Trichter [1]


Trichter [1]

Trichter, 1) (Infundibulum), conisches, auf beiden Seiten offenes, am spitzigen Ende in eine engere Röhre sich endigendes Geräth, welches beim Eingießen od. Filtriren von Flüssigkeiten gebraucht wird. Er ist von verschiedener Größe, gewöhnlich aus Kupfer- od. verzinntem Eisenblech, für Apotheker von Glas od. Porzellan, für Chemiker, mit Ausnahme der Platintrichter zum Filtriren der Flußsäure, nur von Glas. Die Porzellautrichter sind häufig durchlöchert; die T. zu chemischem Gebrauche sollen in der Spitze einen Winkel von 60° besitzen, damit das Papierfilter, zu dessen Unterstützung sie gewöhnlich dienen, ringsum anliegt. Übrigens richtet sich die Form des T-s zum Theil nach seiner Bestimmung. Will man Flüssigkeiten in eine Retorte füllen, ohne deren Hals zu verunreinigen, so muß der T. eine Röhre von der Länge des Retortenhalses haben u. rechtwinkelig gebogen sein (Horizontaltrichter); zum Eingießen von Flüssigkeiten in Gasentbindungsslaschen während der Entwickelung benutzt man T., welche an lange Röhren angesetzt sind (Trichterröhren), welche durch den Kork gesteckt werden. Soll er zur Absonderung verschiedener über einander stehender Flüssigkeiten als Scheidetrichter dienen, so muß seine Röhre lang u. enge sein. Die Scheidetrichter werden auch so geformt, daß sie sich wie ein Stechheber (s. Heber) oben verengern u. in eine mit einem Kork od. mit dem Finger zu verschließende Öffnung endigen, durch deren Schließung ebenfalls das Ausfl eßen aus der untern engern Öffnung gehemmt wird, vgl Pipette. Zum Filtriren heißer Flüssigkeiten, aus denen schon geringe Abkühlung eine Abscheidung von festen Substanzen veranlassen würde, dient der Plantamour'sche T., ein blecherner T. mit doppelter Wandung, der unten einen abwärts gehenden kurzen Röhrenansatz hat, welcher, wie der T. selbst, mit heißem Wasser od. Öl gefüllt ist u. durch eine Lampe bis zur gewünschten Höhe erhitzt werden kann. Zwei Öffnungen in dem oberen Rande des T-s dienen zum Einfüllen des Wassers etc. u. Entweichen der Dämpfe, während in das Innere der Vorrichtung der Glastrichter mit dem Filter u. der zu erwärmenden Flüssigkeit gesetzt wird. Der Füllhals ist ein großer, hölzerner T. zum Füllen der Bier- u. Weinfässer. 2) An Pech- u. Wachsfackeln ein trichterförmiger Schirm von Pappe od. Eisenblech, damit das etwa herabtröpfelnde Pech od. Wachs die Hand des Fackelträgers nicht berühre; 3) so v.w. Minentrichter, s.u. Mine A); 4) ein nach unten sich verjüngender Schlott an vielen Maschinen, wie Mühlen, Getreidereiniger, Torfziegelmaschinen etc. zur Aufnahme der zur Speisung dienenden Substanzen; vgl. Rumpf 5); 5) T. der Nieren, so v.w. Nierenbecher, s.u. Nieren S. 944. T. der Schnecke, das mit einer Spitze nach dem obern Ende der Spindel, mit seinem breiten Theile nach der Spitze der Schnecke hingerichtete, trichterförmig ausgehöhlte Knochenblättchen, in dessen Höhlung sich der durch die Spindel gehende Ast des Gehörnerven verbreitet. T. des Gehirns (Infundibulum cerebri), der aus der dritten od. mittleren Gehirnhöhle sich zum Gehirnanhang herabsenkende, von oben nach unten kegelförmig dünner werdende Theil des Gehirns.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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