Spiegelsextant


Spiegelsextant

Spiegelsextant, ein von Hadley 1740 erfundenes astronomisches Instrument zu Winkelmessungen, welches vorzüglich zur See gebraucht wird, weil man daselbst wegen des Schwankens des Schiffes nicht ein Werkzeug gebrauchen kann, bei welchem man durch ein, auf einem festen Stativ an einer Kreistheilung drehbares Fernrohr hinter einander die beiden Objecte anvisiren muß, deren Winkelabstand gemessen werden soll. Es besteht aus einem Fernrohre, vor welchem ein kleiner Spiegel angebracht ist, welcher das Objectivglas halb bedeckt, so daß man über den Spiegel weg nach Gegenständen sehen kann. Rechts von dem Fernrohre ist ein größerer Spiegel, welchen man so drehen kann, daß er einen Gegenstand auf den kleinen Spiegel reflectirt. Links vom Fernrohre ist ein Gradbogen von 60 Grad angebracht, auf welchem ein am größern Spiegel angebrachter Zeiger anzeigt, in welchem Winkel der große Spiegel zum kleinen Spiegel steht. Hält man nun die Ebne des Gradbogens senkrecht, visirt über den kleineren Spiegel hinweg nach dem Horizonte u. dreht den größeren so, daß das zweimal reflectirte Bild der Sonne mit dem Horizont zusammenfällt, u. beide Spiegel bilden einen Winkel von 35 Graden, so ist die Sonne 70 Grade über dem Seehorizonte. Ist nun bekannt, welche Mittagshöhe die Sonne gerade zu dieser Jahreszeit über dem Horizonte hat, so kann man leicht auch die Polhöhe des Schiffes berechnen. Gewöhnlich ist die Zahl der Grade schon auf der Kreistheilung mit 2 multiplicirt angegeben. Als HorizonT braucht man auf dem Meere mit vollkommener Genauigkeit die Linie, in welcher sich Wasser u. Luft begrenzen, u. bringt mit ihr das Spiegelbild des Gestirns zur Deckung. Auf dem Festlande stellt man sich erst einen künstlichen Horizont dar, nämlich eine mit Quecksilber gefüllte, durch dachförmige Gläser gegen den Luftzug geschützte Schale, od. ebne Glasplatten, welche durch die Wasserwage horizontal gestellt werden. Dann visirt man direct nach dem Spiegelbild des Gestirns in diesem künstlichen Horizont, dreht den beweglichen Spiegel, bis das doppelt reflectirte Bild des Sterns mit dem ersten zusammenfällt, u. findet so die doppelte Höhe des Sterns. Meyer in Göttingen brachte bei diesem Instrumente statt des Sextanten einen ganzen Kreis[547] an, wodurch kleine Fehler leicht entdeckt werden können; dieses Werkzeug heißt dann der Meyersche Spiegelkreis. Verbesserungen hat noch Borda an diesem Meyerschen Spiegelkreis angebracht, u. der nach ihm gebaute S. heißt Meyer-Bordaischer Spiegelkreis (Bordaischer Vollkreis). Ähnliche Werkzeuge, wo Winkelmessungen mit Hülfe der Spiegel vollbracht werden, heißen nach Verhältniß des dabei angewendeten Gradbogens Spiegeloctanten u. Spiegelquadranten. In neuester Zeit werden vorzügliche S-en von Pistor u. Martins in Berlin verfertigt. Vgl. Bohnenberger, Anleitung zu geographischen Ortsbestimmungen mittelst des S-en, Gött. 1795; Borda, Description et usage du verole de réflexion, Par. 1787.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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