Zeno


Zeno

Zeno (Zenon). I. Fürsten. A) Griechischer Kaiser: 1) Z., war ein Isaurier von Geburt u. hieß eigentlich Traskalisseus, wurde 468 vom Kaiser Leo I. nach Constantinopel gerufen u. erhielt die Hand der Prinzessin Ariadne u. den Befehl über die Armee im Orient. Nach Leo's I. Tode,[575] 474, wurde Z-s Sohn als Leo II. Kaiser u. er selbst dessen Mitregent u. nach dessen baldigem Tode Kaiser, s. Byzantinisches Reich S. 526. Er gab 482 das Henotikon, wodurch die Monophysitischen Streitigkeiten beendigt werden sollten (s.u. Monophysiten S. 400), u. st. 491. Nach der Sage ließ ihn seine Gemahlin in dem Zustande der Trunkenheit, worin er gewöhnlich epileptische Zufälle u. Scheintod bekam, begraben, weil sie, wie das Volk, wegen, seines unwürdigen Lebens seiner überdrüssig war. Über die Constitution des Z. s.u. Corpus juris I. B) k). B) König von Armenien: 2) Z., so v.w. Artaxias III. II. Alte Philosophen u. Gelehrte: 3) Z. der Eleatiker, aus Elea in Großgriechenland, griechischer Philosoph, blühte um 460 v. Chr.; er reiste mit seinem Lehrer Parmenides nach Athen, wo er den Sokrates kennen lernte, u. verschwor sich dann gegen den Tyrannen Nearchos (Diomedon) von Elea; als er entdeckt wurde, soll er, um die Mitwisser des Plans nicht verrathen zu müssen, sich die Zunge abgebissen u. sie dem Tyrannen ins Gesicht gespieen haben, deshalb aber in einem Mörser zerstampft worden sein; nach Andern fielen die Verschwornen bei dem Gericht über den Tyrannen her u. steinigten ihn. Er soll die dialogische Form für Schriftwerke u. die Dialektik erfunden, auch zuerst um Honorar öffentlich gelehrt haben. Aus den wenigen Fragmenten, welche von seinen Schriften noch übrig sind, erhellt, daß er die vom empirischen Realismus hergenommenen Gründe gegen das System der Eleatischen Schule, als auf widersprechende Folgen führend, entkräften u. indirect darthun wollte, daß es keine Mehrheit von Einzeldingen, keinen Raum u. keine Bewegung gebe. Unbestimmt ist, ob ihm die Sätze zugehören, daß es viele Welten gebe, daß Alles aus dem Warmen u. Kalten, od. dem Trocknen u. Feuchten hervorgegangen sei. Vgl. Ch. C. Crell, De Zenone, Lpz. 1724; Tiedemann, Utrum scepticus fuerit an dogmaticus Z. Eleatus, im 1. Bde. der Nova biblioth. philos.; Lohse, De argumentis, quibus Z. Eleates nullum esse motum demonstravit, Halle 1794: Krug, Zenonis et Epicuri de summo bono sententiae cum Kantiana comparantur, 1800; Gerling, De Zenonis El. paralogismis motum spectantibus, Marb. 1825. 4) Z. Kittieus (Z. der Stoiker), aus Kittion auf Cypern, im 4. u. 3. Jahrh. v. Chr., war eigentlich Kaufmann, da er aber in einem, auf einer Reise nach Athen erlittenen Schiffbruch Alles verloren hatte, gab er, 22 Jahre alt, sein Handelsgeschäft auf u. widmete sich dem Studium der Philosophie. Anfangs hörte er den Kyniker Krates, nachher die Megariker Stilpo u. Diodoros, zuletzt die Akademiker Xenokrates u. Polemo. Nach zwanzigjähriger Vorbereitung trat er selbst als Lehrer in der Stoa auf, daher seine Schule die Stoische u. seine Anhänger Stoiker (s.d.) genannt wurden. Seine Vorträge fanden sehr viel Beifall u. seine Lehre verbreitete sich sogar nach Rom u. hatte dort unter den angesehensten Männern Verehrer. Auch bei den Athenern hatte er sich durch seine Rechtschaffenheit, Nüchternheit u. Freundlichkeit so beliebt gemacht, daß sie die Schlüssel zur Akropolis bei ihm deponirten u. das Volk ihm eine goldene Krone decretirte. Im hohen Alter (nach