Zweifel


Zweifel

Zweifel (Dubitatio), 1) der Zustand, in welchem man zwischen mehren möglichen Annahmen od. Entschließungen unentschieden hin u. herschwankt, weil entgegengesetzte od. unzureichende Gründe es zu keinem sichern Urtheile u. zu keiner festen Entscheidung kommen lassen; 2) (Ratio dubitandi, Dubium), der Grund des Z-s. Der Z. kann so mannigfaltig sein als die Fragen u. Gegenstände sind, über welche zur Klarheit u. Gewißheit zu kommen man ein Interesse hat; er ist theoretisch, wenn er sich auf die Erkenntnisse, praktisch, wenn er sich auf die Maßregeln des Handelns, logisch, wenn er sich auf die Form der Begründung irgend einer Behauptung, religiös, wenn er sich auf religiöse, metaphysisch, wenn er sich auf metaphysische Fragen bezieht; eben so kann es einen juristischen, sittlichen, pädagogischen, medicinischen Z. geben etc. Transscendental nannte Kant den theoretischen Z., welcher nicht sowohl auf die Gegenstände, als auf die Quellen der Erkenntniß geht. Wer zum Zweifeln geneigt ist, den nennt man einen Zweifler; eine vorherrschende oft sich selbst quälende Neigung dazu, Zweifelsucht. Der Z. an der Richtigkeit überlieferter Ansichten u. Meinungen ist jedoch häufig der erste Schritt zu einer gründlicheren Untersuchung, wie z.B. Cartesius einen allgemeinen Zweifel an Allen, was man für wahr gehalten hat, als den Anfang der philosophischen Forschung betrachtet (Cartesianischer Z.). Wird der Z. als allgemeine Maxime des wissenschaftlichen Denkens festgehalten, so entsteht daraus der Skepticismus (s.d.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Zweifel — Sm std. (8. Jh.), mhd. zwīvel, ahd. zwīval m./n., mndd. twīfel, mndl. twivel m./n. Stammwort Aus g. * twīfla m. Zweifel , auch in gt. tweifls. Dazu zweifeln, mhd. zwīvel(e)n, zwīvelōn, ahd. zwīvalōn, zwīflōn, as. twīflian, twīflon, gt. tweifljan …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Zweifel — Zweifel: Die Substantive mhd. zwīvel, ahd. zwīfal, niederl. twijfel, got. tweifls beruhen auf einer Zusammensetzung, deren erster Teil zu dem unter ↑ zwei behandelten Wort gehört und deren zweiter Teil auf der unter ↑ falten behandelten idg.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Zweifel — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • bezweifeln Bsp.: • Darüber besteht kein Zweifel. • Es gibt keinen Zweifel daran …   Deutsch Wörterbuch

  • Zweifel [1] — Zweifel (Skepsis), der Zustand der Ungewißheit, in dem wir zwischen Bejahung und Verneinung eines Gedankens (theoretischer Z.), zwischen Billigung und Mißbilligung einer Handlungsweise oder Gesinnung (moralisch er Z.), zwischen Glauben und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Zweifel [2] — Zweifel, Paul, Mediziner, geb. 30. Juni 1848 in Höngg bei Zürich, studierte in Zürich, habilitierte sich 1874 in Straßburg und wurde 1876 Professor der Geburtshilfe und der Frauenkrankheiten in Erlangen, 1887 in Leipzig, wo er wie in Erlangen den …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Zweifel — Zweifel, Paul, Frauenarzt und Geburtshelfer, geb. 30. Juni 1848 zu Höngg bei Zürich, 1876 Prof. in Erlangen, 1887 in Leipzig; schrieb: »Lehrbuch der Geburtshilfe« (5. Aufl. 1903), »Krankheiten der weiblichen Genitalien« (1885), »Lehrbuch für… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Zweifel — (lat. dubitatio, ital. dubiezza, frz. doute, engl. doubt), derjenige Zustand der Ungewißheit, wo wir zu keinem bestimmten Urtheil od. Handeln zu gelangen vermögen, weil wir unter den dafür u. dagegen sprechenden Gründen das Rechte nicht… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Zweifel — ↑Skepsis, 1Skrupel …   Das große Fremdwörterbuch

  • Zweifel — Unglaube; Ungläubigkeit; Misstrauen; Unglauben; Skepsis; Argwohn; Verunsicherung; Ungewissheit; Hader; Unsicherheit; Zwiespalt; Bedenken …   Universal-Lexikon

  • Zweifel — Kunstaktion Palast des Zweifels am Berliner Palast der Republik, 2005 Zweifel (mittelhochdeutsch zwîvel, althochdeutschh zwîval aus germanisch twîfla, „doppelt, gespalten, zweifach, zwiefältig“) ist ein Zustand der Unentschiedenheit zwischen… …   Deutsch Wikipedia