Schwalbe [1]

Schwalbe [1]

Schwalbe (Hirundo), 1) Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, Familie der Spaltschnäbel; [498] Schnabel klein, an der Wurzel flach gedrückt, an der scharfen Spitze umgebogen, Rachen weit, Füße kurz, Gefieder dicht, Schwingen lang, Flug schnell u. fast unausgesetzt. Neuerdings getheilt in Segler, Nachtschwalben u. 2) eigentliche S. od. Tagschwalben (Hirundo Cuv.). mit weniger langen Flügeln, gabelförmigem Schwanze, kleinen Füßen. Die Streitfrage, ob die S-n Zugvögel sind od. nicht, ist jetzt dahin entschieden, daß die europäischen Arten bei uns Zugvögel sind u. nach Afrika ziehen. Einzelne Spätlinge, welche in dem Herbste, der Insecten halber, an den Gewässern umherfliegen u. vom Froste überrascht, im Schilfe, in Erdhöhlen u. Schlamm der Ufer todt gefunden werden, haben zu der weit verbreiteten Sage Veranlassung gegeben, daß die S-n in diesen Höhlen od. in dem Schlamm einen Winterschlaf hielten, wogegen indeß schon ihre Organisation als Vögel u. der Versuch spricht S-u unter das Wasser od. in einen Eiskeller zu bringen, wo sie stets sterben. Bes. gilt das Bleiben der S-n von den Uferschwalben (s. unten). Jährlich trifft man auch S-u auf ihrer Wanderung nach Afrika an u. bemerkt, daß sie dort nach ihrer Ankunft an dem Meere umherfliegen, jedoch ohne Nester zu bauen. Arten: a) Rauchschwalbe (Hausschwalbe, H. rustica. H. domestica), Stirn u. Keble kastanienbraun, sonst schwarzblau metallischglänzens, unten weist, Schwanz mit weißen Augen, die äußersten Schwanzfedern sehr lang; baut ihr Nest innerhalb der Gebäude, in Essen u. dgl., aus Koth u. Stroh od. Heu, brütet zweimal, füttert die Jungen oft fliegend, findet sich in allen Erdtheilen, kommt im April einzeln, zieht im September schaarenweis fort, frißt fliegende Insecten; wird von Schwalbenläufen u. Schwalbenlausfliegen, Wanzen u. dgl. gepeinigt, welche oft die Jungen tödten; nützt durch Weglangen von Insecten, weshalb es auch fast überall für ein Unrecht gilt sie zu tödten; doch essen sie manche Völker. b) Hausschwalbe (H. urbica, H. agrestis), schwarz, unten u. (daran leicht kenntlich) am Bürzel weiß, mit ungeflecktem Schwanze, variirt weiß, baut ihr Nest außerhalb der Häuser, bis auf einen Eingang ganz zugewölbt, nur aus zusammengekitteten Kothklümpchen, fliegt weniger schnell wie jene, aber höher, kommt 14 Tage später, geht einige Tage früher fort, in allen gemäßigten u. nördlichen Theilen der Erde. c) Uferschwalbe (H. riparia), oben u. an der Brust aschgrau-braun, unten weiß, mit aschgrauem Brustgürtel, Schwanzfedern ungefleckt, wechselt auch in her Farbe, fliegt schnell u. schwankend, lebt in gemäßigten u. nördlichen Gegenden, bes. am Rhein, nistet in Uferlöchern. d) Felsen- od. Bergschwalbe (H. rupestris, H. montana Gmel.). oben braun, alle Federn mit rothgelben Rändern, etwas gabelförmiger Schwanz mit einigen weißen Flecken, Unterseite schmutzigweiß, auf Felsen in Savoyen, Südfrankreich u. Südspanien. Von ausländischen: e) Salangane (H. esculenta), nur 31/2 Zoll lang, braun, unten weißlich, Schwanz gegabelt, mit weißer Svitze, in Ostindien, baut sich ein weißliches, blätteriges Nest aus gallertartigem, eßbarem Stoffe, s.u. Indianische Vogelnester. f) Riesenschwalbe (H. gigantea), umberfarbig mit grunlichem Nacken u. Schwanze, klettert mit Hülfe ihrer nackten Schwanzfedern an Felsen, aus Bantam, u.m.a. g) Thurmschwalbe, s.u. der Gattung Segler. h) Nachtschwalben (s.d.). S. galten im Alterthum bei den Angurien für unglückliche Anzeigen, mythisch gilt die S. für die verwandelte Prokne (s.d.). g) Eine Art Terebratuliten, s.d.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

См. также в других словарях:

  • Schwalbe — Schwalbe …   Deutsch Wörterbuch

  • Schwalbe II — Schwalbe Das Motorschiff Schwalbe p1 …   Deutsch Wikipedia

  • Schwalbe — Sf std. (9. Jh.), mhd. swalwe, swalbe, ahd. swalawa, swalbe, as. swala, mndd. swale m./f., mndl. swaluwe, zwaluwe u.ä. Stammwort. Aus g. * swalwōn f. Schwalbe , auch in anord. svala, ae. swealwe, afr. svala. Weitere Herkunft unklar; vielleicht zu …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Schwalbe [2] — Schwalbe, Hans, Küchenjunge auf dem Schloß in Altenburg zur Zeit des Prinzenraubes, s.d …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schwalbe — (Hirundo L.), Gattung der Sperlingsvögel aus der Familie der Schwalben (Hirundinidae), kleine, breitbrüstige, kurzhälsige, plattköpfige Vögel mit kurzem, plattem, an der Spitze etwas gekrümmtem Schnabel, sehr weiter Rachenöffnung, kurzen,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schwalbe — Schwalbe, Gustav, Anatom, geb. 1. Aug. 1844 in Quedlinburg, Prof. in Jena, Königsberg, 1883 in Straßburg, bekannt durch seine Untersuchungen über den Neandertalschädel, schrieb »Lehrbuch der Neurologie« (1881) u.a …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Schwalbe — Schwalbe, der bekannte Zugvogel im schlichten grauen Hauskleide, welches ihm recht gut steht bei seiner Neigung, sich traulich in den Häusern der Menschen einzunisten, einer der am sehnsüchtigsten erwarteten Vorboten des Lenzes. Die S. hat einen… …   Damen Conversations Lexikon

  • Schwalbe — Schwalbe, lat. Hirundo, Vogelgattung aus der Ordnung der S.nartigen, mit kurzem, dreieckigem Schnabel, weitem Rachen, langen und spitzigen Flügeln, kurzen, schwachen Füßen und meist gabelförmigem Schwanz. Sie fliegen mit reißender Schnelligkeit… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Schwalbe — Schwalbe: Der altgerm. Vogelname (mhd. swalwe, swalbe, ahd. swal‹a›wa, niederl. zwaluw, engl. swallow, schwed. svala) hat keine sicheren außergerm. Entsprechungen. Nach dem gegabelten Schwanz des Vogels heißen ein Schmetterling und eine bestimmte …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schwalbe — 1. An den Schwalben merkt man, dass es Sommer ist. Die Schwalbe gilt sehr allgemein als Verkünderin des Frühlings. Ihre Rückkehr wird in Griechenland durch die Jugend gefeiert, die, wie bei uns am Lätare Sonntag den Tod austreibend, dort am 1.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon


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