Einigen soll er 72, u. Andern 98 Jahre alt geworden sein) tödtete er sich (nach Einigen durch Hunger, nach Andern durch den Strang). Er erhielt ein öffentliches Begräbniß im Kerameikos u. ihm wurde eine metallene Bildsäule errichtet. Z. schrieb über den Staat, über das Gesetz, über die Natur des Menschen, über die Affecte etc.; über alle seine Schriften hatte Apollonios von Tyros einen Katalog verfertigt, sie sind aber sämmtlich verloren gegangen. Über seine Lehre s.u. Stoiker; vgl. G. F. Innichen, De Zenone Cittieo, Lpz. 1724. 5) Stoiker aus Tarsos, Schüler u. Nachfolger des Chrysippos in der Stoa; er soll der erste Stoiker gewesen sein, welcher das stoische Dogma von der Weltverbrennung als zweifelhafte Hypothese betrachtete. 6) Z. aus Rhodos, lebte im 2. Jahrh. v. Chr. u. schrieb eine Geschichte von Rhodos; Fragmente dieses verlornen Werkes gesammelt im 3. Bde. von Müllers Fragmenta histor. graec. 7) Griechischer Arzt von unbestimmtem Zeitalter, vorzüglichster Schüler des Herophilos, Erfinder des nach ihm genannten Diasotikon wider die Kolik; seine Schriften verloren. 8) Arzt aus Cypern (nach Andern aus Sardes), lehrte im 4. Jahrh. die Arzneikunst zu Alexandria. Obgleich Christ, stand er doch bei dem Kaiser Julianus in großem Ansehen; er schr.: Digladiationes cum Apollonio, im 5. Bde. der Basler Ausgabe des Hippokrates. III. Bischöfe: 9) Z., Bischof von Verona, soll aus der Provinz Afrika gestammt haben, nach Syrien gegangen, von da nach Verona gekommen u. hier 362 Bischof geworden sein, hier viele Bewohner zum Christenthum bekehrt, den Arianismus widerlegt u. unterdrückt, das erste occidentalische Nonnenkloster gegründet, mehre Wunder gethan haben u. 12. April 380 gestorben sein; ihm werden zugeschrieben Sermones od. Tractatus, herausgegeben von Albertus Castellanus u. Jacobus de Leuco, Ven. 1508; von Bagata u. Perethus, 1586; P. u. H. Ballerini, Ver. 1739, von Migne im 11. Bde. des Cursus completus patrologiae; vgl. Jazdzewski, Z. Veronensis episcopus, Regensb. 1862. 10) Jacobo, Enkel von Z. 11), geb. 1417 in Venedig, studirte in Padua, wurde 1456 Bischof von Belluno u. Feltre, 1459 Bischof von Padua u. st. dort 1481; er schr.: Repetitiones et disputationes; Vitae summorum pontificum; De ritu, moribus rebusque gestis Caroli Zeni (italienisch 1544 in Venedig, 1591 in Bergamo u. 1606 wieder in Venedig). IV. Neuere Gelehrte u. Staatsmänner: 11) Carlo, geb. um 1334, studirte in Padua, diente dann fünf Jahre lang verschiedenen Parteien als Soldat u. trat, nach Venedig zurückgekehrt, eine geistliche Präbende in Patras an, gab diese aber eines Zweikampfes wegen auf u. machte sieben Jahre lang Handelsreisen nach Candia, der Levante u. Griechenland. 1376 leitete er die Unterhandlungen, durch welche Tenedos an Venedig kam, u. als hierauf der Krieg von Chiozza ausbrach, vertheidigte Z. Treviso glorreich gegen die Ungarn. Hierauf trat er in den Seedienst über u. zeichnete sich gegen die Genueser aus, s. Venedig S. 418. Nach dem Frieden diente Z. fünf Jahre lang dem Herzog Giov. Galeazzo von Mailand; dann ging er als venetianischer Gesandter nach Paris u. London, wurde hierauf in Venedig Advocat der Gemeinde u. dann Procurator der Gemeinde von S. Marco. Als aber 1403 ein neuer Krieg mit Genua ausbrach, war Z. wieder an der Spitze der Flotte u. bekriegte dann den Herzog von Padua, Franz von Carrara, zu Lande. Bei der Plünderung von dessen Palast fand man, daß Z. einst von ihm 400 Ducaten erhalten habe;[576] obgleich dieses blos eine zurückgezahlte Schuld war, so wurde Z. doch von dem Rath der Zehn entsetzt u. zwei Jahre gefangen gehalten. Freigelassen trat er in Dienste des Königs von Cypern, Janus von Lusignan, verjagte die Genuesen von dort u. kehrte 1410 nach Venedig zurück, wo er 1418 starb. 