Epheu


Epheu

Epheu, 1) die Pflanzengattung Hedera aus der Familie der Araliaceen, mit vorspringendem od. gezähntem Kelchrande, 5–10 an der Spitze nicht mützenförmig zusammenhängenden Blumenblättern, 5–10 Staubgefäßen, 5–10 zusammenneigenden od. in einen einzigen zusammengewachsenen Griffeln u. 5–10fächerigen Beeren; 2) insbesondere deren Art H. helix, Gemeiner E. in den meisten Ländern Europas häufiger, kletternder Strauch, mit zahlreichen Saugwurzeln, an Mauern, Felsen, Bäumen sich fest anlegend u. dieselben bisweilen haushoch überziehend. Die abwechselnden, lang gestielten, lederartigen, immergrünen Blätter an den Zweigen sind winkelig drei- bis fünflappig; an den aufrecht stehenden Blüthenzweigen eiförmig. Die grünlichen doldenständigen Blüthen bringen schwarze, erbsengroße Beeren. Nur sehr alte, große, an Mauern wachsende Stöcke kommen zur Blüthe. In Gärten kommt der E. mit bunten, auch größeren Blättern vor. Auf den Canarischen Inseln wächst eine Art mit rothen Beeren: H. canariensis, u. im Orient, bis nach Indien, eine viel größere, mit gelben Früchten: H. chrysocarpa, welche bes. dem Bacchus geheiligt war. Die Blätter gebrauchte man sonst in Absud bei Hautausschlägen, Geschwüren etc., empfiehlt sie in neuerer Zeit gepülvert gegen Lungenkrankheiten, legt sie auch frisch auf Fontanelle u. Seidelbastwunden, um eine gelinde Eiterung zu unterhalten, u. in Essig geweicht auf Leichdornen, um diese zu vertreiben. Aus dem sehr porösen Holze dreht man Fontanellkügelchen, benutzte es auch im Alterthum, um den Wein zu filtriren, der dadurch entwässert werden sollte. Die säuerlich-bitterlichen Beeren sollen Schweiß treiben u. Brechen erregen. Aus dem Stamme schwitzt, bes. im Orient, das in rauhen, zerreiblichen, braunen od. dunkelgrünen, halbdurchsichtigen, auf dem Bruche glänzenden Stücken, gerieben od. auf glühende Kohlen gestreut, wohlriechende Epheuharz (Gummi hederae), jetzt nur noch als Zusatz zu Räucherpulvern in Gebrauch.[792] Als Zierpflanze in Töpfen gezogen ist der E. sehr beliebt; man hat von ihm auch eine gold- od. silber- gescheckte Abart, die wegen ihres schönen Ansehens sehr beliebt ist. E. liebt übrigens Lauberde, viel Schatten u. nicht zu viele Feuchtigkeit; gewöhnlich wird er durch Stecklinge fortgepflanzt. Gern benutzt man ihn auch zur Bekleidung von rauhen Wänden u. Grabstätten. Der E. war dem Bakchos gewidmet; daher er selbst u. die in dessen Mysterien Eingeweihten Epheukränze trugen, so auch Priester u. Volk an Festen des Gottes Epheuranken dienten häufig zu Einfassungen von Vasen u. Trinkgeschirren. Jetzt ist der E. das Symbol der Beständigkeit.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Epheu — Epheu, s. Efeu …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Epheu — Epheu, Hedera Helix (Pentandria Monogynia. Araliaceae), bekannter Kletterstrauch, seiner schönen immergrünen Blätter wegen zu Decorationen aller Art benützt. Die Spielart hibernica mit breiten, sehr dunkeln Blättern ist besonders zu empfehlen,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Epheu — 1. Epheu hängt sich überall an. Frz.: Ce cuide li lierres que tuit soyent ses frères. (Leroux, I, 52.) 2. Schweigsamer Epheu klettert behend die Eiche hinauf. *3. Sich mit Epheu schmücken, wenn das Fest vorbei ist. (Altgr.) Wenn die Alten das… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Epheu, der — Der Epheu, des es, plur. car. eine staudenartige Pflanze, welche in Europa auf den Bäumen und Zäumen wohnet, an den Wänden und alten Stämmen hinauf klettert, und ihr Laub auch im Winter behält, daher sie auch Wintergrün genannt wird; Hedera Helix …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Chinesischer Epheu — Chinesischer Epheu, s. Lo …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bacchvs — BACCHVS, i, Gr. Βάκχος, ου, (⇒ Tab. X. & ⇒ XVI.) 1 §. Namen. Diesen soll er, nach einigen, von βαχέω, ich heule, ich kreische, haben; Eustath. ap. Ludov Vivem ad Augustin. de C. D. lib. VI. c. 9. wogegen ihn andere von ἴακχος, und dieses wieder… …   Gründliches mythologisches Lexikon

  • Bakchos — (Dionysos), Gott des Weins, Sohn des Zeus u. der Semele. Als Semele sich über den in dem Strahlenglanze seiner Majestät erscheinenden Zeus entsetzte u. starb, entsank das Kind ihrem Schooße, ward von Epheu umschlossen, der plötzlich den Säulen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Hedĕra — (Epheu, H. L.), Pflanzengattung aus der Familie der Araliaceae, 5. Kl. 2. Ordn. L.; Rand des Kelches vorspringend od. gezähnt, 5–10 Blumenblätter, an der Spitze nicht mit einander verwachsen, 5–10 Staubgefäße, 5–10 zuneigende Griffel od. in einen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Äppich, der — Der Äppich, des es, plur. inusit. ein Nahme, welcher besonders in Oberdeutschland verschiedenen Gewächsen beygeleget wird. 1) Dem Epheu; Hedera, L. S. Epheu. 2) Dem Selleri; Apium dulce, L. 3) Der Petersilie; Apium Petroselinum, L. 4) Dem so… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart