Mistbeet


Mistbeet

Mistbeet (Frühbeet, Treibbeet), Vorrichtung Gemüsepflanzen u. Fruchtgemüse durch künstliche Erwärmung der Erde u. der Luft in kürzerer Zeit u. früherer Jahreszeit als im freien Lande zu[322] erzielen. Solche M-e heißen warme M-e. Eine andere Art von M-en, kühle od. kalte, dient zur Aussaat für Samen, zur Zucht früher Pflanzen, zum Überwintern harter Topfgewächse u. dergl. Diese sind entweder schon zum Treiben benutzt worden u. haben ihre Wärme verloren od. werden von Stoffen angelegt, die keine Wärme entwickeln, z.B. von ausgegohrenem Pferdemist, ausgegohrenem Laub, Sägespänen, Gerberlohe. Jedes M. muß an einem sonnenreichen, gegen rauhe Winde geschützten Orte angelegt werden. Die Erwärmung von Boden u. Luft wird durch frischen Pferdemist bewirkt. Je früher ein warmes M. angelegt wird, desto größer ist die Menge des zu verwendenden Mistes. Spätere Anlagen können aus einem Gemenge von Pferdemist u. Laub od. Sägespänen bestehen. Je nach der frühern od. spätern Anlage erhält die Düngerlage eine Höhe von 3–1 (Fuß. Man gräbt eine 1–1 (Fuß tiefe Grube aus, setzt den Mist in einem viereckigen Haufen von der Breite der Grube auf, legt den Mistbeetkasten, welcher hinten höher als vorn ist, darüber, tritt den Mist fest u. bedeckt den Kasten mit Läden u. Fenstern. Sobald die stärkste Hitze vorüber ist, bringt man 1/43/4 Fuß hoch Mistbeeterde auf u. pflanzt od. säet; fängt das M. an zu erkalten, so schlägt man außerhalb um den Kasten frischen Mist, den man so oft erneuert, als das M. erkalten will. Bei mäßig kaltem od. gelindem Wetter erhalten die M-e mit selbst der eingekerbten Lufthölzer Luft; bei Sonnenschein nimmt man die Läden u. Strohdecken u. bei einem sanften u. warmen Regen auch die Fenster weg. Sind Schloßen od. starker Regen zu befürchten, so werden Läden u. Strohdecken wieder aufgelegt. Je wärmer das Wetter wird u. je weiter man ins Jahr kommt, desto mehr muß man die Pflanzen an die freie Luft gewöhnen, bis man zuletzt die Fenster am Tage ganz abnimmt u. sie nur des Nachts wieder auflegt. Die Erde muß stets mäßig feucht gehalten werden u. darf nie so weit austrocknen, daß das Wasser beim Begießen, statt einzuziehen, von der Oberfläche abläuft.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Mistbeet — Mịst|beet 〈n. 11〉 mit niedrigem Holzrahmen umgebenes, mit Glasfenstern bedecktes Beet, dessen Erdreich mit Pferdemist vermengt ist, für junge Pflanzen, Frühbeet * * * Mịst|beet, das: Frühbeet mit einer Lage [Pferde]mist, der bei der Zersetzung… …   Universal-Lexikon

  • Mistbeet — Messbedd (et) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Mistbeet — Mịst|beet …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Mistbeet — 1. Auf solchem Mistbeete wachsen nur Saublumen. *2. He öss e omgedreites Möstbrett. – Frischbier2, 2637 …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Mistbeet, das — Das Mistbeet, des es, plur. die e, in den Gärten, eine viereckige, ablange, an den Seiten ausgefüllte, und mit Mist und guter Erde angefüllte Grube, zarte und frühe Gewächse darauf zu zeugen; das Treibebeet. Ein kaltes oder blindes Mistbeet, wo… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Gurke — Gurke, 1) das Pflanzengeschlecht Cucumis s.d.; 2) bes. Gemeine G. (Cucumis sativus), einjährige Pflanze, mit blaßgelben, in den Winkeln der Blätter hervorbrechenden Blüthen u. cylinderartiger Frucht, Küchen G., welche in den meisten Gegenden… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mistbeetkultur — Mistbeetkultur, Anzucht von Zier , Gemüse und Fruchtpflanzen, bis zur vollen Entwickelung oder spätern Auspflanzung ins Freie unter Fenstern in durch fermentierende Stoffe (Mist, Wollabfälle, Laub, Lohe etc.) erwärmten Kasten (Mistbeet, Lohbeet) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Frühbeet — Ein selbst gebautes Frühbeet Mit Frühbeet oder auch Mistbeet beschreibt man eine flache, mit Glas bedeckte Kulturfläche, die meist für Anzuchten von Jungpflanzen genutzt wird. Es ist an seiner höchsten Seite nicht höher als 1 m und zu einer… …   Deutsch Wikipedia

  • Batāten — Batāten, Wurzeln der Batatenwinde (Convolvulus Batatas L., Batatas edulis), ein in Südamerika einheimisches, jetzt aber in allen heißen u. wärmeren Gegenden angepflanztes Windengewächs mit einer faserigen Wurzel, welche mehrere hängende… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Camellĭa — (C. L.), Pflanzengattung aus der Familie der Ternstroemiaceae Camellieae, Monadelphia Polyandria L., nach dem Jesuiten G. J. Kamel (s.d.) benannt, mit fünfblätterigem Kelche u. mehreren dachziegelartigen Deckblättern, abfallenden, 5 unten… …   Pierer's Universal-Lexikon