Theben [1]


Theben [1]

Theben (Thebe, Thebä, später Diospolis, bei den Hebräern No-Ammon), alte Haupt- u. Residenzstadt Ägyptens u. Sitz des Amuncultus in Oberägypten, lag zu beiden Seiten des Nils in einer Ebene; sie war die Residenz der Könige aus der nach ihr genannten Thebaischen Dynastie (s.u. Ägypten S. 208 f.), die größte u. reichste Stadt Ägyptens, als welche sie schon Homer kannte u. sie die hundertpfortige (Hekatompylos Thebe) nennt. Hier war das berühmte Memnonium mit den Memnonssäulen (s.u. Memnon 2), der prächtige Amuntempel u. die großartigen Königsgräber. In der Umgegend wuchsen Zauberkräuter, deren Kraft die Weiber kannten, u. selbst Helena soll ihr Zauberkraut, welches die Traurigkeit vertrieb (Nepenthes), aus Ägypten, u. zwar aus Th., mitgebracht haben. Th., welches für die älteste Stadt der Erde galt u. deren Bewohner sich für die ältesten Menschen hielten, sollte von Osiris, nach And. von Busiris gegründet sein; nach der Erzählung der Äthiopier war sie von Meroe aus angelegt als Handelsniederlassung u. Karavanenplatz für die nach Süden u. Asien Reisenden. Th. blühete auch zur Zeit der Hyksos fort, welche mit den Königen in harten Kämpfen lagen, die Stadt aber nicht eroberten. Erst dann fing sie an zu sinken, als Niederägypten cultivirt wurde, die Residenz nach Memphis verlegt wurde, hier andere Priestercollegien entstanden u. auch der Handel dahin seine Wendung nahm; Kambyses eroberte Th., vernichtete die heiligen Gebäude u. ließ die Kostbarkeiten nach Persien schaffen; nur die Tempelwände blieben stehen, die Häuser verfielen später von selbst. Auch die Ptolemäer richteten ihr Augenmerk bes. auf Alexandria u. überließen Th. seinem Schicksal; endlich vollendeten noch die Römer, welche den Cornelius Gallus gegen Th. schickten, da es den aufgelegten Tribut verweigerte, seinen Sturz. Zu Strabos Zeiten hatte Th. noch 2 geographische Meilen im Durchschnitt von Süden nach Norden; man sah noch mehre Tempel, das Memnonium u. die Königsgräber, u. so sind die Ruinen Th-s noch heute, wo auf der großen, mit Ruinen angefüllten Ebene die Dörfer Luksor, Karnak, Gurnn u. Medinet-Abu stehen. Die Ruinen in Medinet-Abu sind ein Königspalast, nordwestlich von demselben ein Tempel u. das Feld der Kolosse, unter ihnen die Memnonssäulen, nördlich davon das Memnonium u. das Grabmal u. der Palast des Osymandyas, nördlich davon ein Tempel der Isis u. die Ruinen von 100 Sphinxen. Bei Gurnu (Kurnu) liegen die Trümmern eines Palastes. In der libyschen Bergkette von Medinet-Abu bis Gurnu ist auf einer Strecke von 1 geographischen Meile die Nekropolis mit Grabhöhlen, die mit Sculpturen geschmückt sind, welche Scenen des geselligen u. häuslichen Lebens darstellen. In ihnen hat man außer Mumien viel Papyrosrollen u. Backsteine mit Hieroglyphen gefunden. Die berühmtesten unter denselben sind die Königsgräber an dem Theil des Nilthales, welches jetzt Beban el Maluk heißt. Ursprünglich waren deren 47, Strabo kannte noch 40, in neuerer Zeit noch 12. Sie zeichnen sich vor den anderen durch Größe u. reiche Verzierungen aus, indem sie von 50–300 Fuß tief sind; jede bildet eine Reihe von Gallerien, Kammern u. Sälen, in dem tief im Innern gelegenen Hauptsaale steht auf einer Erhöhung der Sarkophag des Königs. Die größte dieser Grotten heißt die Harfengrotte (weil zwei Harfenspieler darin abgebildet sind). In den Nebenkammern werden Mumien gefunden, wahrscheinlich von Personen, welche dem Könige im Leben nahe standen. Die meisten Sarkophage sind jetzt für Kunstsammlungen Europas geplündert. Belzoni machte diese Gräber zuerst bekannt. Auf der Ostseite des Nils sind die Ruinen von Luksor, zum Theil von dem Dorfe Luksor bedeckt; hier bes. der von Amenophis III. u. Ramses II. erbaute Tempel mit den beiden Obelisken vor demselben, von denen der eine 1831 nach Paris geschafft wurde. Nördlich von diesen liegen die Ruinen von Karnak; zuerst ein großer Palast, das großartigste von allen bekannten ägyptischen Bauwerken; südlich davon ein großer Tempel, einer der ältesten u. am besten erhaltenen; ihm gegenüber steht ein kleinerer, vielleicht später gebauter. Von dem nördlichen Eingang des Palastes in Luksor bis zu dem großen Thore des Haupttempels in Karnak ist eine Entfernung von 1026 Toisen u. zwischen ihnen führte eine Allee von Sphinxen. Andere Ruinen ziehen sich zum Dorfe Med-Amuth, welches am Nordende des alten Th. steht. Vgl. Cailleand, Voyage à l'oasis de Thèbes, Par. 1821; Wilkinson, Topography of Thebes, Lond. 1835.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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