Traubenfäule


Traubenfäule

Traubenfäule, eine erst in neuester Zeit aufgetauchte Krankheit des Weinstocks u. der Weintraube. Tucker beobachtete sie zuerst 1845 in England an den jungen Schossen u. Blättern des Weinstocks wie ein weißes Mehl; später breitete sie sich auch auf die Blüthenstände u. auf die Frucht aus, machte letztere schwellen, ertheilte ihr einen sehr unangenehmen Geschmack u. verdarb sie endlich. Dieser Verwüster ist ein parasitischer Schimmel, Oidium Tuckeri, welcher mit seinem verzweigten Mycetium sich durch die Zellen hinzieht u. dann mit einfachen, am Ende keulenförmigen, gegliederten Fäden aus den Stammecken hervorbricht. Diese Fäden verdicken die Stammenden, es lösen sich 1–3 ovale od. längliche Sporen, diese sterben bald ab u. zeigen später noch eine mittlere Scheidewand. Dieser Schmarotzerpilz ist überaus fruchtbar u. verbreitungsfähig, indem ein Luftzug eine Anzahl der kaum 1/100 Linie großen, losen Keimkörner entführt. Nach Sauter bedeckt dieser Pilz die Oberhaut nur oberflächlich u. dringt nicht in das Gewebe der Pflanzen ein, er zersetzt die Säfte der oberflächlichen Zellen u. beeinträchtigt deren Wachsthum. Anfangs zeigt sich an der noch grün gefärbten Rinde der diesjährigen Zweige eine schwache Trübung der grünen Farbe, zu welcher Zeit der Pilz nur bei ziemlicher Vergrößerung zu sehen ist. Er zeigt spinnenwebenähnliche Fäden, welche auf der Oberfläche der Oberhaut ein unregelmäßiges Geflechte bilden. Ist das Übel weiter fortgeschritten, so werden die früher kaum 1 Linie breiten Flecke größer, fließen zusammen u. bekommen in Folge des Absterbens der oberflächlichen Zellen eine chocoladenbraune Farbe. Das junge Rebholz verdorrt in Folge des Wach sthums des Pilzes gewöhnlich von den jüngsten obersten Trieben an seitwärts, wobei häufig der untere Theil der Rebe noch frisch grün ist, während der obere Theil abgestorben erscheint. Ein Rebstock, welcher von der Krankheit ergriffen ist, besamt seine Umgebung so rasch, daß bei günstiger Witterung in wenigen Tagen ein ganzer Weinberg erkrankt ist. Sind die Beeren erst zur Hälfte ausgewachsen, so wird die getödtete trockne Oberhaut von dem sich noch ausdehnenden Fleische zersprengt; die Beere trocknet aus, bleibt klein od. fault; war sie aber schon ausgewachsen, als der Pilz erschien, so schadet derselbe nicht mehr. Dieser Pilz verbreitete sich 1847 in England, 1850 nach Frankreich, 1851 durch die südliche Schweiz, Tyrol u. Italien bis Neapel u. zu beiden Seiten hin nach der Pyrenäischen Halbinsel, wo bes. die Baskischen Provinzen sehr litten, u. nach Griechenland, wo bes. die Korinthenernten sehr durch die T. beeinträchtigt worden sind, u. ist eine Landplage für fast alle weinbauenden Gegenden geworden u. um so mehr zu fürchten, als sich bisher keins der dagegen empfohlenen zahlreichen Mittel bewährt hat. Am erfolgreichsten ist es noch, wenn die Reben so niedrig als möglich gezogen werden u. wenn man den Weinstock, sobald die Krankheit eingetreten ist, mit gepulverter Schwefelblüthe bestäubt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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