Sardelle


Sardelle

Sardelle (Engraulis), 1) nach Cuvier eigenes Geschlecht aus der Gattung Häring, mit schmalen Oberkieferknochen, mit stumpfer Spitze vortretender Schnauze, tief gespaltenem Maule u. Bauchflossen, welche etwas weiter vorn als die Rückenflossen stehen,[893] sonst wie Häring; Art: Gemeine S. (Anchois, Anchovis, fr. Sardon, E. encrasicholus, Clupea e.), wird bis 6 Zoll lang, 1 Zoll breit, hat goldig schillernden Kopf, gelbbraunen Oberleib, weißen Bauch, leicht abfallende Schuppen, findet sich in den Meeren um Europa, vorzüglich häufig bei Sardinien (daher der Name), wird in ungeheuerer Anzahl Abends bei Licht in großen Netzen gefangen, eingesalzen, in Fäßchen gepackt u. versendet. Man unterscheidet im Handel die gemeine S. u. die kleine, Anchovis. Die im Sommer gefangenen weichen, welche sich nicht gut halten, werden eingesalzen in Haufen u. Schobern verkauft. Die zweite Sorte (Sardines pressées) wird eingesalzen u. in Gebinden verpackt; vorher wird der Thran aus denselben gepreßt, indem dieser das Verderben beschleunigt, u. von Gerbern etc. benutzt. Die größeren, im Herbst gefangenen S-n werden eingesalzen u. geräuchert (Sardines Sorettes). Endlich marinirt man auch S-n mit einer Gewürzbrühe (Sardinesconfites), im engsten Sinne Anchovis, s.d. Die besten S. sind die französischen u. italienischen; die englischen sind wenig geschätzt. Die S-n dienen wie der Häring den Magen zu reizen; vor dem Gebrauch werden sie eingewässert, abgeschält u. das Fleisch von den Gräten abgezogen. Dieses Fleisch genießt man auf mit Butter bestrichenen Semmeln (Sardellensemmeln), od. man nimmt sie zum Kartoffelsalat (Sardellensalat), od. zum italienischen u. russischen Salat, s. Salat S. 778. Auch gebraucht man S-n zu verschiedenen Brühen (Sardellenbrühen, Sardellensaucen) etc., wozu außer den klargewiegten S-n noch Eier, Mehl, Butter, weißer Wein, etwas Citrone, Zwiebel, Nelken etc. kommen. Sardellenbutter bereitet man durch Mischung von gereinigten u. gewürzten S-n u. mischt sie verschiedenen Saucen bei, gibt sie auch einzeln, z.B. zu Beefsteaks. Die Salzlake der S-n war der Grundbestand des Garum (s.d.). 2) so v.w. Sardine.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Sardelle — Sardelle …   Deutsch Wörterbuch

  • Sardelle — Sardelle, gesalzene Anschovis (Engraulis encrasicholus), die, des bitter schmeckenden Kopfes und der Eingeweide beraubt, in den Handel kommen. Am bedeutendsten ist der Sardellenfang an der Küste der Bretagne. In Norddeutschland genießt man… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sardelle — Sardelle, ein kleiner schmaler, zum Heringsgeschlecht gehörender Fisch, in der Nordsee, dem mittell. und atlantischen Meere besonders häufig, und schon bei den Römern als Leckerei bekannt. Er wird in ungeheueren Quantitäten an den franz, span.,… …   Damen Conversations Lexikon

  • Sardelle — Sardelle, Sardine (Clupea Sardina), Fisch aus der Gattung Hering, oben schillernd azurblau, an den Seiten u. unten silberglänzend, gegen 4 lang, bildet am Mittelmeer u. an den Küsten der Bretagne einen wichtigen Handelsartikel, wird hauptsächlich …   Herders Conversations-Lexikon

  • Sardelle — Sf Sardine …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Sardelle — Europäische Sardelle Europäische Sardelle auf einer Briefmarke der UdSSR Systematik Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei) …   Deutsch Wikipedia

  • Sardelle — Sardine: Der seit dem Ende des 15. Jh.s bezeugte Name des 12 bis 25 cm langen Heringsfisches (spätmhd. sardien, frühnhd. Sardinlin) ist aus spätlat. it. sardina entlehnt (zu lat. sarda »Hering; Sardelle«). Die weitere Herkunft des Wortes ist… …   Das Herkunftswörterbuch

  • sardelle — Une sorte de poisson qu on appelle, Sardelle, ou Sardine, Sardinia, Sardina, Sarda. Nos vulgo Sardines, Anchois, et Sardes appellamus …   Thresor de la langue françoyse

  • Sardelle — Sar|del|le [zar dɛlə], die; , n: (besonders im Mittelmeer und an den Küsten des östlichen Atlantiks vorkommender) kleiner, dem Hering verwandter Fisch, der meist eingesalzen als pikante Beilage o. Ä. verzehrt wird: eine Pizza mit Kapern und… …   Universal-Lexikon

  • Sardelle — Sar·dẹl·le die; , n; ein kleiner Meeresfisch, der meist mit viel Salz konserviert wird ≈ Anschovis: eine Pizza mit Sardellen belegen || K : Sardellenbutter, Sardellenfilet, Sardellenpaste …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache