Silistria


Silistria

Silistria (Silistré), 1) Ejalet in der Europäischen Türkei, besteht aus demnordöstlichen Theil von Bulgarien, Rumelien u. der Dobrudscha, ein Landstrich von etwa 570 QM., ist von der Donau, dem Schwarzen Meere u. den Ausläufern des Balkan eingeschlossen, durch diese im südlichen Theile gebirgig, sonst mehr hügelig, im Norden der Babadagh; Vorgebirge: Cap Galata bei Varna, Cap Gulgrad od. Kalakria (nördlich davon), Cap Midia; in der Nähe der Donaumündungen undurchdringlich sumpfig, außerdem überall der vortrefflichste Boden mit üppiger Vegetation u. durch die Bulgaren gut bebaut, gleichsam die Kornkammer der Türkei, nur zwischen Schumla u. Varna schlecht bebaut; herrliche Wälder, aber ohne Aufsicht u. vielfach gemißhandelt. Flüsse: Donau, zahllose Inseln bildend (von denen eine Gruppe abwärts von der Stadt Silistria wegen ihrer Gestalt Balta [Beil] genannt wird) u. sich in drei Hauptarmen ins Schwarze Meer ergießend, von denen jedoch nur noch der mittlere, die Sulina, befahren werden kann, aber auch schon dem völligen Versanden nahe ist. Dann viele kleine Nebenflüsse der Donau, von denen der Lom (bei Rustschuk mündend) u. der Taban die beträchtlichsten sind; außerdem ins Schwarze Meer mündend der Kassimdschidere, Mangalia, Prawadi, Kamdschik u.a. Seen: der Ramsin an den Donaumündungen, der Dewnosce bei Varna u. einige kleinere in der Nähe des Balta. Klima ge[104] mäßigt, in den sumpfigen Gegenden ungesund; Producte: Pferde, Maulthiere, Esel, Büffel, Rinder, Schafe, Ziegen, Wildpret, Geflügel, Fische, Getreide (bes. Weizen), Hülsenfrüchte, Gemüse, Wasser- u. Zuckermelonen, Wein, Obst, Holz, Flachs, Hanf etc.; Eintheilung in zwei Liwa: Varna (s.d.) u. das bei Weitem größere 2) S.; Einwohner: Zahl unbekannt; Türken, Bulgaren (in der Überzahl), Griechen, Juden, Zigeuner u. Franken; 3) S., Hauptstadt darin u. eine der wichtigsten Festungen an der Donau; Sitz eines Müdirs (der Pascha residirt nicht hier, sondern in Rustschuk), hat außerhalb der Enceinte zwei schlecht gebaute Vorstädte, 12 Moscheen, eine unvollendete griechische Kirche, große Schlächterei, Schiffmühlen auf der Donau, Quarantäne, Agenzie der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, Handel, Schifffahrt, Fischerei, Ackerbau, Weinbau, Weberei, Landfuhrwerk; 23,000 Ew. (Türken, Bulgaren, Griechen, Juden). – S. ist das alte Dorostorus (s.d.). Hier schlugen 971 die Griechen unter Johann Zimiskes die Russen unter Swätoslaw; 1595 wurde S. von den Siebenbürgen erobert, 1603 von Radul Weyda überfallen u. in Brand gesteckt; 10. Juni 1773 von den Russen unter Romanzow angegriffen. 1810 von den Russen unter Langeron eingeschlossen u. den 11. Juni durch Capitulation genommen, s. Russisches Reich S. 534. 1828 vom 21. Juli bis 10. Nov. von den Russen erst unter Rath, dann unter Langeron u. Wittgenstein belagert u. bombardirt, s. ebd. S. 537. Im Mai 1829 wieder von den Russen eingeschlossen u. 30. Juni durch Capitulation übergeben; 11. Sept. 1830 von den Russen wieder geräumt. 1849 wurde S. zu einer Festung ersten Ranges erhoben u. 1853 durch 12 detachirte Forts verstärkt; vom 17. Mai bis 22. Juni 1854 wurde sie vergebens von den Russen belagert u. beschossen, s. Russisch-Türkischer Krieg S. 610 f.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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