Scham


Scham

Scham, 1) das unangenehme Gefühl, welches aus der Vorstellung, Andern Veranlassung zu einem mißbilligenden u. geringschätzigen Urtheile zu geben, unwillkürlich entsteht. Dieser Begriff paßt auch auf die Scheu, das, was sich auf den Geschlechtstrieb bezieht, Andern zum Anblick darzubieten, indem hierin eine Gleichstellung des Menschen mit dem Thiere liegt. Daher Schamhaftigkeit in Beziehung auf den Körper, in welchem Sinne dieses Wort vorzugsweise gebraucht wird, immer schon Ausdruck einer moralischen Cultur ist, welcher bei ganz roben od. ganz verwahrlosten Menschen nicht vorkommt. Ebenso muß der, welcher sich in sittlichen Verhältnissen schämen soll, in dem, vor welchem er sich schämt, irgend ein Urtheil über den Werth seines Betragens u. seiner Handlungen voraussetzen u. für die Rückwirkung desselben auf sein eigenes Gefühl zugänglich sein. Ob u. worüber sich der Mensch schämt, ist daher ein Kennzeichen seiner innern sittlichen Verfassung. Vor sich selbst schämt sich nur der, in welchem gegenüber den unsittlichen Anreizen das sittliche Urtheil vorhanden u. wirksam ist od. wenigstens später wirksam wird. Das sittliche Schamgefühl hängt daber genau mit der Art u. der Reizdarkeit des sittlichen Ehrgefühls zusammen. Die äußeren Zeichen der S., das Niederschlagen der Augen, die Schamröthe etc. sind zwar bekannte Thatsachen, aber in ihrem inneren Zusammenhange sehr dunkel. Die Personification der S. heißt griechisch Ädos. Das Gegentheil ist Schamlosigkeit, Unverschämtheit. Im gewöhnlichen Lebennennt man unverschämt oft den, welcher Anforderungen macht, auf deren Maßlosigkeit u. Zudringlichkeit hinzuweisen nicht erst nöthig sein sollte u. der vielleicht trotz dieser Hinweisung nicht davon abstebt. Die Personification der. Unverschämtheit, Anädia, hatte in Athen ein Heiligthum u. wurde verehrt, um ihrer Wirkung nicht ausgesetzt zu sein. 2) (Anat.), so v.w. Genitalien.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Scham — Scham: Das altgerm. Substantiv mhd. scham‹e›, scheme, ahd. scama, afries. skome, engl. shame, schwed. skam bedeutete ursprünglich »Beschämung, Schande«. Im Dt. hatte es zudem die besondere Bedeutung »Schamgefühl«. Später wurde es auch verhüllend… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Scham — steht für: allgemein das Schamgefühl in der gehobenen Umgangssprache die äußeren Geschlechtsorgane des Menschen, insbesondere beim weiblichen Geschlecht die Vulva traditionell die arabische Bezeichnung für Syrien, meist mit Artikel als Asch Scham …   Deutsch Wikipedia

  • Schâm — (arab. asch schâm), Syrien und die Hauptstadt dieses Landes, Damaskus, das jedoch zur Unterscheidung gern mit einem Beiwort versehen wird (arab. asch schâm al kebîre, »das große S.«, türk. schâm i scherîf, »das erhabene S.«). Die Bedeutung von S …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Scham — Sf std. (8. Jh.), mhd. scham(e), ahd. scama, as. skama Stammwort. Aus g. * skamō(n) f., auch in ae. sceamu, skome, afr. skame (gt. in skaman refl. sich schämen ; im Altnordischen hat die Entsprechung zu Schande und ihre Ableitungen die Bedeutung… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Scham — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Schamgefühl • Schande Bsp.: • Er kennt keine Scham und fühlt sich niemals schuldig …   Deutsch Wörterbuch

  • Scham [1] — Scham (Schamgefühl), das Unlustgefühl, das sich mit einem Vorgang oder einer Handlung verbindet, insofern durch diese die Achtung andrer vor uns wirklich oder vermeintlich (falsche S.) verringert wird. Die körperliche Wirkung der S. ist die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Scham [2] — Scham, weibliche, s. Scheide …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Scham — Scham, türk. asiat. Wilajet, s.v.w. Syrien …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Scham — Scham, die; …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Scham — 1. Besser Scham im Gesicht als Weh im Herzen. Holl.: Beter is de schaamte in de oogen, dan eene vlek in het hart. (Harrebomée, II, 236b.) It.: Colui, ch hà gettato via la vergogna, non la ripiglia mal più. – Meglio è vergogna in faccia, che dolor …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon