Strophe


Strophe

Strophe (v. gr.), 1) die Wendung; 2) der Tanz des Chors in der Orchestra; 3) in der lyrischen Poesie die Verbindung mehrer Verse zu einem metrischen Ganzen. Ursprünglich waren die Chorgesänge auf dem Theater S-n; sie theilten sich, wie der ganze Chor in zwei Theile getheilt war, in zwei Abtheilungen, von welchen den einen die von der Rechten nach der Linken sich bewegenden Choreuten absangen (S. im eigentlichen Sinne); den andern die von links nach rechts sich Bewegenden in demselben Zeitmaße (Gegenstrophe, Antistrophe), daher S. u. Antistrophe im Rhythmus u. Metrum gleich sein mußten. Beiden schloß sich ein für sich bestehender Theil an (Epodos, Epode, s.d.). War damit das Lied noch nicht beendigt, so begannen die S-n u. Gegenstrophen von Neuem. Diese Benennungen blieben auch in den Liedern, welche nicht von Mehren vorgetragen, sondern von Einzelnen zur Leier od. zur Flöte abgesungen wurden, wie in den Pindarischen Oden, wo man indeß auch statt S. u. Antistrophe die Ausdrücke Ode u. Antode brauchte. Übrigens bestehen auch andere lyrische Gedichte des Alterthums aus S-n, welche aber nicht von Epoden unterbrochen sind, sondern fortlaufen u. wo nicht jede S. mit ihrer Antistrophe neues Metrum hat, sondern wo dem Metrum der ersten S. das der übrigen gleich ist. In ihnen heißen die einzelnen Verse Kola (Strophenglieder), u. nach der Anzahl dieser Kola werden die S-n benannt; Verse gleicher Art, welche ein gleiches Metrum haben, galten zusammen nur als Ein Kolon. Hatte die S. nur zwei verschiedene Kola, so hieß sie Dikolon, z.B. das vierversige Sapphische Metrum (s.d.), hatte sie drei, so hieß sie Trikol on, z.B. das ebenfalls vierversige Alkäische Metrum (s.d.). Auch die deutsche zum Gesang bestimmte Poesie der Minnesänger des Mittelalters bewegt sich in S-n (Gesetzen), u. zwar die Volkspoesie in der sogenannten vierzeiligen Nibelungenstrophe (s.u. Nibelung S. 873), theils in dem sogenannten dreizehnzeiligen Berner Ton (weil mehre Sagen von Dietrich von Bern in derselben gedichtet sind); für die Kunstpoesie gilt der dreitheilige Strophenbau, wo auf zwei gleiche Theile der S-n (Stollen) ein dritter als Abschluß (Abgesang) folgt; die Zahl u. Länge der Zeilen sowie die Ordnung der Reime sind sehr verschieden, so daß in dem Meistergesang, welcher den dreitheiligen Strophenbau beibehielt, die S. bis 100 Reime hatte. In den neueren Literaturen hat man die strophischen Gedichte in antiker Form nachgeahmt, z.B. im Deutschen; zum Theil hat man andere an ihre Stelle gesetzt, wie die provençalischen, italienischen, spanischen S-n, z.B. im Sonett, in den Canzonen etc. Nicht nur in Oden u. Liedern bei immer wiederkehrender Melodie, sondern auch bei größeren Gedichten, welche nicht zum Gesang bestimmt sind, findet man die S. gebraucht. Die Verse lassen sich hierbei sehr mannigfaltig mischen, doch muß die Melodie dem Inhalte angemessen sein; auch muß jede S. in gereimten Gedichten hinsichtlich der Gedanken ein Ganzes für sich ausmachen, was in den antiken nicht nöthig ist.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • STROPHE — Originellement liée à la tragédie grecque dont elle désigne un moment, la strophe est un ensemble de vers reliés entre eux selon un schéma rythmique préétabli et/ou selon un système de rimes. Elle est encadrée par des lignes de blancs ou des… …   Encyclopédie Universelle

  • Strophe — (Greek , turn, bend, twist , see also phrase) is a concept in versification which properly means a turn, as from one foot to another, or from one side of a chorus to the other. A strophe is also the part of the ode that the chorus chants as it… …   Wikipedia

  • Strophe — Sf std. (17. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. stropha, strophē, dieses aus gr. strophḗ, eigentlich Drehung, Wendung , zu gr. stréphein drehen, wenden . So bezeichnet nach der Wendung, die der Chor beim Vortragen von Liedern vollführte, um den… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Strophe — »mehrere zu einer rhythmischen Einheit zusammengeschlossene Verse; Gedicht , Liedabschnitt«: Das Fremdwort ist eine Entlehnung des 17. Jh.s aus gleichbed. lat. stropha, das seinerseits aus griech. strophē̓ übernommen ist. Das griech. Substantiv… …   Das Herkunftswörterbuch

  • strophe — (n.) c.1600, from Gk. strophe stanza, originally a turning, in reference to the section of an ode sung by the chorus while turning in one direction, from strephein to turn, from PIE *strebh to wind, turn (Cf. Gk. strophaligs whirl, whirlwind,… …   Etymology dictionary

  • strophe — STROPHE. s. f. Couplet d une Ode. Couplet de cette sorte de poësie, qu on appelle Stances, Il y a de fort belles strophes dans ces Stances. la seconde strophe de cette Ode est la plus belle de toutes …   Dictionnaire de l'Académie française

  • strophe — [strō′fē] n. [Gr strophē, lit., a turning, twist < strephein, to turn < IE * strebh < base * (s)ter , rigid, taut > STARE] 1. in the ancient Greek theater, a) the movement of the chorus in turning from right to left of the stage: cf.… …   English World dictionary

  • Strophe — Stro phe, n.; pl. {Strophes}. [NL., from Gr. ?, fr. ? to twist, to turn; perh. akin to E. strap.] In Greek choruses and dances, the movement of the chorus while turning from the right to the left of the orchestra; hence, the strain, or part of… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Strophe — (griech.) ist ursprünglich in der griechischen Chorlyrik der Tanz des einen Teiles des Chores mit dem dabei gesungenen Lied; ihr entsprach genau die Antistrophe (Gegenstrophe), der Tanz und Gesang des andern Teiles, während die sich daran… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Strophe — (grch.), ein aus mehrern Verszeilen bestehender, rhythmisch gegliederter und regelmäßig wiederkehrender Abschnitt eines Gedichts. In den altgriech. Gesängen folgte auf eine S. eine dieser genau entsprechende Anti oder Gegen S …   Kleines Konversations-Lexikon