Urănus


Urănus

Urănus, 1) s. Uranos; 2) der dritte der sonnenfernen (jenseit der Asteroiden befindlichen) Planeten; sein Zeichen ist Urănus. Er ist seit der Entdeckung des Neptun nicht mehr der äußerste. Herschel entdeckte ihn am 13. März 1781 u. nannte ihn nach König Georg III. von England Georgsgestirn (Georgsplanet, Georgium sidus); die englischen Astronomen nannten ihn nach dem Entdecker, die deutschen aber U. Schon viel früher hatte Flamsteed (1690) u. Tobias Mayer (1756) ihn gesehen u. seinen Himmelsort bezeichnet, ihn aber für einen Fixstern gehalten. Die mittlere Entfernung von der Sonne beträgt 19,18239, die halbe große Achse der Erdbahn = 1 gesetzt od. ungefähr 3961/2 Mill. geogr. Meilen, die Länge seiner Bahn um dieselbe fast 2500 Mill. Meilen u. er legt dieselbe in 84 Jahren 5 Tagen 19 Stunden 41 Minuten 36 Secunden zurück. Die Neigung seiner Bahn ist 0o 46'; die Excentricität ist 0,0466108, daher sein kleinster Abstand von der Sonne 378, sein größter 415 Mill. Meilen. Die Sonne erscheint vom U. aus des größeren Abstandes wegen im Durchmesser über 19 u. in der Fläche 368mal kleiner als von der Erde aus, daher auch die Erleuchtung des U. durch die Sonne 368mal schwächer ist. Sein kleinster Abstand von der Erde ist 357, sein größter 436 Mill. Meilen, sein scheinbarer Durchmesser 3,9 Secunden, seine Lichtstärke die eines Sternes sechster Größe. Seine wirkliche Größe berechnet man hieraus auf 7466 geogr. Meilen im Durchmesser, was fast 41/2mal größer als der Erddurchmesser ist, sein Volumen ist also 82mal größer als das der Erde. Dagegen ist seine Masse nur etwa 15mal größer als die der Erde; sie ist nach Lamonts neuesten Bestimmungen über die Umlaufszeiten der Monde nur 1/21605 der Sonnenmasse. Hieraus ergibt sich, daß die Schwere an der Oberfläche des U. ungefähr der Schwere an der Oberfläche der Erde gleich ist, sowie daß seine Dichtigkeit 5,6mal kleiner als die der Erde u. ungefähr der Dichtigkeit des Eises gleich ist. Eine Rotation ist am U. bisher noch nicht beobachtet worden, weil man auf der kleinen Scheibe keine Flecken erkennen kann, doch vermuthete schon Herschel eine Abplattung u. Mädler schätzt dieselbe auf 1/10, was natürlich auf eine Rotation schließen läßt. U. ist von Monden (Trebaniten) umgeben, die anfangs vermutheten Ringe haben sich als optische Täuschung ergeben. Von den Trebaniten des U. wurden durch W. Herschel mit seinem Spiegelteleskop zuerst 1787 zwei, nämlich der Entfernung vom Hauptplaneten nach der 2. u. 4., dann 1790 der 1. u. 5. u. 1794 der 3. u. 6. entdeckt. Da sie durch die weit kleineren dioptrischen [277] Fernröhre weit schwerer zu erkennen sind, so sind sie von nur wenigen Astronomen wiedergesehen worden; doch ist die Existenz des 1., 2., 4., 6., vielleicht auch des 3. durch I. Herschel, Lamont u. Lassell constatirt, ja neuerdings sind von Lassell noch zwei neue Trebaniten entdeckt worden, so daß man im ganzen 8 zählt; am deutlichsten sieht man den 2. u. 4, Diese Uranusmonde bieten die merkwürdige Erscheinung dar, daß, während die Trebaniten der übrigen Planeten sich in Bahnen bewegen, welche gegen die Ebne der Ekliptik nur wenig geneigt sind, u. zwar immer von West nach Ost, die Uranusmonde mit einer Neigung von 79o, also fast unter einem rechten Winkel gegen die mit der Ekliptik fast zusammenfallende Ebne der Uranusbahn sich bewegen, u. zwar von Ost nach West. Da nun bei den übrigen Planeten die Ebnen der Mondsbahnen mit der Ebne des Äquators zusammenfällt, so wird man zu dem Schlusse geführt, daß der Äquator des U. auf der Ebne seiner Bahn fast senkrecht steht, u. daß seine Rotationsachse fast in diese Ebne fällt, so daß während einer Umlaufszeit fast jeder Punkt des U. die Sonne im Zenith sieht.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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