Tinctur


Tinctur

Tinctur (v. lat. Tinctura), 1) die Färbung, der Anstrich; 2) der Anstrich der heraldischen Körper, sowohl des Schildes, als auch des Helms u. aller auf beiden vorkommender Dinge; sie zerfällt in natürliche, wenn der Anstrich mit dem Urbild übereinkommt, u. künstliche, wenn ihm die der Heraldik eigenen T-en, die Metalle, Gold (gelb) u. Silber (weiß) u. die Farben gegeben sind, man bezeichnet sie durch Schraffirungen. Über die abwechselnden T-ens. Abgetheilte Farben Bd. I. S. 34; 3) ein gefärbter flüssiger Körper; 4) mit Weingeist, Äther, Ammoniumflüssigkeit etc., durch Digestion od. durch längeres Maceriren in kühler Temperatur bereitete Auszüge von arzneilichen Stoffen, bes. aus dem Pflanzenreiche (wie Kräutern, Rinden, Wurzeln etc.). Ist nur ein Stoff ausgezogen, so heißt die T. einfach; sind es mehre, zusammengesetzt; s. Tinctura; 5) manche Auflösungen, z.B. des äpfelsauren Eisens. 6) T. des Philosophen (Philosophische T., Tinctura philosophiae, T. philosophica), Flüssigkeit, welche die Kraft besitzen sollte, unedle Metalle in edle zu verwandeln u. durch einige Tropfen den Körper zu verjüngen u. das Leben zu verlängern. Daher wurde diese T. auch Universaltinctur u. Stein der Weisen (s.d.) genannt. Vgl. Clauder, De tinctura universali, Altenb. 1678.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Tinctur, die — Die Tinctūr, plur. die en, aus dem Latein. Tinctura, und dieß von tingere, färben, ein gefärbter flüssiger Körper; besonders in der Chymie und Medicin, ein flüssiger Körper, in welchen die leicht auflöslichen und entwickelten wirksamen Theile… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Philosophische Tinctur — Philosophische Tinctur, so v.w. Tinctur 6) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Thebaische Tinctur — (Tinctura thebaica), so v.w. Opiumtinctur …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Weiße Tinctur — Weiße Tinctur, s.u. Alchemie S. 278 …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Eīsen-Tinctūr, die — Die Eīsen Tinctūr, plur. von mehrern Arten, die en, ein von aufgelösetem Eisen oder Eisenroste gefärbter flüssiger Körper; Tinctura Martis …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Gold-Tinctur, die — Die Góld Tinctūr, plur. von mehrern Arten, die en, in der Arzeneykunst, ein geistiger vermischter flüssiger Körper, welcher aufgelösetes Gold in sich enthalten soll, dergleichen man mehrere Arten hat; Tinctura Solis, bey einigen auch trinkbares… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Ehrenstücke — (Herald.), Figuren, welche der Wappenkunst eigenthümlich u. nicht eigentliche Abbildungen natürlicher Gegenstände sind u. größtentheils aus der ungleichen Vertheilung der Tincturen in den Plätzen eines Schildes entstehen, wodurch sie sich von den …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tinctura — Tinctura, so v.w. Tinctur 4). T. absinthii, Wermuthtinctur. T. aconīti, Sturmhuttinctur. T aconiti aetherĕa, ist nach den verschiedenen Pharmakopöen verschieden, meist wird der gewöhnlichen [605] Tinctur Äther hinzugesetzt. T. s. Essentia… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schild [2] — Schild (Wappenschild), die Figur, welche zur Aufnahme der Wappenbilder bestimmt ist. I. Die älteste Form des Turnierschildes war ein Dreieck, dessen Höhe sich zur Breite wie etwa 7: 6 verhielt, daher liegt eben so wohl dies Verhältniß, wie die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Thiere — (Animalia), sind organische Naturproducte mit freiwilliger Bewegnug, welche empfinden u. sich der Empfindung bewußt werden. A) Unterscheidungsmerkmale. Wie die Mineralien auf die Weise entstehen, daß sich einzelne Theilchen (Molecüle) einander… …   Pierer's Universal-Lexikon