Umbrien


Umbrien

Umbrien, 1) (Umbria, a. Geogr.), Landschaft in Mittelitalien, grenzte in Norden an das Cisalpinische Gallien, von welchem es durch den Rubico geschieden wurde, in Osten an das Adriatische Meer, wo der Küstenstrich Ager gallicus od. gallicanus hieß, in Süden an Picenum, davon durch den Asts getrennt, in Westen an Etrurien, von welchem es der Tiber schied. Das Land wurde von dem Apenninus durchzogen u. dadurch in das Trans- u. Cisapenninische U. getheilt; außer den Grenzflüssen wurde es noch von Tinia mit Clasis, ferner von Clitumnus u. Nar, sämmtlich Nebenflüssen des Tiber, bewässert; die Hauptproducte waren Rinder, Obst, Kupfer u. gute Kreide. Außer den größeren Städten Ariminum, Forum Fortuna, Mevania, Tuder, Narnia u. Spoletium, waren noch Pisaurum, Sena, Forum Sempronii, Nuceria, Interamna, Ocriculum, Hispellum, Ameria, Sarsina, Urbinum, Sentinum, Iguvium, Camarinum, Carsuli (s.d. a.) etc. berühmt. Unter Augustus war U. die sechste Region Italiens. 2) (n. Geogr.), früher Legation des Kirchenstaates mit den Delegationen Perugia, Spoleto (dies U. im engern Sinne) u. Rieti, 1531/2 QM. u. 1853 443,150 Ew.; seit 17. December 1860 an das Königreich Italien annectirte Provinz mit den Bezirken Perugia, Spoleto, Rieti, Foligno, Terni u. Ovieto, wird in Osten durch den Apennin von den Römischen Marken geschieden; ist 167,79 QM. groß, mit (1858) 491,750 Ew.; es ist gebirgig u. auch in den flacheren Theilen hügelig u. bringt gute Weine u. Öl; die fruchtbaren Thäler sind gut angebaut u. erzeugen reichlich Getreide; die Viehzucht, namentlich Rinder- u. Schafzucht, wird stark betrieben u. mit den Erzeugnissen derselben ein starker Handel durch ganz Italien betrieben.

Die Umbrier (Umbri, griech. Ombriker) waren eins der alten zu dem Indogermanischen Stamme gehörenden Hauptvölker Italiens (s.d. S. 106); sie sollen bis über den Po hinausgesessen u. bis an die Alpen geherrscht haben, von da aber von den Rafenern vertrieben worden sein. Darauf waren sie das herrschende Volk in ganz Mittelitalien von dem Adriatischen bis zum Tyrrhenischen Meere. Nachmals wurden sie von den Tvrrhenern u. Rasenern (Etruskern) aus den westlichen Theilen über den Tiber u. den Apenninus verdrängt, während die hier gebliebenen mit den Etruskern verschmolzen. Auch in ihren östlichen Besitzungen wurden sie um 400 v. Chr. von den aus Norden vordringenden celtischen Senonen beschränkt u. von der Küste weggetrieben. Von ihrer, zu dem Umbrisch-Samnitischen Aste des Indogermanischen Sprachstammes gehörenden Sprache, sind noch Inschriften, namentlich die Eugubinischen Tafeln (s.d.), übrig; s. Italische Sprachen S. 143f. In jenen engern Grenzen von Umbrien (s. oben 1) kamen sie sodann mit den Römern in Conflict u. wurden von denselben 308 v. Chr. unter Q. Fabius Maximus bei Mevania besiegt u. unterworfen; als sie 296 mit den Sammlern verbunden, sich von der römischen Oberherrschaft befreien wollten, wurden sie wieder unterdrückt. Auch im Bundesgenossenkriege erhoben sie sich mit gegen Rom, unterwarfen sich aber bereits 90 v. Chr. u. erhielten das römische Bürgerrecht. Vgl. Kämpf, Umbrica, Verl. 1838. Nach dem Sturze des Weströmischen Reiches[149] stand U. unter den Oströmischen Kaisern, wo es sich m mehre kleine Republiken zersplitterte, über welche die Päpste, nachdem sie zu größerer weltlicher Gewalt gekommen waren, sich die Oberherrschaft anmaßten, ihnen aber ihre Verfassungen ließen. Erst seit dem 16. u. 17. Jahrh. fingen die Päpste, mit dem allmäligen Aufhören des Feudalsystems, auf Grund ihrer Lehnsherrlichkeit an jene Gemeinwesen sich förmlich zu unterwerfen. Durch die Erbauung der Citadelle in Perugia, um die Mitte des 16. Jahrh., machte sich Paul III. zum Herren dieser Stadt, u. darauf wurden bis gegen Ende des 16. Jahrh. alle Städte U-s für den päpstlichen Stuhl in Besitz genommen. Seit 17. December 1860 hat U. die päpstliche Herrschaft mit der des Königreichs Italien vertauscht, Sardinische Monarchie S. 923.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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