Unschuld


Unschuld

Unschuld, 1) der Zustand, wo bei einem Individuum der moralische Gegensatz von Gut u. Böse noch nicht zum Bewußtsein gelangt ist, wo also den meist harmlosen Handlungen kein auf Beeinträchtigung der Rechte u. des Wohlseins Anderer gerichtetes Motiv zum Grunde liegt. Außer in dem ideellen, in die Urgeschichte der Menschheit versetzten Stande der U. findet sich dieser Begriff nur mehr od. minder in den früheren Lebensjahren des Kindes realisirt, welches, ohne Ahnung eines Unterschiedes von Gut u. Bös, keiner Schuld fähig ist. Wenn mit der Erkenntniß des Bösen u. Guten jener moralische Zwiespalt eintritt, von welchem der Mensch sich durch das ganze Leben hindurch nicht völlig befreit fühlt, so wird keiner ganz rein von Schuld bleiben, u. die U. sich nur in einzelnen Lebensrichtungen noch längere od. kürzere Zeit erhalten; 2) der Zustand sittlich erzogener, jugendlicher Individuen beiderlei Geschlechtes, denen die Geschlechtsverschiedenheit u. ihre Bedeutung noch fremd sind; 3) Vereinigung der Urheberschaft od. der Theilnahme an einer äußeren Handlung, wie s.d. bei Verbrechen, bei denen jemand für schuldig od. unschuldig erklärt wird; 4) eine Handlung mit Schuld u. U. übernehmen, die Schulden (Passiva) u. das Guthaben (Activa) einer Handlung übernehmen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Unschuld — Unschuld, der Engel an der Pforte des Himmels, der goldene Hüter jener reinen, innerlichen Welt, in deren Allerheiligstem die Seele, noch unberührt von den Lüften des niedern Thales, die Düfte des göttlichen Aethers trinkt. Da vereint sich Morgen …   Damen Conversations Lexikon

  • Unschuld — Unschuld, lat. innocentia, daher das ital. innocenza, frz. und engl. innocence, das Freisein von sittlicher Verschuldung, die Nichtbetheiligung an einem Vergehen oder Verbrechen. Stand der U., der Zustand der ersten Menschen in sittlicher… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Unschuld — Unschuld, unschuldig ↑ Schuld …   Das Herkunftswörterbuch

  • Unschuld — Die auf Rosen schlummernde Unschuld, Kupferstich von Daniel Chodowiecki Unschuld meint den Zustand eines unbefangenen oder unwissenden Menschen, der moralisch nicht als schuldig betrachtet oder der juristisch für schuldunfähig erklärt werden kann …   Deutsch Wikipedia

  • Unschuld — 1. Der Unschuld ist man hold, sie ist besser als Silber und Gold. Schwed.: Oskuld är hvar man huld. (Grubb, 655.) 2. Die Unschuld bleibt weiss, auch wenn sie zwischen zwei Teufeln sitzen muss. Holl.: De onnozelheid brengt hare onschuld mede.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Unschuld — Schuldlosigkeit; Tadellosigkeit; Makellosigkeit * * * Un|schuld [ ʊnʃʊlt], die; : das Freisein von Schuld: er konnte seine Unschuld nicht beweisen. * * * Ụn|schuld 〈f.; ; unz.〉 1. Schuldlosigkeit, Freiheit von Schuld 2. sittliche Reinheit, Tugend …   Universal-Lexikon

  • Unschuld — Sich in Unschuld baden: für etwas nicht verantwortlich gemacht werden wollen; übertreibende Abwandlung von: ›Seine Hände in Unschuld waschen‹ (⇨ Hand).{{ppd}}    Die gekränkte Unschuld spielen: sich harmlos stellen, Unschuld vortäuschen.{{ppd}}… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Unschuld — Ụn·schuld die; nur Sg; 1 das Unschuldigsein <seine Unschuld beteuern; jemandes Unschuld beweisen>: Der Richter zweifelte an seiner Unschuld, musste ihn jedoch aus Mangel an Beweisen freisprechen || K : Unschuldsbeteuerung 2 die Reinheit… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Unschuld — die Unschuld (Grundstufe) Zustand, in dem man an etw. nicht schuldig ist Synonym: Schuldlosigkeit Beispiele: Der Angeklagte hat seine Unschuld bewiesen. Ich glaube an ihre Unschuld …   Extremes Deutsch

  • Unschuld — 1. fehlende [Mit]verantwortung, Schuldfreiheit, Schuldlosigkeit. 2. a) Anständigkeit, Integrität, Makellosigkeit, Reinheit, Unbescholtenheit, Untadeligkeit, Unverdorbenheit; (geh.): Lauterkeit; (veraltend): Rechtschaffenheit. b) Ahnungslosigkeit …   Das Wörterbuch der Synonyme