12) Nicolo, Bruder des Vorigen, befehligte 1379 eine Galeere gegen die Genueser, war 1382 Gesandter in Ferrara u. 1388 als Syndicus bei der Übergabe von Treviso an Venedig, machte dann eine Seereise auf einem eigenen Schiffe, ging durch die Meerenge von Gibraltar u. segelte nach den Küsten von Flandern u. England. Auf einer Insel, welche er Porlanda nennt, südlich eines Lands Friesland, will Z. gestrandet sein u. der Großmuth eines dortigen Fürsten, Zichmini (s.d.), sein Leben zu danken gehabt haben. Z. trat in die Dienste dieses Fürsten, welcher eine kleine Flotte hatte, u. beschied auch seinen Bruder Antonio Z. dorthin, welcher 1391 (1392) daselbst ankam. Nach mehren Kriegszügen gegen die benachbarten Küsten u. Inseln starb Z. 1395, zwei Söhne hinterlassend, welche ihr Geschlecht fortpflanzten, welches erst 1756 erlosch. 13) Antonio, Bruder des Vorigen, kam zu demselben nach Porlanda, wollte diese Insel nach dessen Tod verlassen, wurde aber vom Fürsten Zichmini zurückgehalten u. erhielt den Oberbefehl über eine Flotte, mit welcher er mehre Entdeckungsreisen nach Norden u. Osten unternahm u. Grönland, Island, Norwegen u. Esthland besuchte. 1395 kehrte Z. nach Venedig zurück u. starb dort bald darauf. Diese Brüder Zeni hinterließen eine Karte, auf welcher Grönland, die Färöer u. andere Länder des Nordens deutlich bezeichnet sind u. selbst das nördliche Amerika angedeutet zu sein scheint. Sie befindet sich auf der Marcusbibliothek in Venedig. Lange legte man dieser Karte große Wichtigkeit bei, aber der dänische Capitän Zahrtmann hat gezeigt, daß das, was die Karte der Z. Friesland nennt. die Färöer sind, daß diese Karte aus reiner Tradition zusammengetragen ist u. die Gebrüder Z. gar nicht den Norden bereisten. 14) Caterino, mit dem Zunamen il Dragone, Enkel von Z. 12), durchreiste Arabien u. Persien 1472 als venetianischer Gesandter u. gab über die Sitten der Perser eine Schrift heraus (verloren). Später kehrte er in den Orient zurück u. st. in Damask. 15) Demetrius, Grieche von Zante, lebte um 1530 in Venedig u. schrieb eine neugriechische Übersetzung der Homerischen Batrachomyomachie in politischen Versen. 16) Apostolo, geb. 11. Dec. 1668 in Venedig; widmete sich dem Studium der Geschichte u. der Poesie. Seine dramatischen Arbeiten fanden großen Beifall u. Kaiser Karl VI. berief ihn 1715 nach Wien u. ernannte ihn zum Historiographen u. Theaterdichter. Er ging, nachdem er den Dichter Metastasio an seiner Stelle zurückgelassen hatte, 1729 nach Venedig u. st. hier 11. Nov. 1750. Durch seine Melodramen gab er der Italienischen Oper eine regelmäßige Gestalt Seine dramatischen Werke (60 an der Zahl) sind gesammelt, Ven. 1744, 10 Bde., Tur. 1795, 12 Bde. Er schr. außerdem: Dissertazioni istorico-critiche e litterarie intorno agli storici Italiani, Ven. 1752 f., 2 Bde.; Epistole, 2. Ausg. ebd. 1785, 6 Bde.; gab die italienische Geschichte des Guicciardini, ebd. 1740, 2 Bde., die lstoriel delle cose Veneziane, ebd. 1718–22, 10 Bde., das Giornale de' letterati d' Italia seit 1710 heraus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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