Hohenthal

Hohenthal

Hohenthal, sächsische Familie, 1717 in den Adel-, 1733 u. 1736 in den Freiherren- u. 1790 in den Grafenstand erhoben; Gründer war: 1) Peter Hohmann, geb. 26. Juli 1663 in Könnern (Provinz Sachsen), von armen Eltern, gründete in Leipzig ein Handelsgeschäft u. erwarb durch Umsicht großes Vermögen; er wurde Mitglied des Rathes u. 1717 vom Kaiser Karl VI. in den Adelstand, mit dem Beisatz: Edler Panner von Hohenthal, erhoben. Er baute in Leipzig Hohmanns Hof u. Hohenthals Haus u. war Besitzer der Güter Hohenprießnitz, Crostewitz, Groß- u. Kleinstädteln, Groß- u. Probstdeuben u. Wallendorf; er st. 2. Januar 1732 in Leipzig. Durch seine Söhne Peter u. Christian Gottlieb (st. 1763) spaltete sich dies Haus in zwei Linien: A) die ältere, H.-Königsbrück. Merkwürdig sind: 2) Peter von H., später Graf von H., Enkel des Vor., Sohn des 1763 verstorbenen Gründers der Linie, Peter von H., geb. 2. September 1726 in Leipzig, war erst Kreishauptmann im Kurkreise u. zuletzt Oberconsistorialvicepräsident u. Vicedirector der Landesökonomie-, Manufactur- u. Commerzdeputation, legte 1778 seine Ämter nieder, wurde 1790 in den Grafenstand erhoben u. starb 14. August 1794 in Herrnhut. Er besorgte die Herausgabe[463] der Leipziger Intelligenzblätter, schr. anonym Mehreres über Ökonomie, gründete die sächsische Ökonomische Gesellschaft, mehrere Armenschulen, das Erziehungsinstitut zu Uhyst, ließ die Bibel drucken etc. 2) Peter Karl Wilh., Graf von H., des Vor. Sohn, geb. 20. April 1754 in Trossin bei Torgau; wurde 1775 Assessor der Landesregierung in Dresden, stieg bis zum königlich sächsischen Staatsminister, Conferenzminister, wirklichen Geheimen Rath, Obersteuerdirector, Präsident der Bibelgesellschaft u. Domherr zu Kamin u. st. 1825. Er setzte die von seinem Vater begonnene Herausgabe des Intelligenzblattes, worin er Fragmente u. Nekrologe lieferte, fort, schrieb, außer der Herausgabe eines Anhangs zum Dresdener Gesangbuche von 1795, Dresd. 1811 (eingeführt in den gräflichen hohenthalschen Ortschaften); eine Biographie des Ministers von Gutschmidt, Gotha 1803, so wie mehrere juristische Abhandlungen. 3) Peter Karl, Sohn des Vorigen, geb. 1781; königlich sächsischer Kreishauptmann, Herr auf Döbernitz, Kreisdeputirter des Kreises Delitzsch, st. 1856. Jetziger Chef ist: 4) Peter Alfred, Sohn des Vor., geb. 1806, früher Standesherr von Königsbrück, Herr auf Steinborn u. Glauschnitz, als Standesherr von Königsbrück Mitglied der ersten sächsischen Kammer, ist Senior der Familie u. seit 1846 in zweiter Ehe vermählt mit Maria geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (geb. 1810); B) die jüngere Linie, H.-Dölkau u. Hohenprießnitz, mit dem Majorate Wartenburg u. einem großen Fideicommiß, aus der Herrschaft Lauenstein u. mehreren Gütern bestehend. 5) Karl Ludwig August, Sohn des 1802 verstorbenen Grafen Johann Jacob, welcher ein Sohn des Gründers der Linie Christ. Gottlieb war, geb. 1769, königlich sächsischer Geh. Rath; st. 1826. 6) Christian Gottlieb, Graf von H., geb. 1775; Kammerherr u. Besitzer von Hohenprießnitz u. eines großen Fideicommisses; kam durch mannigfache Verhältnisse, bes. durch dieses Fideicommiß, in große Geldverlegenheit u. Vermögenszerrüttung u. st. 1835. 7) Karl Friedrich Anton, geb. 1803, war königlich sächsischer Kammerherr, großherzoglich sächsischer Oberschenk, Majoratsherr auf Wartenburg in Preußen, erbte von dem Vor. das aus der Herrschaft Lauenstein, den Rittergütern Püchau, Pflege Löbnitz, Klein-Dölzig etc. bestehende Familienfideicommiß; war vermählt mit Walpurgis geb. Reichsgräfin Schaffgotsch von u. zu Kynast u. Greiffenstein u. st. 11. Decbr. 1852. Jetziger Chef ist: 8) Graf Karl Jul. Leopold, Sohn des Vor., geb. 21. Juni 1830; er ist Lieutenant bei den preußischen Gardehusaren u. vermählt seit 16. Septbr. 1852 mit Gräfin Auguste Isidore geb. von Wuthenau (geb. 1831). 9) Karl Emil, Bruder von H. 7), geb. 1808, Herr auf Dölkau, Kötzschlitz etc., königlich preußischer Kammerherr, Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit; vermählt seit 1833 mit Ida geb. Gräfin Saher-Thoß (geb. 1814). 10) Karl Adolf, Bruder des Vor., geb. 1811, auf Knauthain, Knautnaundorf u. Lauer, besitzt die Lehngüter Hohenprießnitz, Gruhua etc., mit H. 8) noch gemeinschaftlich; wurde 1846 königlich sächsischer Geschäftsträger in München, 1850 bevollmächtigter Minister in Paris u. 1852 Gesandter in Hannover; seit 1851 vermählt mit Karoline Freiin v. Bergen geb. v. Berlepsch, früher Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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