Sonnensystem


Sonnensystem

Sonnensystem, 1) der Inbegriff mehrer Weltkörper, welche sich nach bestimmten Gesetzen um einen anderen Weltkörper als gemeinschaftliche, selbstleuchtende Sonne drehen. Jeder Fixstern mag eine solche Sonne sein. 2) Genauer bekannt ist nur unser S., zu welchem außer der Sonne die Planeten nebst ihren Trabanten u. die Kometen gehören. Die größere Nähe, in welcher sich die genannten Himmelskörper im Vergleich zu den unermeßlich weiten Fixsternen bei einander befinden, u. ihre gegenseitigen Bewegungen machen es unverkennbar, daß sie zu einem Ganzen gehören. Doch versteht man unter dem Wort S. auch die Art, wie man die Gesetze ihrer Bewegungen darzustellen u. zu erklären gesucht hat. In dieser Beziehung galt im Alterthume u. bis zum 16. Jahrh. das Ptolemäische u. das nur wenig davon abweichende Ägyptische S., nach welchem die Erde ruhte u. die Sonne so wie die Planeten sich in gewissen äußerst verwickelten Bahnen um sie bewegten. Erst Copernicus stellte die Hypothese auf, die Sonne sei der ruhende mittlere Körper u. die Erde bewege sich nebst den übrigen Planeten um sie (Copernicanisches System). Von Galilei wurde dieselbe unterstützt, allein Tycho de Brahe kehrte wieder zu einem, dem Ägyptischen ähnlichen System zurück. Während Copernicus noch an der Bewegung der Planeten in Kreisen festgehalten hatte u. die scheinbaren Unregelmäßigkeiten ihres Laufes ähnlich den Alten durch. vielfältige Epicykeln zu erklären suchte, entdeckte im Anfang des 17. Jahrh. Kepler die nach ihm benannten Gesetze der elliptischen Planetenbewegung, welche Newton am Ende des 17. Jahrh. auf das eine Gesetz der Gravitation od. Anziehung der Planeten durch die Sonne zurückführte; Copernicus war also der Begründer des gegenwärtigen S-s in philosophischer, Kepler u. Newton in physischer Hinsicht. Endlich ist durch Bradleys Entdeckung der Aberration dasselbe augenfällig bewiesen. Nach diesem bewegen sich in gewissen auf einander folgenden Abständen um die Sonne zunächst Mercur, dann Venus, die Erde mit einem Trabanten (dem Monde), Mars, dann in nahezu gleichen Abständen die Asteroiden (s.d.), von denen die vier zu Anfange unseres Jahrhunderts entdeckten Vesta, Juno, Ceres, Pallas heißen, deren Zahl aber seit 1846 bis über 70 gewachsen ist, dann Jupiter mit vier Trabanten, dann Saturn mit einem System mehrer in seiner Äquatorebene liegender Ringe u. mit acht Trabanten, dann Uranus mit acht Trabanten, endlich Neptun mit einem od. vielleicht zwei Trabanten. Jupiter, Saturn u. Uranus mit ihren Trabanten stellen jeder gleichsam ein S. im Kleinen dar, in welchem sich dieselben Gesetze wiederholen, die in dem großen unsere Erde einschließenden System gelten, u. welches also zur Veranschaulichung des letzteren beiträgt. Alle Planeten mit ihren Trabanten sind dunkle Körper u. empfangen ihr Licht von der Sonne. Alle drehen sich von Abend nach Morgen um ihre Achse u. haben Tag u. Nacht, wie unsere Erde. Alle erscheinen an den Polen abgeplattet, u. ihr größter Durchmesser fällt in ihren Äquator; alle gehen von Abend gegen Morgen in Ellipsen, die Trabanten um ihre Hauptplaneten, mit ihnen die Planeten um die Sonne, deren Mittelpunkt der eine Brennpunkt aller dieser Ellipsen ist. Dabei sind die Umdrehungsachsen gegen ihre Bahnen mehr od. weniger geneigt, so jedoch daß diese Neigung sich immer parallel bleibt. Somit haben alle den Wechsel der Jahreszeiten u. verschiedene Zonen, wie unsere Erde. Doch dieselbe allgemeine Schwere, welche alle Planeten um die Sonne führt, wirkt auch zwischen denselben gegenseitig u. erzeugt die Perturbationen, welche man in periodischen Ungleichheiten von kürzerer Dauer u. in Secularungleichheiten, welche Jahrhunderte u. Jahrtausende umfassen, eintheilt. Hierher gehören das Zurückweichen der Äquinoctialpunkte, das Vorwärtsgehen der Apsidenlinie, das Vergrößern u. Verkleinern der Excentricität, die Nutationen (s.d. a.) etc. Vorzüglich am Monde ist man bemüht alle Perturbationen einzeln u. genau aufzufinden. Von diesem lassen sie sich auf die übrigen Planeten u. Trabanten[289] übertragen. Viele Astronomen haben sich mit denselben beschäftigt, z.B. Euler, la Grange, Clairaut, vor allen Laplace, welcher alle diese anscheinend unregelmäßigen Bewegungen auf eine unveränderliche od. sich doch immer parallel bleibende Ebene zu beziehen lehrte u. darthat, wie sie alle doch nur ein beständiges, periodisches Schwanken um einen bestimmten mittlern Zustand bewirken. Die Kometen bewegen sich gleichfalls in Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht, allein während die Planetenbahnen durchgängig von sehr kleiner Excentricität, also Kreisen ähnlich sind, haben die Kometenbahnen immer eine große Excentricität, sind also langgestreckt, so daß die Kometen abwechselnd der Sonne sehr nahe u. sehr fern stehen; außerdem haben die Kometenbahnen häufig eine große Neigung gegen die Bahnen der Planeten, u. die Kometen bewegen sich in ihnen nicht durchgängig rechtläufig (von West nach Ost) wie die Planeten, sondern oft rückläufig. Auch in ihrer Beschaffenheit unterscheiden sie sich deutlich von den Planeten, indem ein glänzenderer Kopf bei ihnen von einem matteren oft schweifförmigen Nebel umgeben u. ihre Masse u. Dichtigkeit immer weit geringer als die der Planeten ist. Die Zahl der vorhandenen Kometen beträgt wahrscheinlich viele Tausende, von acht unter ihnen ist die Umlaufszeit genau bekannt. Außerdem gehört zum S. wahrscheinlich noch ein Ring sehr kleiner kosmischer Körper, welche die Sonne umkreisen u. bei Begegnung mit der Erde als Sternschnuppen sichtbar werden od. als Meteorsteine niederfallen. Auch der Sonne mit allen sie umkreisenden Körpern läßt sich eine sehr langsame, eigene Bewegung um eine Centralsonne od. um einen unbekannten Raum nicht absprechen. Sie scheint nämlich mit allen Sternen, welche wir bis zur Milchstraße verfolgen können, zu einem großen System von S-en, gewöhnlich das Milchstraßensystem genannt, zu gehören. Über alles Einzelne vgl. die besonderen Artikel.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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