Montalembert

Montalembert

Montalembert (spr. Mongtalangbär), 1) Marc Réné, Marquis v. M., geb. 15. Juli 1713 in Angoulème; trat 1731 in ein französisches Dragonerregiment u. wohnte 1733 der Belagerung von Kehl, 1734 der von Philippsburg u. seit 1741 dem Österreichischen Erbfolgekrieg bei. Nachdem er schon früher von der französischen Akademie der Wissenschaften zum Mitglied ernannt worden war, widmete er sich während des Friedens von Neuem den Wissenschaften u. errichtete in Perigord u. Angoumois Gießereien, aus denen er die französische Flotte mit eisernen Kanonen u. Projectilen versorgte. Während des Siebenjährigen Krieges befand er sich zwei Jahre als Commissär des französischen Hofes bei der russischen u. zwei Jahre bei der schwedischen Armee, wo er Anklam befestigte u. Stralsund durch Feldwerke verstärkte, auch hat er hier vielleicht durch schwedische Offiziere die erste Idee zu seinen kasemattirten Thürmen erhalten. Nach Frankreich zurückgekehrt wurde er 1761 zum Commandanten der Insel Oleron ernannt, deren Citadelle er mit einem passageren verschanzten Lager verstärkte, das, nach ganz neuen Principien entworfen, in der Geschichte der Kriegsbaukunst Epoche machte. In demselben Jahre gab er den Prospectus seines großen Werkes heraus; der damalige Kriegsminister, Herzog von Choiseul, die Wichtigkeit seiner Ideen erkennend, forderte ihn auf, sein Manuscript nicht der Öffentlichkeit zu übergeben, damit nur Frankreich den Nutzen seiner Befestigungsmethoden habe. Da aber nichts geschah, um seine Ideen in Ausführung zu bringen, so veröffentlichte er sein großes Werk La fortification perpendiculaire, Par. 1776–96, 11 Bde., mit welchem er durch Vermehrung der Bastionenbefestigungen sich zwar die erbittertste Gegnerschaft der französischen Ingenieure zuzog, gleichwohl aber den Grund zu allen in der Neuzeit angewendeten Principien der Befestigung legte u. so der Reformator der Fortification wurde. Von den französischen Ingenieurs griff zuerst Major Grenier mit seinen: Observations sur les principaux systêmes de fortification perpendiculaire etc. M. an, dann der Chef der Ingenieurs, General Fourcroy, mit: Mémoire sur la fortification perpendiculaire etc., 1786, M. wies diese Entgegnungen erfolgreich zurück. Gleichwohl konnten seine Ideen bei den französischen Ingenieurs keinen Eingang finden. Erst Belair, Mandar, Carnot u. Andere brachten dieselben während der Revolution u. des Kaiserreichs wieder zu einigem Ansehen; im Auslande aber wurde M., hauptsächlich seit der Revolution, hochgeachtet, u. bes. das preußische Ingenieurcorps erkannte seine Grundsätze an. General Lindner baute in Kosel schon um 1802 den ersten Montalembertschen Thurm (s.d.) u. General After wendete dessen Ideen bei Befestigung von Coblenz, Ehrenbreitenstein u. Köln an. Vor der Revolution begab sich M. nach England, kehrte aber bald zurück, um die Zahlung großer Forderungen zu erhalten (so hatte er allein für seine an den Staat verkauften Gießereien 7,000,000 Francs zu fordern). Dennoch konnte er nichts als die Aufhebung des Sequesters auf seinen Gütern erlangen. Carnot berief ihn, d'Arçon u. Marescot zu dem Comité sur Entwerfung der Militäroperationen. Er st. 1799 zu Paris u. schr. noch: Correspondence pendant la guerre de 1787, Lond. (Neufchatel) 1777, 3 Bde. (deutsch von Rohr, Bresl. 1789 f.); Réponse au Colonel d'Arçon sur son apologie des principes observés dans le corps de génie, Par. 1790; Mémoire hist. sur la fonte des canons, ebd. 1785 u. m. a., so wie einige Theaterstücke, Gedichte etc. Ein Theil seines großen sortisicatorischen Werkes wurde von Hoyer ins Deutsche übersetzt unter dem Titel: Die Vertheidigung stärker als der Angriff, Berl. 1818 ff., 4 Bde. 2) Marc-Réné-Anne-Marie, Comte de M., Sohn des Vorigen, geb. 1777 in Paris, diente als Emigrant unter Condé, trat in britische Dienste, wurde 1810 Major u. 1814 Oberst in der französischen Armee, 1817 bevollmächtigter Minister in Stuttgart, 1819 Pair von Frankreich u. später Gesandter zu Stockholm, nahm nach der Julirevolution den Abschied u. st. 20. Juni 1831 in Paris. 3) Graf Charles, Sohn des Vorigen, geb. 1810 in Paris, seit 1831 Pair von Frankreich, früher mit Lamennais befreundet u. Mitarbeiter an dessen Journal L'avenir. Als Vorkämpfer der kirchlichen Interessen u. Apostel des Ultramontanismus in Frankreich, machte er sich 1843 bemerklich durch eine Broschüre über die Pflicht der Katholiken in Frankreich bei Gelegenheit der Discussion der Unterrichtsfrage; 1844 durch sein katholisches Manifest in der Pairskammer bei Besprechung der Frage über Kirche u. Staat; 1845 durch seine Vertheidigung des Jesuitenordens; 1846 durch seine warme Inschutznahme Polens u. Irlands u. 1847 durch die Gründung eines Comités für religiöse Freiheit, welches zu Paris u. in Frankreich zur Unterstützung der Mitglieder des in der Schweiz bezwungenen Sonderbundes Subscriptionen eröffnete. Am 28. Febr. 1848 gab er ein republikanisches Manifest, worin er sich für die Republik Frankreich erklärte u. derselben seine Dienste anbot. Als Theilnehmer des parlamentarischen Vereins der Rue de Poitiers gehörte er zu den 15 Mitgliedern des Wahlcomités. In die Constituirende Versammlung gewählt, nahm er auf der äußersten Rechten Platz. Im Juni 1851 wurde er in das Revisionscomité gewählt. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dec. verlangte er am 3. Dec. mit mehren Mitgliedern der Majorität vom Minister des Innern die Freilassung der Nationalvertreter u. im Jan. 1852 seine Entlassung aus der Consultativen Commission; er wurde Mitglied der Akademie u. im März in die Gesetzgebende Versammlung gewählt u. war dort der Führer der geringen Opposition. Ende 1858 wurde er wegen eines Artikels in der Revue de Correspondent, worin der Staatsprocurator Ausfälle gegen das kaiserliche Regierungssystem erkannte, abermals in Anklagestand versetzt u. verurtheilt. Die ihm vom Kaiser angebotene Begnadigung nahm er nicht an u. ging nach England. Er schr.: Histoire de St. Elisabeth de Hongrie, Par. 1836 (deutsch von Städtler, Aachen 1845); Bu vandalisme et du catholicisme dans les arts, Par. 1840; Des interêts catholiques en 19. siècle, ebd. 1852.; De l'avenir politique de l'Angleterre, ebd. 1856.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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