Tobolsk

Tobolsk

Tobolsk, 1) russisches Gouvernement in dem Generalgouvernement Westsibirien; hat mit der dazu gehörigen Provinz Omsk 27,028 QM. mit 834,281 Ew., u. einschließlich des Tobolskischen Infanteriebataillons mit 3623, des Tobolskischen Cavallerieregiments mit 2461 u. der Sibirischen Linienkosacken nebst reitender Artillerie mit 31,903 Mann, insgesammt 872,268 Ew.; grenzt an das nördliche Eismeer, an Tomsk, Kirgisensteppe, Orenburg, Perm, Wologda, Archangel; ist sehr kalt, großentheils Wüste u. der Cultur nicht zugänglich (Arktische Steppen, bes. Wagaische, Ischimsche u. Isetische), zum Theil dichter Wald, zum Theil auch angebaut. Gebirge: Ural; Flüsse: Ob (mit dem Wach, Irtisch, der Soswa u.a.), Olenei, Tilowka, Suega etc.; mehre Seen (Kunawal, Uganskoe Osero) auf der nordwestlichen Spitze; an der Küste sind das Karische Meer, der Obische Meerbusen u. die Tasowskaja Guba (gebildet durch die Tasa), einige Inseln u. das Vorgebirge Olenei. Klima: kalt, jedoch durch die oft ruhige Luft nicht so auffallend; doch wüthen auch bisweilen heftige Stürme. In Tobolsk selbst beträgt die Temperatur im Jahresmittel + 0,3° R., im Frühling + 0,2°, Sommer + 14,1°, Herbst + 0,3°, im Winter – 13,5°. Beschäftigung: in den südlichen Theilen wird Ackerbau getrieben (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Buchweizen, Hanf, Lein), welcher sich in neuerer Zeit sehr gehoben hat; Gartencultur ist sehr gering, Obst gedeiht nicht, doch einiges Gemüse; die Viehzucht ist in einigen Gegenden nicht ganz unbedeutend u. bringt Pferde, Rindvieh, Schafe, etwas Federvieh, in den nördlichen Theilen Rennthiere u. Hunde. Die Wälder sind an einigen Orten gut bestanden, anderwärts wächst nur Gestrüpp, fast überall finden sich Waldbeeren im Überfluß. Jagd sehr bedeutend (Bären, Wölfe, Zobel, Wiesel, Vielfraße, Luchse, wilde Katzen, Biber, Fischottern); ferner Speisewild, viel Geflügel (wilde Gänse, Feldhühner), auch Seethiere (Robben, Bobaks); die Fischerei (auf Hausen u. Sterlete) ist gewinnreich. Mineralien: Sumpfeisen, viel Edelsteine. Man hat auch einige Fabriken in Leder, Seife u. Branntwein; ansehnlicher jedoch ist der Handel mit Pelz u. Talg, auch der Transito. Die Einw. sind Russen, Tataren (Turalinzen, Barabinzen, Bucharen), Juraken, Wogulen, Samojeden, Ostjäken; meist der Griechischen Kirche zugethan, übrigens einer höhern Cultur ganz entbehrend. T. war sonst als Landschaft Sibiriens angesehen; 1781 in T. u. Tomsk getheilt. 1799 wurde Kolywan als eigne Statthalterschaft aufgestellt, aber 1806 zu T. gethan. 1822 wurden bei der neuen Eintheilung Sibiriens T. u. Tomsk als Statthalterschaften, Omsk aber als Provinz von Westsibirien eingerichtet. Gegenwärtig ist Omsk wieder mit T. vereinigt u. die ganze Statthalterschaft T. zerfällt nunmehr in neun Kreise: Tobolsk, Beresow, Ischim, Jalutorowsk, Kurgan, Omsk, Tara, Tjumen u. Turinsk. Wappen: auf blauem Felde eine goldene Pyramide, mit Fahnen, Trommeln u. Hellebarten umgeben. 2) Kreis hier, in ganz Sibirien am besten angebaut; 88,712 Ew. 3) 1587 erbaute Hauptstadt der Statthalterschaft u. des Kreises, am Tobol u. Irtisch; Sitz der obersten Behörden, des Generalgouverneurs von Westsibirien u. eines griechischen Erzbischofs; alte Festung, 30 Kirchen, Seminar, Arsenal, Arbeitshaus, Gymnasium, Buchdruckerei, Gerbereien, Seifensiedereien, Handel (bes. mit Pelzwerk, dessen Hauptniederlage hier ist, bes. dessen, was als Tribut der Krone gegeben wird); 16,270 Ew., darunter viele (3000) Verwiesene. Hier Denkmal des Eroberers von Sibirien, Jermak.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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