Talg


Talg

Talg, 1) (Unschlitt, Sevum), die bei gewöhnlicher Temperatur festen thierischen Fette, wie sie bes. vom Rind, Schöps, Hirsch u.a. gewonnen werden; sie enthalten mehr Stearin als die Butter- u. Schmalzarten. Der T. dient zur Bereitung von Seifen, zur Beleuchtung, zur Darstellung von Stearinsäure, als Nahrungsmittel u. in der Pharmacie. Der T. ist ein bedeutender Handelsartikel, vorzüglich kommt der etwas gelbliche Rindstalg u. der schön weiße Hammel- od. Schöpstalg in den Handel. Den meisten liefern Rußland, Polen, Norwegen, Dänemark, Ungarn, die Moldau u. Walachei, Holland, Irland u. Amerika. Er wird als Talgboden verkauft, wenn er in einer hölzernen runden Form (Talgscheibe) ausgeschmolzen ist; ist diese Scheibe sehr dick od. fest, wie ein Klumpen, so heißt sie Talgbrod. Er wird in einem großen kupfernen Kessel mit breitem Rande geschmolzen u. dann in ein großes hölzernes Faß gegossen, damit sich die darin befindliche Unreinigkeit setze; nahe an dem Boden ist das Faß mit einem Hahne versehen, um den T. durch denselben ablassen zu können. Man preßt ihn auch mit großen Schraubenpressen od. hydraulischen Pressen aus den Grieben rein aus. Im Handel unterscheidet man auch den besseren Lichtertalg u. den geringeren Seifentalg. Der schlechteste ist der Bodentalg, der Bodensatz des geschmolzenen T-es; Kübeltag ist der weiße russische T., welcher in Kübeln (Kisten) verschickt wird; Morcheltalg, in Stücken, welche den Morcheln ähnlich sehen, besteht aus ausgeschmolzenen Grieben; Syraz, in brodähnlichen Klumpen, u. Schaläsnoe, sind schlechte, übelriechende T-e. Auch ein Pflanzentalg kommt vor, welcher aus der Frucht der Valeria indica gewonnen, in Indien von den Eingeborenen zu Pflastern u. zum Kalfatern der Böte benutzt wird, aber auch zur Bereitung sehr hellbrennender Kerzen dient. 2) T. der Eichel, Littresche Drüsen, s.u. Littre. 3) T. der Schamlippen (Glandulae sebaceae pudendorum muliebrium), unter der Haut der äußeren u. inneren Schamlippen gelegen, enthält einen eigenthümlich riechenden Schleim absondernde Drüsen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Talg — (lat. Sebum, auch Unschlitt oder Inselt) ist aus geschlachteten Wiederkäuern gewonnenes festes Körperfett. Es handelt sich um eine feste, gelblich weiße Masse, die hauptsächlich gesättigte Fettsäuren mit gerader Anzahl von Kohlenstoff Atomen… …   Deutsch Wikipedia

  • Talg [1] — Talg (Unschlitt, Inselt), bei gewöhnlicher Temperatur feste Fette, die von verschiedenen Wiederkäuern gewonnen werden und aus Stearin, Palmitin und Olein in wechselnder Zusammensetzung bestehen. Schmelzpunkt des Hammeltalgs bei 46–47° C,… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Talg — Talg: Das im 16. Jh. aus dem Niederd. ins Hochd. übernommene Wort geht zurück auf mnd. talch, das mit gleichbed. niederl. talk, engl. tallow, schwed. talg verwandt ist. Diese Wörter stehen vielleicht im Ablaut zu got. tulgus »fest«, sodass »Talg« …   Das Herkunftswörterbuch

  • Talg [2] — Talg, vegetabilischer (Japan , Sumachwachs, Cera japonica) wird aus dem Fruchtfleisch japanischer Sumacharten, vorzugsweise Rhus succedanea L., gewonnen. Das zerstampfte Fruchtfleisch wird in Hanfsäcken erhitzt und ausgepreßt. Das ausfließende… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Talg — Sm erw. fach. (16. Jh.) Stammwort. Übernommen aus dem Niederdeutschen: mndd. talch, mndl. talch, entsprechend me. talgh, anord. ablautend tolg f. Ae. telg, tælg ist als Farbe, Beize überliefert, was sich vielleicht aus Plinius (Naturalis historia …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Talg — (Unschlitt, Inselt), das Fett der Rinder, Schafe, Ziegen, Hirsche, ist farblos, riecht schwach eigentümlich, ist härter bei Trockenfütterung, im warmen Klima und bei männlichen Tieren, und am weichsten bei Fütterung mit den Abfällen der Brauerei… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Talg [3] — Talg, vegetabilischer, s. Pflanzentalg …   Lexikon der gesamten Technik

  • Talg — Talg, Unschlitt, Inselt, das tierische Fett, bes. von Rindern und Schafen, wird für den Handel bei 60 65° mit Dampf ausgeschmolzen. Durch Auspressen bei 35° gewinnt man Preßtalg für die Kerzenfabrikation und Oleomargarin für die… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Talg — Talg, Unschlitt, thierisches Fett, das besonders bei den Pflanzenfressern um die Gedärme und Nieren liegt, aus Stearin, Margarin u. Elain bestehend, zu Lichtern u. Seifen benutzt …   Herders Conversations-Lexikon

  • talg — sb., en (fedt, sekret) …   Dansk ordbog