Zante


Zante

Zante, 1) eine der seit 1863 zum Königreich Griechenland gehörigen sieben Ionischen Inseln, westlich von der Peloponnesischen Halbinsel u. südlich[520] von der Insel Cephalonia,7,35 QM., steile Ufer; Vorgebirge: Kera od. Chieri, Jeraka od. Geraka, Vasiliko, Kryonero, Schinari; im Innern die Berge Skopo u. Hieri, auch fruchtbare Ebenen. Die Insel, welche überhaupt von der Natur u. dem Klima bes. begünstigt ist u. wegen ihrer Schönheit Ilfiore di Levante genannt wird, bringt vorzüglich Südfrüchte, namentlich Korinthen (jährlich 7–8 Mill. Pfund, in guten Jahren sogar 12–13 Mill.), Wein, Öl, Melonen, Baumwolle, Seide, Erdpech (in der Nähe des Vorgebirges Chieri sind die bekannten Erdpechquellen), weniger Getreide hervor, u. treibt bes. Baumwollenspinnerei u. Weberei von Haarteppichen, Seidenzeugen u. Leinwand, so wie Seifenfabrikation. Die Wälder bestehen aus Oliven-, Lorbeer-, Myrtenbäumen etc. Hausthiere werden wenig gehalten, das nothwendige Vieh kommt aus Griechenland, wohin jährlich auch von Z. aus eine nicht unbedeutende Menge Einwohner ziehen, um dort Ernte- u. andere Arbeiten zu verrichten. Fischerei wird wenig getrieben, dagegen ist der Handel mit den Erzeugnissen der Insel, so wie Einfuhrhandel bedeutend. Bevölkerung 1862: 38,627 Ew. (Zantioten), meist Griechen, außerdem etwa über 2000 Juden. Zum Senate der Ionischen Inseln sandte Z. einen, zur Gesetzgebenden Versammlung zehn Abgeordnete u. stand im Übrigen unter eigener Localregierung mit einem Eparchen od. Regenten; Z. hat 3 Tribunale (für Civil-, Criminal- u. Handelssachen), ein Appellationsgericht, so wie eine Art Friedensgerichte. 2) Hauptstadt hier, die vorzüglichste u. bestgebaute Stadt der gesammten Ionischen Inseln, an der Ostküste der Insel amphitheatralisch am Abhange eines Hügels gelegen, auf welchem die Citadelle steht, welche die Stadt u. den Hafen beherrscht; Sitz der obersten Behörden, eines griechischen Erzbischofs, eines katholischen Bischofs, hat viele griechische Kirchen (des St. Dionysius, des Schutzheiligen der Insel, u. der Phaneromeni), mehre Kapellen, Klöster (mit Hospitälern), Lyceum, 2 Quarantäneanstalten, Zollhaus, Arsenal, Palast des katholischen Bischofs (mit Gemäldesammlung), auf dem Marktplatz das kolossale bronzene Denkmal des Lordobercommissärs Maitland, u. Hafen (Porto Chieri) mit Leuchtthurm. Die Einw., gegen 20,000, treiben Handel mit den Producten u. Fabrikaten der Insel, so wie Schifffahrt u. Seehandel u. fertigen auch goldene u. silberne Waaren. – Z. hieß bei den Alten Hyrie u. später Zakynthos, die Einwohner waren aus dem Peloponnes eingewanderte Achäer; die Insel gehörte nach Homer zum Reiche des Odysseus. Nachmals war die Insel unabhängig u. wagte es selbst den Spartanern die Auslieferung des Sparterkönigs Demaratos zu verweigern. Als Athen die Hegemonie bekam, mußte Z. zu dessen Flotten Schiffe stellen. Die Demokratie wurde durch Athens Sturz u. Spartas Emporkommen später mit der aristokratischen Verfassung vertauscht u. dadurch viele innere Zerrüttungen hervorgerufen. Endlich kam Z. in die Hände der Römer, welche ihr noch einige Zeit Namen u. Freiheit ließen, sie aber bald darauf zur Provinz Epirus schlugen. Später kam Z. an das Oströmische Reich; im 13. Jahrh. bemächtigte sich der König von Neapel seiner, welchem es die Venetianer im 14. Jahrh. wieder abnahmen. Z. blieb nun bei Venedig, bis es seit 1797 das Schicksal der Republik der Ionischen Inseln theilte, von welcher es bis 1863 einen Bestandtheil ausmachte, aber dann zugleich mit letzteren von der englischen Regierung unter Einverständniß mit den übrigen europäischen Großmächten an das Königreich Griechenland abgetreten wurde. Am 29. Dec. 1820 u. 30. Oct. 1840 fanden Erdbeben auf Z. statt. 3) Kanal zwischen der Insel u. dem Cap Tornese in Morea.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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