Staatsrath


Staatsrath

Staatsrath, 1) in größeren Staaten eine dem Staatsoberhaupt zur Seite stehende berathende Behörde, welche im Allgemeinen die Bestimmung hat die Erzielung fester, gereifter u. übereinstimmender Grundsätze über die Staatsverwaltung zu erzielen u. neben den wechselnden Ministerien, welche die Chefs der Verwaltung sind, eine blos berathende Behörde ohne Verwaltungsbefugniß zu bilden. Eine besondere Wichtigkeit hat das Vorhandensein eines S-s in der absoluten Monarchie, indem derselbe dort zum großen Theil zugleich die Stellung einer Kammer übt u. eine Garantie dafür bietet, daß der absolute Monarch die Gesetze mindestens nach reiflicher Erwägung hervorragender Capacitäten erlasse. Aber auch in den constitutionellen Staaten bietet der S., ungeachtet der hier nothwendigen Genehmigung der Gesetze durch die Kammern u. der Verantwortlichkeit der Minister, mindestens eine verstärkte Sicherheit dafür, daß die Entwürfe der Gesetze u. Verordnungen nicht ohne genügende Überlegung u. unter Berücksichtigung aller einschlagenden Verhältnisse an die Kammern gelangen, so wie daß den wechselnden Parteiströmungen in den Ministerien u. Kammern eine festere Einsicht in die wahren Bedürfnisse des Staates zur Seite bleibe. Die Zusammensetzung des S-s ist daher darauf berechnet in demselben solche Kräfte zu vereinigen, welche sich durch umfassende Geschäftskenntniß, einen freien Überblick über die Gesetzgebung u. Verwaltung, so wie durch eine gesicherte, dem Parteigetriebe entrückte Lebensstellung auszeichnen. Über die Zusammensetzung der S-e in den einzelnen Ländern s. die bezüglichen Artikel. Die Hauptaufgabe des S-s besteht in der Begutachtung der Gesetzentwürfe u. sonstiger allgemeiner Normativen; indessen sieht es dem Monarchen frei auch andere Gegenstände dem S. zur Begutachtung zu überweisen, z.B. wenn sehr eingreifende Entschlüsse im Interesse der Staatssicherheit zu fassen, wichtige Streitfragen zu entscheiden sind. Zuweilen ist dem S. als. eine eigene Befugniß auch die Entscheidung von Competenzconflicten (s.d.) zwischen den einzelnen Ministerien zugewiesen. 2) Bloßer Titel für obere Staatsbeamte, namentlich vortragende Röthe in den Ministerien; 3) in Rußland ein bloßer Ehrentitel, wie in Deutschland z.B. Hofrath.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Staatsrath — Staatsrath, in den europ. Monarchien eine Behörde, mit der die Regenten sich über Staatsangelegenheiten berathen …   Herders Conversations-Lexikon

  • Staatsrath, der — Der Staatsrath, des es, plur. die räthe. 1. Ein Collegium, welches die Angelegenheiten eines Staates verwaltet, und zu welchem die Staatskanzelley gehöret. In manchen Staaten, z.B. zu Wien ist es ein Raths Collegium, welches nur die innern… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Schweiz [2] — Schweiz (Gesch.). Die ersten Bewohner der S. sollen celtischen Ursprungs gewesen u. von Nordost eingewandert sein. Sie waren in vier Stämme getheilt, wurden zusammen Helvetier genannt u. lebten in freier Verfassung. Nach ihnen hieß das Land… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Frankreich [3] — Frankreich (Gesch.). I. Vom Anfang der geschichtlichen Zeit bis zum Ende der römischen Herrschaft, 486 v. Chr. Die ersten Bewohner des heutigen F s waren Celten (s.d.), von den Römern Gallier genannt; nur einzelne Theile des Landes wurden zu der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Frankreich [2] — Frankreich (n. Geogr. u. Statist.), La France, Kaiserthum im westlichen Europa, erstreckt sich in einer Länge von 130 Meilen von 42°20 bis 51°5 nördl. Br. u. in einer Breite von 125 Ml. von[497] 12°52 bis 25°51 östl. L. (v. Ferro), grenzt im… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Norwegen [1] — Norwegen (Norre, Norrige, Norge), Königreich, dessen König zugleich König von Schweden ist, bildet den westlichen Theil der Skandinavischen Halbinsel; grenzt an das Eismeer, Rußland, Schweden, den Skager Rack, die Nordsee u. den Atlantischen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spanien [3] — Spanien (Gesch.). I. Vorgeschichtliche Zeit. Die Pyrenäische Halbinsel war den Griechen lange unbekannt; als man Kunde von dem Lande erhalten hatte, hieß der östliche Theil Iberia, der südöstliche od. südwestliche Theil jenseit der Säulen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tessīn — Tessīn, 1) (Ticīno, spr. Titschino), linker Nebenfluß des Po im Schweizercanton T., dem er den Namen gibt, u. in Oberitalien, entspringt aus drei Quellen am St. Gotthard u. am Nüsenenpasse, nimmt die Abflüsse aus den Seen der Piora Alpen, den… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Türkisches Reich [2] — Türkisches Reich (Gesch.). Das jetzt schlechtweg Türken, eigentlich Osmanen genannte Volk ist blos ein Zweig des großen Volksstammes der Türken (s.d.). Diese kommen bereits bei Plinius u. Mela als Turcä vor u. wohnten damals in Sarmatien in den… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mounĭer — (spr. Munië), 1) Jean Josephe, geb. 12. Nov. 1751 in Grenoble; studirte Jurisprudenz, wurde dann Advocat, kaufte sich 1783 in Grenoble eine Richterstelle, wurde 1789 von der Dauphiné als Deputirter für die Etats généraux gewählt u. 29. Sept. 1789 …   Pierer's Universal-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.