Zapfen


Zapfen

Zapfen, 1) ein länglicher, runder, gewöhnlich an der einen Seite dünner werdender Körper; 2) ein ähnlicher, auch wohl viereckiger Körper, mit welchem man ein Loch (Zapfenloch) eines Gefäßes verschließt, aus welchem eine Flüssigkeit fließen kann; 3) (Grundzapfen), ein Stück Holz, mit welchem die Öffnung eines Gerinnes verschlossen werden kann; daher überhaupt so v.w. Striegel 3), vgl. Teich 1 ) c) u. Ständer; 4) an Wellen od. Achsen der schwächere, kürzere Theil an beiden Enden, mit welchem die Welle aufliegt u. um welchen sie sich dreht. Solche Z. heißen bei liegenden Wellen Endzapfen. Bei liegenden hölzernen Wellen sind die Z. meist von Eisen od. Stahl, u. um sie an die Welle befestigen zu können, haben sie (als Blattzapfen) einen blattförmigen Theil (Zapfenflügel) welcher in die Welle eingelassen wird; manchmal sind zwei sich im Z. kreuzende Blätter vorhanden u. diese sind oft noch durch eine das Wellenende umschließende eiserne Kappe vereinigt, od. sie laufen in drei Zinken aus, von denen der mittlere spitz ist u. in die Welle eingestoßen wird, während die beiden Seitenzinken flach u. mit Löchern versehen sind, so daß sie an die Welle angenagelt werden können. Fehlen die beiden Seitenzinken, so ist der Z. ein Spitzzapfen u. wird gewöhnlich auf seiner Außenfläche, bes. an den Kanten, aufgehauen. Ähnlich ist der Hakenzapfen, welcher aber an seinem inneren Ende hakenförmig umgebogen ist, daher nicht eingeschlagen werden kann, sondern von der Seite her in einen Schlitz der Welle eingesteckt wird. In allen diesen Fällen werden eiserne Ringe auf das Wellenende aufgezogen, damit dieses nicht aufreißt. Bei metallenen Wellen, bes. bei kleineren, z.B. der Uhrräder, sind die Enden der Welle genau zu Z. abgedreht. Die cylindrischen Z. sind besser, als die konischen. Lange Wellen, z.B. bei Transmissionen, pflegt man auch in der Mitte noch aufzulagern u. nennt dann die in diesen Mittellagern befindlichen cylindrischen Z. Halszapfen od. Wellenhälse. Bei senkrecht stehenden Wellen heißt der untere Z. gewöhnlich Stift od. Spurzapfen u. ist an seinem unteren Ende eben od. kugelförmig abgerundet, od. er hat auch bisweilen eine Vertiefung, welche auf einer Warze des Zapfenlagers steht. Die Spurzapfen sind aus Bronze, Eisen od. Stahl u. laufen auf Spurplatten aus Bronze od. gehärtetem Stahl. Die Z. horizontaler Wellen liegen in einem Zapfenlager; dieses besteht bei einer gewöhnlichen Welle einfach aus einem hinlänglich festen Gerüste (Zapfengerüste, Zapfengestelle); auf diesem ist ein Klotz von hartem Holze (Zapfenklotz) befestigt, u. in diesen ist die Pfanne od. das Zapfenlager im engeren Sinne von Eisen, Messing, Glockengut od. Basalt eingelassen, welches eine dem Z. entsprechende Vertiefung hat. Diese kann auch mit einem leichten Deckel versehen sein, um Unreinigkeit von dem Z. abzuhalten. Bei sehr sorgfältig u. fest zu lagernden liegenden Wellen besteht das Zapfenlager aus zwei Lagerschalen (Legerkern od. Lagerfutter), gewöhnlich aus Messing od. Bronze, welche den Z. fast ringsum umschließen u. durch Vorsprünge gegen seitliche Verschiebung in dem eisernen Lagerkörper (Lagergehäuse od. Lagerträger) geschützt, worin die untere Schale liegt, während die obere Schale meist durch einen eisernen Lagerdeckel umschlossen u. mittelst Schrauben auf den Z. aufgepreßt wird u. bei eintretender Abnutzung frisch angezogen u. dadurch dem Z. wieder genähert werden kann. Ist das Lager auf Stein od. Holz anzubringen, so ist noch