Tula [1]


Tula [1]

Tula, 1) Gouvernement im europäischen Rußland, grenzt an die Statthalterschaften Kaluga, Moskwa, Riäsan u. Tambow; 557,12 QM. flachhügeliges Land, bewässert von der Oka (mit der Ostra, Plawa u. Upa), dem Don (mit der Metscha), mildes Klima; sehr gesund u. fruchtbar. Die 1,172,000 Ew., meist Russen, mit einigen Ansiedlern untermischt, treiben Ackerbau auf Hülsenfrüchte, bes. viel Hanf u. Lein u. Ölgewächse; Gartenbau, etwas Obstbau, wenig Viehzucht, etwas Bienenzucht, wenig Holz; Industrie: Eisenfabrikation, Leinen- u. Tuchweberei u. Abrichtung von Singvögeln; Handel, bes. von Bielew u. Tnla, bedeutend. T. gehörte früher zum Gouvernement Moskwa, wurde aber 1777 abgesondert. Es hat jetzt einen Kriegsgouverneur, welcher auch das Gouvernement Kaluga verwaltet, u. einen Bischof, welcher den Titel Bischof von T. u. Bielew führt. Beide, wie auch ein Civilgouverneur, residiren in der Hauptstadt T. Wappen: in rothem Felde ein silberner Flintenlauf auf zwei kreuzweisen silbernen Degenklingen, oben u. unten ein goldener Hammer; Eintheilung: in zwölf Kreise; 2) Kreis hier; 113,400 Ew.; vortrefflich angebaut, bes. in der Nähe der Hauptstadt; 3) Hauptstadt beider, am Einfluß der Tuliza in die Upa; hat 28 Kirchen, einige Klöster, Gymnasium, geistliches Seminar, adeliges Erziehungsinstitut, Armenhäuser, Zucht-, Arbeits-, Findelhaus, Theater, kaiserliche Gewehrfabrik (seit 1712 bestehend), 7000 Menschen beschäftigend u. jährlich bis 70,000 Gewehre u. treffliche Eisen- u. Stahlwaaren liefernd, Zeughaus mit Waffen für 100,000 Mann, Fabriken in Eisen, Weißkupfer od. einer anderen Composition (s. Tulametall). Leder, Talg, Siegellack, Handschuhen, Hüten, Pomaden, Parfümerien, künstlichen Blumen, wollenen Zeugen etc., Brauereien, Handel mit diesen Producten, Getreide u. Hanf, versendet jährlich an 5000 Fäßchen Pfeffergurken nach Moskau; 58,000 Ew. – T. kommt zuerst 1150 in Chroniken vor; im 13. Jahrh. gehörte es zu dem Fürstenthum Riäsan, zu Ende des 14. Jahrh. kam es unter die Tataren u. erst später ging es an Moskau über. 1514 wurde es ummauert; 1607 hielt sich hier der falsche Peter (Kosack Ileika) gegen den Czar Wasilij Schuiski, bis dieser die Stadt durch die gedämmte Upa unter Wasser setzte. 1712 wurde der Grund zu der Gewehrfabrik gelegt; es verlor am 11. Juli 1834 2000 Häuser durch den Brand, wurde aber darnach schöner aufgebaut. 4) Rio T. (Rio Montezuma), Fluß in der nordamerikanischen Föderativrepublik Mexico, entspringt im Particularstaat Mexico, bildet im unteren Lauf die [925] Grenze zwischen Queretaro u. Veracruz u. vereinigt sich mit dem Panuco, wodurch der Tampico entsteht; 5) District im Particularstaat Mexico; 6) Hauptstadt darin, am Rio T., 6580 Fuß über dem Meer gelegen; Franciscanerkloster; T. ist das alte Tollan, die im 7. Jahrh. gegründete Hauptstadt der Tolteken, die älteste Stadt im Anahuac; 7) San Antonio de T., Stadt im mexicanischen Staate San Luis Potosi, 3632 Fuß über dem Meer, am nordöstlichen Ende der Hochebene von Potosi gelegen, großentheils von Chichimeken bewohnt; Pferdezucht.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • TULA — En aztèque Tollan , «lieu de roseaux» (d’où le nom de Toltèques désignant ses habitants), Tula a été fondée vers 800, à environ 80 kilomètres au nord est de Mexico, par des immigrants venus du nord ouest du Mexique. Les édifices datent de 900 950 …   Encyclopédie Universelle

  • Tula — (del náhuatl Tollan , lugar de tules, también conocido como Tollan Xicocotitla) es una ciudad arqueológica ubicada en el estado de Hidalgo, México, a 70 kilómetros de la capital. * * * Centro arqueológico del valle de México, en el municipio de… …   Enciclopedia Universal

  • Tula — Tula. Im großrussischen Gouvernement Tula, in einem freundlichen, von anmuthigen Hügelketten ringsbekränzten Thale an der Upa, da, wo sie sich in die Tuliza mündet, liegt die Gouvernementshauptstadt gl. N., welche zu den größten und wichtigsten… …   Damen Conversations Lexikon

  • tulă — túlă, túle, s.f. (reg.) cărămidă groasă, nearsă; chirpici. Trimis de blaurb, 16.03.2007. Sursa: DAR  túlă ( le), s.f. – Cărămidă, chirpici, pentru a căptuşi cuptoarele. – var. tuvlà. Mr. tuvlă. ngr. τούβλο (Scriban), cf. tc. tuvla …   Dicționar Român

  • Tula [2] — Tula (T. Adans.), Pflanzengattung aus der Familie der Rubiaceae Cinchonaceae Rondeetieae, 5. Kl. 1. Ordn. L,; Art: T. Adansonii, Gebirgspflanze in Peru …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tula [1] — Tula, Zentralgouvernement Großrußlands, grenzt im N. an das Gouv. Moskau, im O. an Rjasan und Tambow, im S. an Orel, im W. an Kaluga, umfaßt 30,960 qkm (562,4 QM.). Das Land ist ein wellenförmiges Plateau mit einer durchschnittlichen Höhe von 267 …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Tula [2] — Tula, 1) Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (s. oben), an der Upa, Knotenpunkt der Eisenbahnen Moskau Kursk und Sysran Wjasma, hat 46 Kirchen, 2 Klöster, und unter den sonstigen öffentlichen Bauten ragen hervor das Exerzierhaus und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Tula — Tula, s. Goldarbeiten (Niello) und Kunstgewerbe …   Lexikon der gesamten Technik

  • Tula — Tula, Gouvernement im mittlern Rußland, zu den großruss. Gouvernements gehörig, im Gebiete des Don und der Oka, 30.960 qkm, 1.419.456 E., meist Großrussen. – Die Hauptstadt T., an der Upa, mit Kreml, Bischofssitz, 109.352 E., kaiserl.… …   Kleines Konversations-Lexikon