Seelenverkäufer

Seelenverkäufer

Seelenverkäufer, 1) (Zettelverkäufer), in Holland Personen, welche Matrosen od. Soldaten zum Dienst für die Colonien anzuwerben suchten, dieselben bis zur Abfahrt der Schiffe unterhielten u. sich dann von dem Solde derselben bezahlt machten. Sie bekamen deshalb bei der Abfahrt einen Schuldbrief (Transportzettel) auf 150 Fl. ausgefertigt, welche, wenn der Verkaufte am Leben blieb diesem vom Lohne abgezogen u. dem S. ausgezahlt wurden. Diese Transportzettel wurden von dem S. für einen niedrigeren Preis an Capitalisten verkauft, welche dann den möglichen Gewinn ziehen konnten od. den Verlust tragen mußten. Es wurde aber mit jenen Zetteln, so wie mit den sogenannten Monatszetteln, worin ein Angeworbener seinen Verwandten in Europa versprach sich jährlich ein Paar Gulden von seinem Solde abziehen u. das Geld jenen auszahlen zu lassen, arger Mißbrauch getrieben. Diese S. wandten allerlei Kunstgriffe u. selbst Gewalt an, um Menschen, bes. unerfahrene junge Leute u. Fremde in dieser Absicht in Trinkhäuser, Bordelle u.a. dgl. Lustorte zu locken u. so in ihre Hände zu bekommen. Sie wurden dann durch Einkerkerung in ein finsteres Loch u. durch Mißhandlungen mürbe gemacht, in einigen Handgriffen geübt u. als gediente Soldaten den Abgeordneten der Compagnien vorgestellt, etwaige Reclamationen u. Schreien nach Gerechtigkeit wurde überhört, od. als bloße Ausbrüche der Reue nach eingegangenem Engagement betrachtet. Jetzt ist dieses Unwesen durchweg abgeschafft. Auch in Seestädten anderer Länder wurde sonst die Seelenverkäuferei, obgleich verboten, doch betrieben. 2) Der einen Menschen für Geld in die Gewalt eines anderen gibt, z.B. geraubte Kinder an Seiltänzer verkauft.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Seelenverkäufer — (Zettelverkäufer), in Holland Personen, die Matrosen oder Soldaten zum Dienst für die Kolonien anwarben, sie bis zur Abfahrt der Schiffe unterhielten und sich als Zwischenhändler auf Kosten der Geworbenen gewissenlos bereicherten. Ihre Sicherheit …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Seelenverkäufer — hießen früher in Holland Leute, welche junge Leute für den Dienst der holländ. ostind. Compagnie anwarben u. dabei alle schlechten Mittel spielen ließen, auch Gewalt anwandten. Für jedes Individuum erhielten sie einen auf 150 fl. lautenden… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Seelenverkäufer — Seelenverkäufer,der:⇨Schiff …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Seelenverkäufer — Die „Liste seemännischer Fachwörter“ ist ihres Umfangs wegen geteilt. Ihre erste Hälfte siehe unter Liste seemännischer Fachwörter (A bis M). Dies ist eine Liste speziell seemännischer Fachausdrücke (neben Soziolekten auch umgangssprachliche… …   Deutsch Wikipedia

  • Seelenverkäufer — See|len|ver|käu|fer 〈m. 3; fig.; umg.〉 1. 〈veraltet〉 Anwerber von Soldaten, bes. Matrosen, für den Dienst in den Kolonien 2. jmd., der Menschen für Geld an andere ausliefert 3. 〈fig.〉 altes, nicht mehr verkehrssicheres Schiff * * *… …   Universal-Lexikon

  • Seelenverkäufer — * Es ist ein Seelenverkäufer. Man versteht bei uns Leute darunter, die auf irgendeine verhüllte Art Menschenhandel treiben, z.B. für nichtvaterländische Heere Krieger anwerben, gegen Bezahlung zur Auswanderung nach Gegenden und in Länder… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Seelenverkäufer, der — Der Seelenverkäufer, des s, plur. ut nom. sing. von Seele, Person, Mensch, ein Nahme, welchen man in Holland denenjenigen Leuten gibt, welche Matrosen für die Schiffe in voraus annehmen, sie bis zur Abfahrt unterhalten, und sie bey der Abfahrt… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Seelenverkaufer — (seem.) nicht mehr voll seetuchtiges Schiff, das abwrackreif ist; illegaler Heuerbaas …   Maritimes Wörterbuch

  • Seelenverkäufer — Seelenverkäuferm 1.Sklavenhändler;Matrosenwerber;Auswanderungsagent.GehtwahrscheinlichaufeinndlMusterzurück.Seitdemausgehenden17.Jh. 2.Reeder,derseinePassagierenichtvorschriftsmäßigbefördert.Seitdem19.Jh.… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • Seelenverkäufer — See|len|ver|käu|fer (umgangssprachlich für skrupelloser Mensch; Seemannssprache zum Abwracken reifes Schiff) …   Die deutsche Rechtschreibung

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