eine besondere Lagerplatte aus Eisen nöthig, auf welcher das Lager aufgeschraubt wird. Zum Schmieren des Z-s geht durch den Deckel u. die obere Schale meist ein Schmierloch hindurch, während die Schmiere od. das Öl oft in eine besondere Schmierbüchse eingegeben wird. Ist das Lager an Pfeilern, Pfosten, Balken etc. angeschraubt u. steht es seitlich hervor, so heißt es ein Seitenlager od. auch Wandbock, ragt es von einem horizontalen Deckenbalken herab, so nennt man es Hängelager. Die Z. kleiner Wellen gehen in Zapfenlöchern, welche entweder blos in einen Gegenstand gebohrt, od. mit Metall, bes. mit Messing ausgefüttert sind. Bei sorgfältig gearbeiteten Uhren füttert man die Stelle des Zapfenloches mit einem Edelsteine u. bohrt in diesen das eigentliche Loch für den Z. Die oberen Lager der stehenden Wellen sind ebenfalls Halslager u. unterstützen die Wellen von der Seite. Eine besondere Art der Zapfenlager sind die Frictionsscheiben od. Frictionsrollen (s.d. u. Rad 1) B) a). Manche Z. sind nicht zu völligen Umdrehungen bestimmt, sondern sollen nur eine schwankende Bewegung erleichtern, z.B. bei Wagen, Pendeln u. Glocken; solchen Z. gibt man häufig eine dreiseitig prismatisch-schneidenförmige Gestalt u. ein ebenes Zapfenlager. Um die Friction der Z. (Zapfenreibung, vgl. Friction A) b) zu mindern, bedient man sich einer Schmiere. 5) Der an einem Bret od. am Ende eines Stückes [522] Holz schwach geschnittene Theil, welcher in das Loch eines anderen Stückes (Zapfenloch) eingelassen wird, um beide Stücken zu vereinigen. Werden durch beide Stücken da, wo sie vereinigt sind, Löcher gebohrt u. hölzerne Nägel eingetrieben, so heißt dies ein verbohrter Z. Werden zwei Stücken so zusammengefügt, daß beide mit einem Zapfenloche versehen werden, u. dann ein drittes Stück als Z. in beide Löcher getrieben, um beide Stücken zu verbinden, so heißt dies ein verlorener Z. Schleifzapfen sind solche kurze Z., welche Stiele od. Riegel erhalten, die in schon stehende Holzwände eingezogen werden sollen. Die Verzapfung, d.h. die Verbindung durch Z., kommt bei den verschiedensten Holzarbeiten vor, bes. bei Zimmerarbeiten u. Tischlerarbeiten, u. die Z. werden in sehr mannigfacher Weise gestaltet u. angewendet; so vom Zimmermann der einfache Z., der doppelte Z., der geächselte Z, der Z. mit Versatzung, der verborgene Keilzapfen u. der Z. mit dem Schwalbenschwanze. Oft läßt man den Z. ganz durch das andere Holzstück durchgehen u. steckt durch das vorstehende Zapfenende einen Stift od. Keil; in anderen Fällen macht man einen Theil des Z-s kürzer als das Übrige, so daß dieser Theil nicht durch das ganze Holzstück hindurchgeht, sondern nur auf eine gewisse Tiefe in eine an das Zapfenloch anstoßende nuthartige Vertiefung (daher Nuthzapfen) eintritt. 6) (Bauw.), so v.w. Tropfen 5); vgl. Säule B) a); 7) (Art.), so v.w. Schildzapfen; 8) zwei Stücken Eisen, welche an das Viereck der Ruthe angeschweißt u. in die Seiten wände des Ankerstockes eingefügt werden; 9) s. Buchdruckerpresse S. 403; 10) die schuppige u. holzige Samenkapsel des Nadelholzes; 11) so v.w. Strobilus, s. Blüthenstand D) Aa) b) dd); 12) Weinreben, welche noch kürzer geschnitten werden, als die Schenkel u. für das nächste Jahr starke Ruthen treiben sollen; 13) (Tuchsch.), so v.w. Krücke; 14) so v.w. Zäpfchen; 15) s.u. Gehirn I. B) a); 16) so v.w. Kinderdute; 17) s.u. Überfangglas b).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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