S, ſ, s


S, ſ, s

S, ſ, s (letzteres am Schluß eines Wortes od. einer Sylbe), 1) als Buchstab: griechisch Σ od. C, σ, ς (letzteres Schluß-S, Sigma); lateinisch u. romanisch S, s; hebräisch ז (Sajin), ש (Sin), ס (Samech); im griechischen u. lateinischen Alphabet der 18, in dem deutschen u. romanischen der 19.; im hebräischen (ז) der 7. od. (ס) der 15. od. (ש) der 21. Als Laut gehört das s (Sauselaut) zu den Dentalen, wird über die vor die Zähne tretende Zunge gezischt, u. zwar gelinder od. härter, je nachdem seine Stellung od. Verbindung ist. Die Verdoppelung des ſ wird nach gemeinem Gebrauch durch ſſ, des s aber durch ß gegeben, ist aber grammatisch betrachtet nicht durchgehend richtig, da ff eigentlich als Zeichen der Schärfung des vorhergehenden Vocals, ß dagegen für die weichere Adspirate der Zungenlaute gebraucht sein sollte, für welche letztere in anderen deutschen Sprachen, als der Hochdeutschen, ein t steht; im Mittelalter wurde dafür ß geschrieben, od. zz od. zs, erst seit dem 13. Jahrh. sz, welche Bezeichnung dann in der lateinischen Schrift lange geblieben ist; 2) als Zahlzeichen: a) im Hebräischen: ז = 7 (ז = 7000).[636] ס = 60 (S, ſ, s = 300,000), ש = 300 (S, ſ, s = 300,000); b) im Lateinischen = 90, S, ſ, s = 90,000; c) im Griechischen S, ſ, s = 200, S, ſ, s = 200,000; d) in der Rubricirung = 18; 3) als Abkürzung: a) in griechischen Rechnungen = Stater (s.d.), z.B. Σ = 1 Stater, ΣΣ 2 Stater etc., 5 aber werden bezeichnet durch Γ, 6 = ΓΣ etc., 10 durch Δ; b) in römischen Rechnungen = 1/2 Drachme (s. Semi); auf Münzen, Denkmälern, in Handschriften etc. = sive, sacer, sanctus, semissis, senatus, signavit, spes, securitas, salutem; c) in deutschen Büchern = siehe, Seite; d) in philosophischen Lehrbüchern aa) = Subject u. Unter begriff; bb) so v.w. Simplex conversio, d.i. einfache Umkehrung des Subjects u. Prädicats in kategorischen Urtheilen; cc) in der Formel C = S/T so v.w. Spatium (Raum), s. C 3) i); e) im Buchhandel S = 19 Thlr., s = 19 gGr.; f) auf französischen Münzen der Prägort Troyes, auf spanischen Sevilla; g) auf Recepten entweder sumatur (man nehme), od. signetur (man bezeichne), s. Recept; h) so v.w. Sous; i) auf den Wielizkaer Salzfässern so v.w. Schiebiges Salz, die geringste Sorte; k) auf englischen Uhren so v.w. slower, langsamer; 4) die krumme messingene Röhre, welche an das Fagott als Mundstück gesteckt wird, weil sie die Form eines S hat; 5) auch so v.w. Sinistra; 6) chemisches Zeichen für Sulphur = Schwefel; 7) S romanum, die S-förmige Krümmung des Grimmdarmes, s.u. Darm 2) B) b).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.