Stahlstich


Stahlstich

Stahlstich (Siderographie), eine Zeichnung, welche nach der Weise des Kupferstichs (s.d.) in Stahl eingeschnitten (gravirt, gestochen) wird. Man hält den S. gewöhnlich für eine neuere, englische (od. nordamerikanische) Erfindung, aber schon im 15. Jahrh. kommen von Dürer u. später von Hopfer S-e vor u. die Platten hierzu sind zum Theil noch vorhanden. Doch wurde die Kunst in Stahl zu stechen od. zu ätzen allerdings erst in neuerer Zeit von dem Engländer Charles Heath u. den Amerikanern Perkins u. Fairmann vervollkommnet u. verallgemeinert u. durch Karl Frommel auch in Deutschland eingeführt. Man wendet Platten aus Gußstahl an, welche behufs der Gravirung auf der Oberfläche weich gemacht werden müssen. Dies geschieht durch eine Kohlenstoffberaubung (Entkohlungsproceß, Decarbonisation), durch welche die Oberfläche in weiches Eisen verwandelt wird, dadurch ist es möglich in den Stahl zu graviren. Nach dem Graviren wird die Platte gehärtet u. dadurch wieder in S. verwandelt. Einer solchen harten gravirten Platte bedient man sich als Matrize, um mittelst derselben Patrizen anzufertigen, welche zur beliebigen Übertragung des Stiches auf andere Platten dienen. Zur Anfertigung der. Patrizen dient eine Walze (Cylinder) aus Gußstahl, welche eine so große Oberfläche besitzen muß, daß diese die Platte gerade bedeckt. Diese Walze wird auf der Oberfläche ebenfalls decarbonisirt, dann in die Übertragungspresse (Transferpress) eingeschoben u. mit großer Gewalt gegen die Matrize angepreßt, so daß sich die Zeichnung auf die Patrize rein überträgt u. auf dieser erhaben zum Vorschein kommt. Darauf wird die Patrize eben so gehärtet wie die Matrize u. kann nun angewendet werden, um auf Kupfer od. auf weich gemachte Stahlplatten dieselbe Zeichnung zu übertragen, welche letztere dann wieder gekohlt, gehärtet u. blau angelassen werden. Vorzüglich wurde dieses Verfahren des S-es zur Anfertigung von Papiergeld u. Banknoten von den Erfindern angewendet, ist aber jetzt durch Gewinnung eines Facsimile der Stahlstichplatte aus Kupfer auf galvanischem Wege u. folgende Verstählung der Kupferplatte verdrängt. Nach Oldham, dem Mechaniker der Bank von England, hält eine geeignet harte, mit ebenmäßiger Textur versehene u. nicht sehr tief gravirte Stahlplatte mit gelegentlichen Reparaturen 60,000, ja sogar 100,000 u. mehr Abdrücke aus. Auf gleiche Weise werden auch die Dessinwalzen für Kattundruckereien, welche Walzendruck verfertigen, gearbeitet. Bald darauf kam auch ein Verfahren in Stahl zu ätzen, nach Art der Ätzmanier der Kupferstecher, auf. Die Platten werden hierzu ebenfalls entkohlt, polirt, mit Ätzgrund überzogen u. gravirt, darauf mit einer Ätzflüssigkeit geätzt. Hierzu wendet man verdünnte chemisch reine Salpetersäure an, Auflösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd u. Quecksilberchlorid, schwefelsaurem Kupferoxyd, salpetersaurem Silberoxyd. Nach dem Abgießen der Ätzflüssigkeit wird die Platte mit einem Gemisch von Alkohol u. Wasser, zu welchem[674] man etwas Ammoniak gesetzt hat, abgespült u. durch einen Kautschuküberzug u. durch Bestreichen mit Talg vor dem Rosten geschützt. Das zu dem Ätzen angewendete Glyphogène von Deteschamps enthält salpetersaures Silberoxyd, Wasser u. Alkohol.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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