Gehörn


Gehörn

Gehörn, das Geweih des Hirsches u. der hirschartigen Thiere. Jedes einzelne derselben heißt Stange, die verschiednen Auswüchse desselben Enden, (Sprossen, Zacken, Zinken), sind diese noch jung Mönche, die nächste Sprosse am Kopf Augen- (Weid-), die nächste über ihr nach oben Eissprosse (Prüfel), die obern, oft kronenartig geformten Enden, wenn es mindestens drei sind, zusammen Krone (Kronengeweih); bilden sie sich so, daß sie wie Finger einer Hand neben einander sitzen, wo sie (wie beim Dammhirsch) eine Schaufel bilden, so heißt das G. Flache Hand (Hand-, Schaufel-, Palmgeweih). Die Zahl der Enden bestimmt gewöhnlich das Alter des Hirsches. Oft ist an der einen Stange eine Sprosse mehr als an der andern, dann heißen die Enden ungerade (falsche), im entgegengesetzten Fall aber gerade Enden. Im ersten Lebensjahr ist der Hirsch ohne G., im zweiten Jahre hat die Stange gar keine Enden u. ist nur ein Spieß, im dritten nur eine u. ist dann Gabel (Gabelgehörn). Zuweilen hat das G., wenigstens außer der Augen- u. Eissprosse, kein Gude, ist aber dann stärker u. heißt ein- (nieder-) sprössiges G. Solche, welche Hand- u. andere unregelmäßige G. haben, heißen widersinnige G. Die schönen G. aber, gute G., ausgelegte G., sind weit aus einander stehende. Das G. wächst aus dem Rosenstock (Stein), einer Erhabenheit des Schädels, hervor, auf dieser sitzt die Rose, ein unebener, etwas hervorstehender Theil des G-s, dessen Unebenheiten, wie die des ganzen G-s, Perlen heißen; sind deren recht viel u. recht kraus vorhanden, so zeigt dies das hohe Alter des Hirsches an. Der Hirsch wechselt sein G. jährlich (abwerfen, erniedrigen), alte im Februar u. März, geringe im Mai, u. setzt dann neue auf, diese schwitzen als weiche hornähnliche Substanz aus dem Rosenstock hervor u. heißen dann Kolben (Kluppiggehörn). Die Zeit vom März bis Juli, wo das Kolben vor sich geht, heißt Kolbenzeit. Ist das Auswachsen (Ausrecken) vollbracht u. das G. gehörig vereckt, so reibt (fegt, schlägt) der Hirsch den Bast, die rauhe wollige Haut, welche das G. noch umgibt, an hartem Holze los, u. das losgeriebene heißt Dickmaß (Gefege). Der Hirsch geht nun hoch, während er früher niedrig ging. Gewöhnlich nimmt beim gemeinen Hirsch das G. mit jedem Jahr um ein Ende zu, selten aber steigt dies über 14–18 Enden, obschon in Moritzburg ein G. von 66 Enden aufbewahrt wird. Oft setzt aber auch das G. an Zahl der Enden zurück, wo der Hirsch dann aber auch stärker wird.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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