nach dem Ende der Herrschaft der Makkabäer zurück; unter römischer Herrschaft bauten sie S. wieder auf, hatten freien Cultus u. einen eigenen Rath; der Tempel auf Garizim aber wurde nicht wieder aufgebaut, u. der Hauptort ihres Cultus war nun Sichem. Unter den Kaisern u. unter der jüdischen Herrschaft war ihr Loos meist dem der Juden gleich. Die Samaritaner hielten sich in ihrem Cultus allein an die Mosaischen Vorschriften, hielten den Sabbath äußerst streng, feierten blos die Mosaischen Festtage, duldeten kein Bild Jehovahs, richteten sich in Ehesachen ganz nach dem Mosaischen Gesetz, verschmähten jede Heirath mit den Juden u. verwarfen alle Tradition u. pharisäischen Satzungen. Sie hatten eine besondere, von der recipirten jüdischen mehrfach abweichende, aber mit den LXX ziemlich übereinstimmende Recension des Pentateuch (Samaritanischer Pentateuch). Wahrscheinlich entstand derselbe, als die Samaritaner sich einen eigenen Tempel auf Garizim bauten. Die zahlreichen Varianten sind entweder grammatisch (hiernach ist das Auffallende, Schwierige, Anomalische nach den Regeln der späteren Grammatik abgeändert od. auch das Hebräische mit Eigenthümlichkeiten des Samaritanischen Dialekts ersetzt); od. Erklärungen durch Glossen, od. Conjecturen an schwierigen Stellen, od. Interpolationen aus Parallelstellen, od. größere Zusätze, indem den Prophezeihungen die historischen Facta aus der späteren Zeit beigefügt wurden, od. chronologische u. historische Hypothesen, endlich auch Änderungen in der Theologie, bes. werden hier alle Anspielungen auf den Polytheismus, Anthropomorphismus etc. getilgt (vgl. Gesenius, De Pentateuchi samaritani origine etc., Halle 1815; Winer, De versionis pentatenchi sam. indole, Lpz. 1817). Auch sie erwarteten einen Messias, nach dessen Erscheinen das Jüngste Gericht eintreten würde, u. gingen, bes. seit dem 6. Jahrh. n. Chr., häufig zum Christenthum über. Noch jetzt lebt unter dem Namen Samaritaner ein schwacher Volksrest von wenig hundert Köpfen im türkischen Ejalet Damask, in Nablus (s.d. 2) u. der Umgegend. Sie hatten, wie in alten Zeiten den Garizim, nicht weit von Nablus ihren heiligen Berg, gegen welchen sie sich beim Gebet wenden. Ihre Feste sind das Pesach am 14. u. 15. Nisan, mit einem Opfer verbunden, der große Sabbath der ungesäuerten Brode (Massoth), Pfingst-, Wochen-, Ernte-, Laubhütten-, Posaunenfest, Versöhnungstag; kleine Festtage sind die zwei Summoth, woder Hohepriester das Hebeopfer erhält. Außer der Bibel haben sie noch mehre Gebetbücher für Sabbathe u. Festtage u. zwei Liedersammlungen. An ihren viergroßen Jahresfesten wallfahrten sie in Procession, unter lautem Ablesen des Gesetzes, auf den Gipfel des heiligen Berges u. bringen am Paschafeste ihre Lämmeropfer. Jede Woche versammeln sie sich regelmäßig zum Gebet in der Synagoge, lesen nichts als den Pentateuch u. halten den Sabbath mit aller Strenge. Noch immer hassen sie die Juden, wie vor Zeiten, u. meiden jeden Umgang mit ihnen. Sie haben in Nablus einen Oberpriester, sprechen einen eigenen Dialekt u. unterscheiden sich von den Juden außerdem auch durch den Kopfputz; sie halten viele Gebräuche geheim, verschweigen andere od. geben sie anders an. In der länglichen Synagoge stehen bei ihrem jetzigen Gottesdienst in zwei Reihen von Norden nach Süden die Männer in weißen Kleidern u. beten murmelnd; dann holt der Oberpriester eine Thora (mit goldener samaritanischer Schrift geschrieben, die Enden derselben mit Bildern von Thieren geschmückt) aus einem Cabinet an der Südseite u. liest daraus einen Abschnitt vor. Beim Beten küssen die Samaritaner den Bart oft. Alle Sabbathe wird ein Lamm geopfert; ihre Feiertage stimmen mit den rabbinischen überein. Vgl. Sylvester de Sacy, Mém. sur l'état actuel des Samaritains (deutsch Frankf. a. M. 1813); Juynboll, Commentarii historiae gentis Samaritanae, Leyden 1846; Barges, Les Samaritains de Naplouse, Par. 1855.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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