Spinne


Spinne

Spinne, 1) (Aranea), nach Linné Gattung der ungeflügelten Insecten, kenntlich daran, daß sie meist acht Augen, acht Füße, am After Spinnwarzen, am Maule zwei Kieferhaken haben; bilden jetzt eine eigene Ordnung aus der Klasse der Spinnenthiere (s.d. u. Spinnen); 2) (Weberspinne, eigentliche S., Aranea), Gattung, genommen aus jener; bei den hierher gerechneten S-n sind die Kieferhaken nach innen umgeschlagen; 6–8 Augen in zwei od. vier Reihen, sechs Spinnwarzen; machen ein Gewebe u. sitzen auf demselben od. in dessen Nähe, auf Insecten lauernd. Ist abermals getheilt worden in die Untergattungen: a) Argyroneta (Wasserspinne), mit langer, hinten breiterer Brust, haarigem Bauche, zwei großen, zwei kleineren entfernteren, zwei solchen etwas genäherten u. noch zwei großen Augen in der vierten Reihe, im Wasser lebend; Art: A. aquatica, schwärzlichbraun, Unterleib schwarz; durch eine Luftblase um ihren Leib wird ihr der Aufenthalt im Wasser leicht, auch füllt sie ihr ins Wasser hängendes Netz, von der Form u. Größe eines halben Taubeneies, mit der Öffnung nach unten gekehrt, mit Luft u. spannt von hier ihre Fangfäden aus; b) Drassus (Spitzkopfspinne), hat acht fast gleiche Augen in zwei etwas gebogenen Reihen, vorn schmälere, hinten breitere Brust, haarigen, langeiförmigen, niedergedrückten Bauch, lange, starke Füße; bei Linné u. bei Goldfuß unter Aranea; Art: Lichtscheuer Drassus (Dr. lucifugus, Dr. melanogaster), in Frankreich u. m. a.; c) Clubiona (Sammetspinne), hat acht Augen, die äußeren Spinnwarzen fast gleich lang, großes Bruststück, gerade, ander Wurzel breite. Kinnladen, viereckige Lippen; laufen Nachts umher, machen ein dichtes Gespinnst in Mauerlöchern od. Blätterbüscheln; Arten: Sammetspinne (Cl. holoserica, Aranea h. L.), auf der Brust grünlich, am Bauche röthlich grau, haarig, in Gärten unter Baumrinden häufig; C. atrox, braun, oben mit langem, schwarzem, gelbrandige Flecke, in hohlen Wänden;[559] überspinnt den Fraß nicht, tödtet durch einen einzigen Biß; d) Micrommata u. e) S. (Aranea Latr., Tegenaria Walcken.), die äußeren Augen sind größer, die verlängerte Brust vorn erhaben, von gleicher Länge u. Breite wie der Hinterleib, das erste u. letzte Fußpaar sind die längsten; ihr Gewebe ist dicht, horizontal, das eigentliche Nest aber cylindrisch; Arten: Labyrinthspinne (s.d.); Fensterspinne (Hausspinne, Ar. domestica, Tegenaria dom.), groß, graubraun, mit schwärzlichem Leib, über den Rücken geht eine fleckige Längsbinde; die Hülle, worein sie ihre Eier spinnt, ist schneeweiß; A. civilis, A. agrestis, A. scopulorum u.a.; f) Segestria, mit nur sechs Augen; S. senoculata, Bruststück schwarzbraun, Hinterleib grünlich, mit einem Längsstreifen, dreieckigen, schwärzlichen Flecken, 4–5 Linien lang; häufig auf loser Baumrinde; g) Theridium, mit acht großen Augen in zwei Reihen, die zwei mittleren einander mehr genähert; Arten zahlreich; T. rubripes, Bruststück u. Beine roth, Hinterleib schwarz, 11/4 Linie lang, an Gewässern; T. bicolor, Bruststück u. Beine gelbbraun, Hinterleib schwärzlich, 21/2 Linien lang; in Wäldern; T. redimitum, T. vernale u.a.; h) Epeira, mit zwei großen genäherten, zwei entfernten, zwei noch entfernteren u. zwei noch mehr genäherten Augen, die beiden mittelsten Reihen dicht hintereinander; Arten: Kreuzspinne (E. diadema, Muttergottesthierchen), braunroth bis schwärzlich, Hinterleib mit weißen od. gelben Flecken, welche ein Kreuz bilden, Beine schwärzlich geringelt; Länge 6–8 Linien; in Gebäuden u. im Freien schöne radförmige Netze machend; Fensterkreuzspinne (E. calophylla), Hinterleib hell bräunlichgrau mit silbergrauem, schwarz eingefaßtem, blattförmig gezeichnetem Rückenflecke; Länge 4 Linien; E. angulata; i) Tetragnatha, mit acht gleichgroßen Augen in zwei Reihen; Arten: T. extensa, gelblichgrün, an den Seiten silberglänzend, oben mit schwarzer gefiederter Längslinie; Länge 7–9 Linien; diese Art spinnt ihr Gewebe über Stoppeln u. gibt die Veranlassung der Bildung des sogenannten Alten Weibersommers (s.d.); an schönen Herbsttagen sieht man die Jungen mit den Geweben in der Luft fliegen; T. obtextrix; 3) Art der Krebsgattung Doclea; 4) Art der Weichthiergattung Stachelschnecke.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Synonyme:

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