Wünschelruthe

Wünschelruthe

Wünschelruthe (Spring-, Schlag-, Bebe-, Brandruthe, Virgula mercurialis, franz. Baguette divinatoire), Zweig einer Haselstaude, od. auch anderer Bäume u. Sträucher, welcher entweder einfach in Bogen gekrümmt ist, od. häufiger sich gabelförmig endet. Die W-n werden gebraucht, um damit unter der Erde liegende Metalle, sowohl Erzadern als Schätze, u. Wasser aufzufinden. Die dazu befähigten Personen heißen Ruthengänger; vgl. Zahuris. Sie fassen die W. mit beiden Händen so, daß sie die beiden dünnen Enden des gabelförmigen Zweigs in die Hände nehmen, die kleinen Finger gegen einander, die Daumen aber auswärts kehren u. daß die Ruthe dem Himmel zugewendet steht. Die Ellenbogen werden fest in den Leib gedrückt. In dieser Stellung durchschreitet der Suchende unter Hersagung von gewissen Formeln die Gegend, wo er Metall vermuthet, u. die Ruthe soll, wenn sie einer solchen nahe kommt, sich ganz umwenden, d.h. die gen Himmel stehende Spitze gegen die Erde schlagen, s. Rhabdomantie 2). Die W. soll nach einer kabbalistischen Sage von Adam aus dem Baum des Lebens geschnitzt, nach einer andern von Gott am sechsten. Tage zugleich mit dem Menschen geschaffen sein. Die W. erkennt man in Aarons blühendem Stabe u. in der glückspendenden u. Zauberruthe (Kerykeion, Caduceus) des Hermes od. Mercur der Griechen u. Römer. Bei den Germanen ist der Glaube an die W. (wunsciligerta) uralt; sie war eine Gabe des Wuotan u. der Besitz derselben machte alles irdischen Heils theilhaftig. Geschnitten wurde sie in der Johannisnacht aus einer Haselstande, od. einer Weide od. einem Kreuzdorn unter Beschwörungsformeln, zuweilen war sie auch metallen, namentlich von Messingdraht. Etwas anderes sind die W-n, welche aus Sommerkirschen u. Türkischem Flieder gemacht von dem gemeinen Aberglauben dazu benutzt werden, daß sie von Mädchen am Andreasabend in Wasser gestellt u. zu Weihnachten durch die hervorbrechenden Blüthen nach Zahl u. Farbe die Nähe der Hochzeit angeben sollen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Wünschelruthe — Wünschelruthe, Zweig einer Haselstaude, entweder einfach im Bogen gekrümmt oder gabelförmig endend, soll in den Händen eines befähigten Menschen (Ruthengänger) verborgene Metalle, Erzlager u. Wasserquellen durch Krümmung nach unten anzeigen.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Wünschelruthe — * Er hat eine Wünschelruthe. – Philippi, II, 253. Es geht ihm alles nach Wunsch. Lat.: Jovis taxilli semper feliciter cadunt. (Sutor, 367.) …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Wünschelruthe (Zeitschrift) — Die Wünschelruthe war eine Göttinger Zeitschrift der Spätromantik. Sie erschien von Januar bis Juni 1818 zweimal wöchentlich mit dem Untertitel „Ein Zeitblatt“ bei Vandenhoeck Ruprecht. Die Zeitschrift wurde getragen von einem studentischen… …   Deutsch Wikipedia

  • Wünschelruthe, die — Die Wünschelruthe, plur. die n, eine unter gewissen abergläubigen Umständen verfertigte Ruthe von Holz, oder Messingdraht, deren Neigung den Ort verborgener Schätze in der Erde anzeigen soll, und welche ehedem häufig im Bergbaue gebraucht wurde,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Rhabdomantie — (v. gr.), 1) Wahrsagung aus Stäben, z.B. bei den Germanen, wo man eine Ruthe in Stücken zerschnitt, darein gewisse Charaktere schnitt, sie dann auf ein Gewand warf, davon drei aufhob u. die Zukunft nach den Zeichen deutete; 2) das einzelnen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • August von Arnswaldt — August Friedrich Ernst von Arnswaldt (* 13. August 1798 in Hannover; † 25. Juni 1855 ebenda) war ein deutscher Literat. Inhaltsverzeichnis 1 Leben …   Deutsch Wikipedia

  • Ruthe, die — Die Ruthe, plur. die n, Diminut. das Rüthchen, Oberd. Rüthlein, ein Wort, welches eigentlich einen jeden langen, dünnen und gemeiniglich schwanken oder biegsamen Körper bedeutet. 1. Überhaupt, wo es doch nur auf einige einzelne Fälle… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Der Schneider im Himmel — ist ein Schwank (ATU 800). Er steht in den Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der Zweitauflage von 1819 an Stelle 35 (KHM 35). Wilhelm Grimm veröffentlichte ihn zuerst 1818 nach Justus Möser in der Zeitschrift Wünschelruthe als Das… …   Deutsch Wikipedia

  • Einhandrute — hölzerne Wünschelrute Metallrute …   Deutsch Wikipedia

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