Germanen


Germanen

Germanen, ist bei den Römern u. Griechen der Gesammtname für die in Deutschland (Germania) wohnenden u. nach Gallien hinüber gekommenen Völkerschaften; doch wurde er in dieser Ausdehnung etwa erst seit den Feldzügen Cäsars in Gallien gebraucht. Schon vorher war der Name, wenigstens zur Zeit des Cicero (56 v. Chr.), in Rom bekannt, doch bezeichnete man damit nur einzelne, den Galliern benachbarte Völkerschaften, wie nach der Aussage des Tacitus unter Andern die Tungri; schon zu Cäsars Zeit wurde eine Gruppe kleiner, weniger zahlreicher Völkerschaften, wie die Condrusi, Segui, Eburones, Cäräsi, Pämani, die um die Ardennen in der Nachbarschaft gallischer Stämme wohnten, unter dem Namen G. zusammengefaßt. Der Name, welcher durch die Gallier zu den Römern gelangte, ist (trotz der vielen, aber durchaus mißlungenen Etymologien, etwa von ger [Spieß] od. wer [Wehrmänner] u. dgl.) nicht deutschen (od. gar lateinischen, von germanus, verschwistert, verbrüdert), sondern celtischen Ursprungs u. wurde den von den Galliern gefürchteten kriegerischen deutschen Nachbarn nach Leo, I. Grimm u. Brandes wegen des bei ihnen zu Beginn der Schlacht üblichen Kriegsrufs (kymrisch garm, irisch gairm d.i. Schall, Ruf) beigelegt, od. bedeutet einfach (nach Zeuß's sprachrichtigerer Ableitung vom kymrischen ger, altirisch gair, benachbart, gaelisch gair, Nachbarschaft) Nachbarvölker. Die Deutschen selbst, welche bis tief ins Mittelalter herein keinen Namen für ihre nationale Gesammtheit besaßen, kannten daher den Namen G. nicht; wo derselbe bei den Deutschen selbst erscheint, ward er ihnen (so wie den Engländern) durch die Herrschaft Roms u. der Römischen Kirche auf administrativem od. literarischem Wege zugeführt. Im 3. Jahrh. wird von den Römern sehr häufig der Stamm der Alemannen mit dem Gesammtnamen Germanen bezeichnet; später bei den Galliern u. bei den byzantinischen Schriftstellern findet sich der letztere für Franken gebraucht. Die neuere Geschichts- u. Sprachforschung hat den Namen Germanen zur Gesammtbezeichnung für alle zu demselben Stamm gehörigen Völker, die auch außerhalb Deutschlands gewohnt haben od. noch wohnen, erhoben, wie für die Friesen, Gothen, Niederländer, Skandinavier, Engländer; s. Germanische Völker.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Germanen — Germanen, arischer Volksstamm, gehören mit Griechen und Thrako Illyriern, Romanen, Slawen, Letten und Kelten zur westlichen Gruppe der Arier und bewohnen außer dem Deutschen Reich, wo sie die weit überwiegende Hauptmasse der Bevölkerung ausmachen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Germanen — Germanen, so hießen die alten, den Römern so furchtbaren Deutschen, deren ernsten Charakter und strenge Sitten der röm. Geschichtschreiber Tacitus beschreibt. Zu ihnen zählten sich eine Menge Stämme und Völker, die unter den Namen Friesen,… …   Damen Conversations Lexikon

  • Germanen — Germānen (lat. germani, kelt. Ursprungs, Bedeutung ungewiß), bei den Römern die Bewohner von Germania (s.d.), jetzt Gesamtname aller zum german. Sprachstamm (s. Germanische Sprachen) der indogerman. Völkerfamilie gehörigen Völker: Deutsche,… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Germanen — Als Germanen wird eine Anzahl von ehemaligen Stämmen in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren ethnische Identität in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Kennzeichen sind bestimmte Lautwandel gegenüber …   Deutsch Wikipedia

  • Germanen — I Germanen   Die Bezeichnung Germanen wird auf eine Vielzahl von Völkern und Stämmen in Nord und Mitteleuropa, die der indogermanischen Sprachfamilie angehören, angewendet. Der Name, dessen Bedeutung unklar ist, wurde ursprünglich von den Kelten… …   Universal-Lexikon

  • Germanen — Die heutigen Namen sind in Klammern beigefügt. Die Buchstaben und Zahlen zwischen den Linien | D3 | bezeichnen die Quadrate der Karte. I. Britannia.B E, 1 3 Aquae Sulis (Bath)C3 AtrebatesD3 BelgaeCD3 BlatobulgiumC1 Bolerium Prom. (Kap Landsend)B3 …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Germanen — Germanenpl dasisteinWein(o.ä.),vondemschondiealtenGermanensagten:»oWein(o.ä.)!«=dasisteinhervorragenderWein.DiealtenGermanensinddenSchülerndurchTacitusgeläufigalsKennerguterHausmannskost.AuchSpottausdruckaufLateinübersetzungenaltenStils.1930ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • Germanen: Unterwegs zu höherer Zivilisation —   Die älteste Nachricht über Germanen findet sich in dem um 80 v. Chr. niedergeschriebenen Geschichtswerk des Poseidonios von Apameia. Als Zitat aus dem 30. Buch ist ein Satz über die Essgewohnheiten von Germanen überliefert: Als Hauptmahlzeit… …   Universal-Lexikon

  • Germanen und Römisches Reich —   Schon 113 v. Chr. waren die wohl durch eine Sturmflut aus ihrer Heimat Jütland vertriebenen Kimbern, Teutonen und andere Gruppen in das Gebiet des Römischen Reiches eingedrungen, das damals bis in die südlichen Alpen reichte, und hatten… …   Universal-Lexikon

  • Germanen und Christentum —   Im römischen Germanien gab es in der Zeit vor Konstantin dem Großen schon Christen. Mindestens in Köln gab es auch bereits eine Bischofskirche; der erste nachweisbare Bischof Maternus nahm 313 und 314 an Synoden in Rom und Arles teil. Die von… …   Universal-Lexikon